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Ernährung : Hungerhormon zum Abspecken

  • -Aktualisiert am

Kohlenhydrate könnten zu einer schlankeren Form helfen Bild: picture-alliance / dpa

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, warum kohlenhydratarme Kost die Fettverbrennung fördert: Ein Hormon sorgt dafür, dass der Organismus Fett als Energiequelle nutzt. Nun hoffen die Wissenschaftler auf neue Schlankheitsmittel.

          Dass kohlenhydratarme Kost helfen kann abzunehmen, scheint mit der Aktivität eines auch bei Hungerphasen gebildeten Hormons zusammenzuhängen. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus Tierexperimenten.

          Eleftheria Maratos-Flier vom Beth Israel Deaconess Medical Zentrum in Boston (Massachusetts) hat zusammen mit anderen Forschern den Fibroblast Growth Factor-21 (FGF-21) ins Visier genommen, einen vor allem in der Leber hergestellten Botenstoff. Dieser auch beim Menschen vorkommende Stoffwechselregulator sorgt offenbar dafür, dass der Organismus in mageren Zeiten anstelle der in Kohlenhydraten enthaltenen Zuckermoleküle Fett als Energiequelle nutzt.

          Damit dieser „Brennstoff“ möglichst lange hält, bringt das Hungerhormon außerdem eine Reihe von Energiesparmaßnahmen in Gang. Das legen Untersuchungen einer weiteren amerikanischen Forschergruppe nahe, deren Ergebnisse zusammen mit jenen der Bostoner Gruppe in der Zeitschrift „Cell Metabolism“ (Bd. 5, S. 306 u. 415) veröffentlicht worden sind.

          Mäuse vor Übergewicht bewahrt

          Enthält die Nahrung nicht genügend verwertbare Energie, werden die im Körperspeck enthaltenen Fette abgebaut, in der Leber zu sogenannten Ketonkörpern verarbeitet und dem Gehirn und anderen Geweben als Energieträger zur Verfügung gestellt. Von einer detaillierten Kenntnis dieser Vorgänge erhofft man sich neue Impulse für die Entwicklung wirksamer Schlankheitsmittel.

          Als ein interessanter Kandidat gilt unter anderem der Botenstoff FGF-21. Neuen Beobachtungen zufolge bewahrt das Hormon - in größeren Mengen verabreicht - zur Fettsucht neigende Mäuse vor Übergewicht. Außerdem scheint es den erhöhten Blutfettgehalt der Tiere senken zu können. Ungeklärt war allerdings geblieben, wie diese günstigen Wirkungen genau zustande kommen.

          Fettleber und Überladung mit Cholesterin

          Wie nun Steven Kliewer vom Southwestern Medical Center in Dallas (Texas) und die anderen Wissenschaftler herausgefunden haben, führt Nahrungsentzug bei Mäusen innerhalb weniger Stunden zu einem starken Anstieg der Konzentration an FGF-21 in der Leber. Vermittelt wird die erhöhte Hormonproduktion offenbar teilweise von einem Molekül namens PPAR-alpha, das im Zellkern die entsprechenden Gene anschaltet.

          Wie die Wissenschaftler ferner berichten, besteht die wichtigste Aufgabe von FGF-21 darin, die aus den Speckdepots freiwerdenden Fettsäuren in der Leber zu Ketonkörpern zu verarbeiten. Darüber hinaus erhöht der Botenstoff die Aktivität bestimmter Fett abbauender Fermente in den Fettpolstern.

          In gewissem Umfang wird Fett aber auch ohne den Botenstoff abgebaut. Daher kam es bei Mäusen, die aufgrund eines genetischen Defekts nicht genügend von ihm herstellen konnten, bei Nahrungsentzug innerhalb kurzer Zeit zu einer Fettleber und zur Überladung des Bluts mit Cholesterin. Wegen des Mangels an FGF-21 wurde nämlich bei ihnen das in die Leber verfrachtete Fett nicht in Ketonkörper verwandelt.

          Bewegungsdrang der Nager verringert

          Genau dieselben krankhaften Veränderungen traten auf, wenn solche Tiere - ohne hungern zu müssen - eine an Kohlenhydraten arme, aber fettreiche Kost verzehrten. Somit scheint ein Mangel an Kohlenhydraten, unabhängig von der aufgenommenen Nahrungsmenge, die Produktion von FGF-21 anzukurbeln.

          Der Fettstoffwechsel ist jedoch offenbar nicht das einzige Betätigungsfeld dieses vielseitigen Botenstoffs. Wie die texanischen Forscher schreiben, schaltete das Leberhormon bei unzureichender Energiezufuhr außerdem ein spezielles Energiesparprogramm im Organismus der Tiere ein. So drosselte es in dem Fall die Körpertemperatur und verringerte zugleich den Bewegungsdrang der Nager.

          Auch Atkins war stark übergewichtig

          Auch beim Menschen kann eine kohlenhydratarme Ernährung einen Verlust überflüssiger Pfunde bewirken. Welche Rolle dabei der Botenstoff FGF-21 spielt, ist bislang jedoch ungeklärt. Auch lässt sich noch nicht beurteilen, wie sicher solche Diäten sind.

          Die Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen zwar, dass die bekannteste einschlägige Methode - die Atkins-Diät - die Speckpolster nachhaltiger zum Schwinden bringt als andere gängige Abmagerungskuren. Auch scheint sie entgegen manchen Befürchtungen den Blutfettgehalt nicht ungünstig zu beeinflussen („Jama“, Bd. 297, S. 969).

          Da sich die Untersuchung nur über ein Jahr erstreckte, bleibt allerdings offen, ob die Atkins-Diät auch auf längere Sicht unbedenklich ist. Schließlich soll auch der Erfinder der gleichnamigen Diät, der amerikanische Arzt Robert Atkins, stark übergewichtig gewesen sein.

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