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Darmkrebs-Screening : Früher zur Vorsorge

Krebs-Befundung durch den Pathologen an der Universitätsklinik Charité. Bild: dpa

Kommt die Einladung zur Darmkrebsvorsorge zu spät? Eine große Studie in Süddeutschland zeigt: Vor allem Männer profitieren, wenn das Screening ab 50 beginnt.

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          Nicht jede Reihenuntersuchung auf Krebsvorstufen bringt überzeugende Ergebnisse. Für die Darmkrebsvorsorge gilt das nach einer neuen Studie, die Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum mit Kollegen vorgelegt hat, ganz sicher nicht. Die Präventionsexperten empfehlen nun sogar, das Alter für die erste von den Krankenkassen übernommene Darmspiegelung um fünf Jahre von 55 auf 50 Jahre vorzuverlegen.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Obwohl Darmtumore mit rund 60 000 Erstdiagnosen pro Jahr und 26.000 Todesopfern die dritthäufigste Krebstodesursache sind, ist die Bereitschaft der Menschen für einen Vorsorgetest immer noch dramatisch schlecht. Lediglich zwei bis drei Prozent der am Screening teilnahmeberechtigten Männer und Frauen nehmen das Angebot einer Koloskopie wahr. Seit dem Jahr 2002 werden von den Kassen zudem vom 50. Lebensjahr an Stuhltests angeboten, die nach verdächtigem Blut im Stuhl suchen. Tatsächlich hat zumindest in den Screening-Altersgruppen, also ab dem 55. Lebensjahr, die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen zehn Jahren abgenommen. Allein mit diesen mehr als vier Millionen Darmspiegelungen seien 180.000 Krebsfälle verhindert worden, so Brenner.

          „Kosteneffektiv, sogar kostensparend“

          Im „Deutschen Ärzteblatt“ berichtet der Heidelberger Krebsspezialist jetzt von zwei Präventionsstudien im Südwesten Deutschlands, die zusammen mit der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg vorgenommen wurden. 84.726 Versicherte im Alter zwischen 50 und 54 Jahren wurden persönlich zur Koloskopie eingeladen. Daraufhin kam es zu 1396 Untersuchungen. Bei 8,6 Prozent der Männer - bei jeder zwölften Untersuchung - und bei 4,5 Prozent der Frauen wurden tatsächlich verdächtige Gewebeänderungen, also fortgeschrittene Adenome, erkannt. „Bei den Männern in dieser frühen Altersgruppe war die Häufigkeit sogar höher als bei den 55- bis 69-jährigen Frauen“, stellten Brenner und seine Kollegen fest. Eine Vorverlegung des gesetzlich vorgesehenen Darmkrebsscreenings sei zumindest für Männer „kosteneffektiv, wenn nicht sogar kostensparend“. Dass ein persönlicher Risikocheck-Fragebogen vor dem Screening, wie oft gefordert, die Teilnahmebereitschaft erhöht, war nicht zu erkennen.

          Dagegen zeigte die zweite Darmkrebs-Präventionsstudie der DKFZ-Kollegen Michael Hoffmeister und Bernd Holleczek: Ein persönliches Einladungsschreiben erhöht die Bereitschaft bei Männern (plus 158 Prozent) und Frauen (plus 39 Prozent) deutlich, zumindest den ab dem 50. Lebensjahr empfohlenen Stuhltest einzuschicken.

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