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Fortpflanzungsmedizin : Gefährliche Eizellspende

  • -Aktualisiert am

Künstliche Befruchtung: Einbringen einer Samenzelle in eine Eizelle Bild: picture-alliance / dpa

Die Inanspruchnahme einer Eizellspende zwecks künstlicher Befruchtung ist in Deutschland zwar verboten, aber trotzdem ist ärztliche Hilfe angesagt: Schwangeren drohen Krampfanfälle und Fehlgeburten.

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          Die Eizellspende ist für viele unfruchtbare Paare die letzte Hoffnung, doch noch ein Kind zu zeugen. Sie ist zwar in Deutschland verboten, aber auch hier gibt es zahlreiche Mütter, die sich in Nachbarländern mit den Eizellen einer anderen Frau der künstlichen Befruchtung unterzogen haben. Ihnen gebührt dringend mehr ärztliche Aufmerksamkeit, denn eine so zustande gekommene Schwangerschaft ist risikobehaftet. Darauf macht Ulrich Pecks von der Universitätsfrauenklinik in Aachen in der jüngsten Ausgabe des „Deutschen Ärzteblattes“ aufmerksam (Bd. 108, S. 23).

          In der Frauenklinik Aachen war man mit einer Serie von Fällen sogenannter Hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen oder Präeklampsien konfrontiert gewesen, die überwiegend mit Frühgeburt und Mangelentwicklung des Kindes einhergingen. Bei drei schwerwiegenden Verläufen musste die Schwangerschaft wegen akuter Lebensgefahr für die Mutter vorzeitig beendet werden. Die Neugeborenen überlebten nicht.

          Kindeswachstum verzögert

          Da auffiel, dass diese Schwangerschaften häufiger als durch Zufall erklärbar auf eine Eizellspende zurückgingen, versuchten die Aachener Frauenärzte, mit Hilfe internationaler Untersuchungen die Risiken genauer zu beziffern. Bei der Hypertensiven Schwangerschaftserkrankung handelt es sich um ein Entgleisen mehrerer Systeme im Verlauf einer Schwangerschaft, die bei der Mutter mit erhöhtem Blutdruck, Wassereinlagerungen (Ödemen), übermäßigen Eiweißverlusten über die Niere und Neigung zu Krampfanfällen einhergehen.

          Die Schwangerschaft selbst ist gefährdet, das Wachstum des Kindes zum Teil erheblich verzögert. Nach Eizellspende beträgt das Risiko hierfür je nach Studie 22 bis 28 Prozent. Manche Umstände verschlimmern die Prognose. Frauen, die Mehrlinge erwarten, sind beispielsweise doppelt so häufig betroffen wie jene, die nur ein Kind bekommen. Junge Frauen unter 35 sind überraschenderweise am meisten gefährdet, mehr sogar als solche über 40, während sonst eher ein höheres Alter mit Komplikationen bei der In-Vitro-Fertilisation behaftet ist. Gegenüber einer auf natürlichem Weg zustande gekommenen Schwangerschaft ist das Risiko für eine hypertensive Erkrankung nach einer Eizellspende mehr als sechseinhalb Mal so groß wie sonst.

          Ärztliche Begleitung notwendig

          Die Gründe hierfür kennt man noch nicht genau. Allerdings gibt es zahlreiche Hinweise, dass das Geschehen mit der mütterlichen Immunreaktion auf das fremde Gewebe zusammenhängt. Das Ungeborenes ist für die Schwangere ohnehin stets „halbfremd“ wegen der nicht verwandten Genausstattung durch den Vater. Dass es überhaupt gelingt, diesen Fremdkörper in so enger Verbindung zu dulden, ist ein nur in Ansätzen verstandenes Kunststück zum Teil unterdrückter Abwehrmechanismen. Hierbei kommt es insbesondere auf eine gelungene Kommunikation zwischen natürlichen Killerzellen der Mutter und des HLA-C Antigens des Feten an, das den immunologischen Fingerabdruck darstellt. Funktioniert die Interaktion nicht oder schlecht, bilden sich beispielsweise Blutgefäße im Mutterkuchen, durch die der Embryo ernährt wird, nicht regelrecht aus. Da eine zweite Schwangerschaft mit Eiern von derselben Spenderin oft günstiger verläuft, könnte man hierin eine Gewöhnung an den dann weniger fremden Embryo und damit eine Bestätigung dieser Hypothese vermuten.

          Da somit bereits zu Beginn der Schwangerschaft immunologisch falsche Weichen gestellt werden, kommt einer konsequenten ärztlichen Begleitung von Anfang an große Bedeutung zu. Frauenärzte sollten daher, so betonte Pecks in einem Gespräch, nach den Umständen der Zeugung fragen und insbesondere konkret das Thema Eizellspende ansprechen. Für Deutschland schätzt man, dass Frauen im Ausland etwa 2000 Befruchtungszyklen vornehmen lassen, um mittels Eispende schwanger zu werden, woraus zwischen 400 und 500 Kinder hervorgehen. Das ist umso wichtiger, als die einschlägigen Internet-Seiten von Kliniken, die in den Nachbarländern ausdrücklich um deutsche Kunden werben, die Risiken nicht nennen.

          Rechtliche Regelungen

          Eine in Aachen betreute Patientin war zweimal mittels Eizellspende schwanger geworden. Beim ersten Mal hatte sie das Kind aufgrund einer Hypertensiven Schwangerschaftserkrankung verloren. Sie berichtete in Aachen, dass sie bei einem neuen Versuch wegen des vorausgegangenen dramatischen Verlaufs eigens nachgefragt hatte, man in der ausländischen Fertilitätsklinik aber eine besondere Präeklampsiegefahr verneint habe. Das ist umso weniger zu rechtfertigen, als unter Fachleuten entsprechende Hinweise schon seit 1980 immer wieder diskutiert wurden. Hinzu kommt, dass die Eizellspende weitere Gefahren für das Kind birgt. Um den Geburtstermin ist häufiger als sonst mit Blutungen zu rechnen, die Sterblichkeit der mittels Eizellspende gezeugten Kinder ist um ein Vielfaches höher als die von natürlich gezeugten Kindern.

          Auch die Tatsache, dass wegen des rechtlichen Verbots eine Atmosphäre mangelnder Akzeptanz geschaffen wird, könnte laut Pecks die Frauen davon abhalten, von sich aus die Eizellspende anzusprechen. Insgesamt geht man mit der Eizellspende weniger offen um als etwa mit der Samenspende. Die Eizellspende ist auch in Norwegen, der Schweiz und der Türkei verboten, anonym wird sie in Dänemark, Frankreich, Spanien, Portugal und Slovenien vorgenommen. Offen praktiziert man sie in Großbritannien, Schweden und den Niederlanden, dort werden die Namen der Spenderinnen nicht geheim gehalten. Beruhigen kann man die werdenden Mütter dahingehend, dass ihnen das Kind nach der Eizellspende nicht streitig gemacht werden kann. Hierzulande gilt die Frau, die das Kind geboren hat, als leibliche Mutter.

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