https://www.faz.net/-gwz-9hag9

Gebärmutter-Entnahme : Ist die schonende Operation riskanter?

  • -Aktualisiert am

Übung im Operationssaal ist entscheidend. Bild: dpa

Schlüsselloch-Eingriff oder der klassische Schnitt, was funktioniert besser? Der Streit um die richtige Operationsmethode bei einem häufigen Eingriff führt zu einer entscheidenden Frage: Was kann der Arzt?

          Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium hat gute Heilungschancen, allerdings wird dafür zumeist die Gebärmutter entfernt. Das kann über einen Bauchschnitt erfolgen oder minimalinvasiv über einen „Schlüsselloch“-Eingriff beziehungsweise mit einem Operationsroboter. Bisher gingen die Onkologen davon aus, dass beide Vorgehensweisen gleichwertig sind. Zwei Studien im „New England Journal of Medicine“ stellen dies in Frage. Sie zeigen, dass die minimalinvasive Vorgehensweise zu schlechteren Langzeitergebnissen führt als die offene, klassische Operation.

          Das widerspricht den bisherigen Daten, die allerdings aus weniger hochwertigen Studien stammen oder nur die Qualität des Operationsergebnisses in den Blick genommen haben. Die beiden neuen Studien sind gewichtiger. Bei der einen handelt es sich um die erste hochwertige kontrollierte randomisierte Phase-3-Studie, die Überlebens- und Rückfallraten bei beiden Vorgehensweisen vergleicht. Bei der anderen Studie handelt es sich um eine Registerstudie. Die randomisierte Studie – LAAC – wurde sogar früher als geplant abgebrochen, nachdem offenkundig geworden war, dass in der minimalinvasiven Behandlungsgruppe 19 Patientinnen gestorben waren, in der Gruppe der offen operierten Patientinnen nur drei.

          Studie vorzeitig beendet

          An der LACC-Studie haben 631 Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs in drei verschiedenen FIGO-Frühstadien teilgenommen. Bei 319 Patientinnen wurde die Gebärmutter minimalinvasiv entfernt, bei 312 über einen Bauchschnitt. Die Eingriffe erfolgten in 33 Zentren aus acht Ländern, darunter die Vereinigten Staaten, Australien und China. Geleitet wurde die Studie vom Anderson Cancer Center in Houston. Weil die LACC-Studie vorzeitig beendet wurde, war die Zahl der Teilnehmerinnen geringer als geplant, und nicht alle behandelten Patientinnen wurden über den gesamten anvisierten Zeitraum von viereinhalb Jahren beobachtet.

          Nach viereinhalb Jahren waren 96,5 Prozent der offen operierten Patientinnen tumorfrei, in der minimalinvasiven Gruppe nur 86 Prozent. Nach drei Jahren zeigten in der offen operierten Gruppe 97 Prozent der Patientinnen keinerlei Anzeichen für einen Tumor, in der minimal invasiv operierten Gruppe 91 Prozent. Auch die Überlebensraten waren unterschiedlich. Nach drei Jahren lebten in der offen operierten Gruppe 99 Prozent der Patientinnen, von den minimalinvasiv behandelten Frauen nur 93,8 Prozent. Alexander Melamed vom Massachusetts General Hospital in Boston und seine Kollegen sind bei der Auswertung der National Cancer Database zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

          Minimalinvasiv schneidet schlechter ab

          Auch unter den 2461 Zervixkarzinom-Patientinnen mit entsprechenden Frühstadien, die zwischen 2010 und 2013 operiert und in der Datenbank erfasst worden waren, divergierten die Sterberaten. Bei der minimalinvasiven Vorgehensweise lag die Vierjahressterberate bei neun Prozent, bei der offenen Vorgehensweise bei fünf. Daten des amerikanischen Krebsregisters „Seers“ zeigen zudem, dass die Vierjahresüberlebensrate seit 2006 um 0,8 Prozentpunkte pro Jahr gesunken ist. Seit dieser Zeit haben die minimalinvasiven Eingriffe in den Vereinigten Staaten deutlich zugenommen. Davor war die entsprechende Überlebensrate jährlich um 0,3 Prozentpunkte gestiegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Carola Rackete bei ihrer Festnahme im Juli in Porto Empedocle

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.