https://www.faz.net/-gwz-t1s0

: Frühwarnsystem für Diabetes

  • -Aktualisiert am

Insulin-Patronen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Amerikanischen Forschern ist es gelungen, ohne Gewebeproben aus der Bauchspeicheldrüse den Schwund insulinproduzierender Zellen zu bestimmen. Eine Art Frühwarnung für Diabetes wird damit möglich.

          2 Min.

          Wenn sich ein Diabetes in stetig erhöhtem Nüchternblutzucker bemerkbar macht, sind bereits rund drei Viertel der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse ausgefallen. Die Gewebeinseln, in denen sich die Beta-Zellen konzentrieren, liegen bevorzugt im mittleren Teil der Verdauungsdrüse und produzieren Insulin, um den Blutzucker in Schach zu halten. Während es beim früh auftretenden Typ-1-Diabetes („Jugenddiabetes“) nur einige Jahre währt, bis die Beta-Zellen einer entzündlichen Autoimmunreaktion zum Opfer gefallen sind, nimmt die hauptsächlich auf Überernährung und Übergewicht zurückzuführende Erschöpfung der Insulinproduktion beim Typ-2-Diabetiker („Altersdiabetes“) Jahrzehnte in Anspruch.

          Für beide Krankheitsformen wäre es wünschenswert, bereits über das Ausmaß der Schäden in der Bauchspeicheldrüse Bescheid zu wissen, bevor es keine Rettung mehr gibt. Der Gruppe um Paul E. Harris von der Columbia-Universität in New York ist es gelungen, bei Ratten den kontinuierlichen Ausfall der Inselzellmasse mit Hilfe eines raffinierten Markierungsverfahrens festzuhalten, wie in der Zeitschrift „The Journal of Clinical Investigation“ berichtet wurde.

          Kaum belastendes Verfahren

          Die Forscher machten sich zunutze, daß es in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse ebenso wie in Nervenzellen des Gehirns ein besonderes Transportprotein für Neurotransmitter gibt. Obwohl man die Rolle dieses Transporters für die Insulinproduktion noch überhaupt nicht kennt, weiß man dennoch aus der Hirnforschung, daß sich die Substanz Dihydrotetrabenazin ganz spezifisch daran bindet und dieser Komplex selbst in winzigen Mengen in der Positron-Emissions-Tomographie darstellbar ist. In genetisch veränderten Ratten, die vorhersagbar eine Zuckerkrankheit entwickeln, konnten die Wissenschaftler das Ausmaß des Beta-Zell-Ausfalls fortlaufend und lange vor dem offenbar werdenden Diabetes quantifizieren. Es ließ sich zudem nachweisen, daß die Abnahme an Transporterprotein das Entgleisen des Zuckerstoffwechsels spiegelt. Damit steht erstmals eine Meßmethode zur Verfügung, die nicht mehr Gewebeproben aus der Bauchspeicheldrüse benötigt, um die Schwundstufe der insulinproduzierenden Zellen zu bestimmen.

          Beim Typ-1-Diabetes könnte man mit diesem kaum belastenden Verfahren den bislang nicht beeinflußbaren Zerstörungsprozeß der Beta-Zellen in seinem Verlauf besser beobachten und den Nutzen von Therapien wie zum Beispiel einer Inselzelltransplantation bereits in den ersten Phasen der Erkrankung überprüfen. Beim Typ-2-Diabetes böte das Verfahren eine Möglichkeit, das funktionelle Versagen während der frühen und sich über Jahrzehnte hinziehenden Entgleisung im Zuckerhaushalt mit den anatomischen Defekten in den Inselzellen zu vergleichen.

          Weitere Themen

          Neue Zahl, neues Glück?

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Der russische Kosmonaut Juri Gagarin umrundet 1961 in 108 die Erde und ist damit bis heute vielgefeiert in seiner Heimat.

          Raumfahrt : Wie Russland mit Chinas Unterstützung den Rückstand im All aufholt

          Während die Amerikaner privat ins All reisen können, ist von der ruhmreichen russischen Raumfahrt nicht mehr viel übrig – auch hier bekommen sie Sanktionen zu spüren. Um wieder groß zu werden, braucht es Unterstützung vom Nachbarn China.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.