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Ernährung : Ach, wie süß

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Synthetisch und auch gesund?

Synthetische Süßstoffe dagegen gelten als Chemie, als künstlich und damit problematisch. Immer wieder zirkulierende Studienergebnisse über krebsfördernde Wirkungen tun ihr Übriges.

Aspartam zum Beispiel, eingesetzt unter anderem in den Light- und Zero-Varianten der braunen Brause, hat diesen schlechten Ruf ein für alle Mal weg. In den Tierversuchen, die einen krebsfördernden Effekt zeigten, wurden allerdings hohe Konzentrationen verwendet. Um demselben Risiko ausgesetzt zu sein, müsste ein Mensch täglich dreißig Liter und mehr davon trinken – er würde wohl aus anderen Gründen sterben. Im vergangenen Jahr kam in einer Studie aber auch heraus, dass synthetische Süßstoffe der Darmflora schaden können.

So spricht dann doch manches dafür, den natürlichen Alternativen den Vorzug zu geben. Allerdings sind sie, wie eben Steviolglykoside, meist weder ganz natürlich noch eine echte Alternative. Auch nicht Agavendicksaft, der sich derzeit großer Beliebtheit erfreut. Wieder ist eine lateinamerikanische Pflanze das Ausgangsmaterial. Doch von deren durchaus gesunden Inhaltsstoffen, etwa dem nachweislich die Darmflora fördernden Präbiotikum Inulin, ist im Endprodukt nichts mehr zu finden. Stattdessen Glukose und noch mehr Fruktose, also genau jene Zuckermoleküle, in die normaler Haushaltszucker im Darm aufgespalten wird, ehe sie ins Blut übergehen.

Eine Übermenge an Fruktose, die heute niemand mehr als „gesunden Fruchtzucker“ verharmlosen sollte, ist eher von Nachteil. In der Leber entstehen daraus Fette; Studien zeigen, dass sich die Blutfettwerte verschlechtern, das Risiko für Leberverfettung und Diabetes steigt. Mit diesen Gesundheitsproblemen muss man aber erst rechnen, wenn man ständig Fruktosebomben verzehrt. Gleichfalls wäre die Krebsgefahr von Aspartam und ähnlichen Süßstoffen, wenn überhaupt, nur dann relevant, nähme man täglich viel davon zu sich.

Eine gesunde Lösung

Im Grunde lässt sich die Zuckerersatzfrage einfach beantworten, auch wenn die praktische Umsetzung vielleicht nicht so bequem ist. Abwechseln und mischen, lautet der Rat. Und geschickt kombinieren, denn die überschießende Insulin-Reaktion auf ein Glas Cola lässt sich beispielsweise verhindern, wenn man dazu etwas isst, was nicht süß und fettfrei ist. Dann kommt der Zucker nicht auf einmal an der Darmwand und im Blut an.

Der beste Tipp allerdings lautet nach wie vor: versuchen, weniger zu süßen, weniger Süßes zu essen und den Durst zwischendurch mit Wasser statt mit zuckrigen Limonaden oder mit Süßstoff angereicherten Brausen zu löschen. Sich also nach dem Vorbild unserer Ahnen zu ernähren, denn Süßes war bis vor relativ kurzer Zeit in der Menschheitsgeschichte rar.

Zucker wird noch nicht lange aus Rüben und Zuckerrohr raffiniert. Auch das Obst war in den Zeiten zuvor noch nicht so auf Süße hochgezüchtet, es war außerdem an die Saison gebunden und musste mühevoll gesammelt werden. Honig dürfte zwar schon immer begehrt gewesen sein, doch seine Gewinnung war immer schon beschwerlich und manchmal sogar lebensgefährlich. Seine Lust auf Süßes macht den Menschen erst heute so anfällig für zuckerbedingte Leiden, weil es die entsprechenden Verführer nun in Hülle und Fülle gibt.

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