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Flüchtlinge : Es kommen nicht nur die Gesunden

  • -Aktualisiert am

Ein kurdischer Kriegsflüchtling bei der Eingangsuntersuchung im niedersächsischen Bramsche. Bild: dpa

Die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, müssen auch medizinisch versorgt werden. Die Frage ist, wann und wie gut.

          Lebhaft erinnert sich die Ärztin Magdalene Budach an den älteren syrischen Mann, den man an der ungarischen Grenzen misshandelt hatte: „Er erlitt einen Rippenbruch. Weil er in Syrien am Herzen operiert worden war, nahm er Blutverdünner. Deshalb hatten sich nach dem Bruch riesige Blutergüsse gebildet.“ Sie schickte ihn ins Krankenhaus. Der Mann war einer von hunderten, die vor zwei Wochen mitten in der Nacht in Offenbach in einer der Erst- oder Notaufnahmeeinrichtungen Hessens ankamen.

          Wie Magdalene Budach sind in diesen Tagen tausende Ehrenamtliche, Honorarärzte oder Helfer der Wohlfahrtsverbände deutschlandweit im Einsatz, um für die Gesundheit der Geflüchteten zu sorgen. Dabei geht es häufig genug chaotisch zu. Vergangene Woche nun beschloss das Bundeskabinett Maßnahmen zur Beschleunigung des Asylverfahrens. Diese betreffen auch die medizinischen Aspekte. So schreibt das Bundesgesundheitsministerium: „Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchen, brauchen eine angemessene Versorgung.“ Aber wie soll das gehen?

          Keine bundesweite Regelung zur Aufnahmeuntersuchung

          Bisher ist es regional geregelt. Bevor die Flüchtlinge registriert sind, und noch ehe sie einen Asylantrag gestellt haben, kümmern sich die Länder in den Erstaufnahmeeinrichtungen um ihre Gesundheit. Sie stellen Ärzte an, die vor Ort Sprechstunden anbieten. Notfälle können direkt ins Krankenhaus überwiesen werden. Jeder Asylbewerber sollte außerdem innerhalb kurzer Zeit gründlich auf ansteckende Krankheiten untersucht werden. Dazu gehört nach dem Infektionsschutzgesetz eine Thorax-Röntgenaufnahme. Sie soll eine offene Lungen-Tuberkulose ausschließen. Eine bundesweit einheitliche Regelung dazu, was darüber hinaus untersucht werden sollte, sucht man jedoch vergebens. Daran ändert auch der Kabinettsbeschluss nichts.

          Genauso wenig daran, wie lange mit der Untersuchung gewartet werden darf. In der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen hätte die Wartezeit Mitte des Jahres acht Wochen erreicht, erzählt Werner Fleck, ein Hausarzt, der sich dort um minderjährige Flüchtlinge kümmerte: „Der Ansturm wurde von den Behörden total unterschätzt.“ Das sei zwar besser geworden, aber immer noch untragbar. Auf Nachfrage, wie hoch die Wartezeit momentan ist, teilt das Regierungspräsidium Gießen nur mit, man bemühe sich, „die Erstuntersuchung und das Röntgen innerhalb einer kurzen Frist durchzuführen“.

          Angst vor einer Grippewelle

          Die langen Wartezeiten und überfüllten Einrichtungen schüren derweil Ängste. Davor, dass die Asylbewerber exotische Infektionskrankheiten mitbringen könnten. Und dass sich Viren und Bakterien auf dem engen Raum in den teilweise schlecht beheizbaren Unterkünften ungehemmt vermehren und sich die Flüchtlinge massenweise gegenseitig anstecken. Um das einzudämmen, sieht das Maßnahmenpaket eine Verbesserung des Impfschutzes vor. Wie genau das in die Praxis umgesetzt werden soll, steht da nicht. Stattdessen soll es nun sogar erlaubt sein, dass Flüchtlinge vom Westbalkan künftig bis zu einem halben Jahr statt wie bisher nur drei Monate lang in den Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben.

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