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Insektenverzehr : Wie riskant sind gegrillte Larven?

  • -Aktualisiert am

Gegrillte Heuschrecke: Ein Snack in einem der wenigen Restaurants in den Niederlanden, wo Insekten auf der Speisekarte stehen Bild: Reuters

Heuschrecken, Mehlwürmer und andere Insekten gelten als vorteilhafte Proteinquelle. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat jetzt beurteilt, ob Krankheitsrisiken mit dem Verzehr verbunden sind.

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          Noch ist die Beschäftigung mit Insekten als Nahrungsmittel bei uns eher Kunst als Wissenschaft. Vor zwei Jahren erhielt die Wiener Studentin Katharina Unger von der Universität für angewandte Kunst viel Beachtung, weil sie als Abschlussprojekt einen Automaten konstruierte, in dem Insektenlarven für den Eigenbedarf aufgezogen werden können. Unger pries ein Tomaten-Larven-Risotto, das sie gern koche.

          Die meisten Europäer, die Insekten als Schädlinge wahrnehmen, haben mehr Berührungsängste - und reagieren mit Ekel. Immer mehr Menschen jedoch nutzen Insekten als Proteinquelle und hoffen, dass die negativen Folgen der Massentierhaltung etwa fürs Weltklima durch die kommerzielle Nutzung von Insekteneiweiß eingedämmt werden könnten. Außerdem verzehrt man in Asien, Afrika und Südamerika die Tierchen schon lange.

          Entscheidend: die Fütterung

          Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die oberste europäische Agentur für die Bewertung von Lebensmittelrisiken, schlägt aber jetzt in einem Gutachten zum Insektenverzehr einen verhaltenen Ton an. Würden Insekten für den Verzehr in großem Maßstab gezüchtet, seien die Risiken abhängig von den Produktionsverfahren und von der Fütterung. Füttere man Insekten so wie andere Masttiere, dann seien auch die Risiken vergleichbar - etwa für Schadstoffe oder Krankheitserreger im Fleisch. Allerdings werden Insekten beispielsweise in Asien und Afrika auch mit pflanzlichen Abfällen, Tierdung und kompostierten menschlichen Exkrementen gefüttert. Hier fehlen Studien, um die Risiken beurteilen zu können.

          Man wisse auch noch nichts darüber, ob die Nährstoffzusammensetzung von Insekten der anderer tierischer Lebensmittel überlegen sei, so die Wissenschaftler. Allerdings sind in Insektenprodukten wohl weniger bakterielle Krankheitserreger - wie etwa Salmonellen - zu erwarten als in herkömmlichem Fleisch. Salmonellen können Insekten als Kontamination anhaften, aber sie sind nicht in der Lage, sich in Insekten zu vermehren wie etwa in Schweinen und im Geflügel. Prionenkrankheiten wie BSE können Insekten wohl nicht übertragen - außer sie werden mit prionenhaltigem Material gefüttert. Auch schwere Allergien nach Insektenverzehr wurden schon bekannt - aber noch nicht erforscht.

          Ophelia Deroy von der University of London warnte schon im Mai in einem Kommentar in „Nature“, es sei nicht so einfach, Europäer an eine insektenhaltige Kost heranzuführen. Am besten begegne man dem Ekel und Misstrauen mit etablierten Strategien der Lebensmittelwirtschaft, etwa klaren Angaben zur Herkunft, und einer regionalen Vermarktung. „Essen ist eine Sache des Vertrauens“, schreibt Deroy. „Studien zeigen, dass die Menschen eher eine Bienen-Eiskrem von ihrem regionalen Imker probieren werden als einen gegrillten Skorpion aus weiter Ferne.“

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