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Erweiterte Realität : Dieser Durchblick hilft enorm

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Smarte Brille für die Vergesslichen

Doch nicht nur die Psychotherapie macht sich die neuesten Entwicklungen der Unterhaltungsindustrie zunutze. Einem armamputierten Patienten projizierten schwedische Wissenschaftler zur Rehabilitation einen virtuellen Arm auf seinen Stumpf. Elektroden an der Amputationsstelle maßen die Nervenaktivität, die Projektion bewegte sich daraufhin so, wie der Patient es sich vorstellte. Ein derartiges Gedankentraining soll verhindern, dass sich die entsprechenden Nervenbahnen im Gehirn abbauen, was die Ursache von Phantomschmerzen nach Amputationen ist.

Auch um nach Schlaganfällen wieder auf die Beine zu kommen, hat sich die Augmented Reality bewährt. In verschiedenen Studien wichen die Patienten virtuell einfliegenden Objekten aus, hüpften zur Seite oder duckten sich weg und verbesserten so ihre motorische Fitness. Nebenbei sammelten sie Punkte. Für die Patienten war das allemal lustiger, als vor einen unermüdlich fordernden Physiotherapeuten zum dritten Mal die letzten zehn Kniebeugen abliefern zu müssen. In zwei deutschen Projekten wird unterdessen an modifizierten Datenbrillen gearbeitet, die Demenz- und Alzheimer-Patienten das Leben erleichtern sollen. Die smarten Brillen navigieren die Träger auf dem Bildschirm durch die Stadt, erinnern sie an bestimmte Termine oder bilden Anleitungen zum Kuchenbacken ab.

Die Forschung kommt auf ihre Kosten

Datenbrillen mit Augmented Reality testen Astro- und Kosmonauten derzeit auch auf der internationalen Raumstation ISS. Dort erproben sie Live-Übertragungen, bei denen irdisches Fachpersonal sieht, was die Astronauten sehen, und sie dadurch in Echtzeit beraten kann. Auch sollen komplizierte Geräte künftig mit Strichcodes versehen werden, die den Astronauten die Funktionsweise einblenden, sobald sie auf den Code blicken. Die Versuche auf der ISS sollten eigentlich schon im vergangenen Jahr beginnen. Die Datenbrillen befanden sich aber an Bord einer Versorgungskapsel, deren Trägerrakete Ende Juni 2015 nach dem Start explodierte.

Die Technik ist also schon recht weit entwickelt. Aber noch nicht weit genug. In den Studien kommen bisher nur eigens angefertigte Prototypen zum Einsatz, marktreif sind die noch nicht. „Das große Problem sind die hohen Kosten“, sagt der Cyberpsychologe Oliver Baus von der Universität Quebec. „Weil wir kein Geld einnehmen, sondern nur ausgeben, ist die Entwicklung schwierig zu finanzieren.“ Deswegen sind die Wissenschaftler auf die Unterhaltungsindustrie angewiesen. Geldprobleme sind dieser Branche fremd. Pokémon Go kostet zwar nichts, aber ehrgeizige Spieler können Pokébälle und Glückseier kaufen, bis das Bankkonto errötet. Diese Strategie funktioniert auch bei anderen Spielen, der Umsatz der Branche steigt Jahr für Jahr. So haben Firmen wie Niantic das nötige Kleingeld, um die Technik voranzutreiben. Niantic-Chef John Hanke flirtete jüngst mit der Idee einer Pokémon-Go-Version für Datenbrillen. Solche Entwicklungen kämen auch den Forschern zugute. Insofern drücken sie den Pokémon-Zombies die Daumen.

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