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Kinderkardiologie : Leben mit einem halben Herzen

  • -Aktualisiert am

Herzfehler lassen sich am Verlauf des EKGs erkennen. Bild: epd-bild / Alexander Stein

Ein angeborener Herzfehler ist dank moderner Medizin kein Todesurteil mehr. Das Leiden kann schon in jungen Jahren gut behandelt werden. Und dennoch warnen Ärzte vor blindem Vertrauen und raten zur regelmäßigen Nachsorge.

          Kinder mit angeborenem Herzfehler hatten bis vor rund fünfzig Jahren fast keine Überlebenschancen. Dass inzwischen rund 90 Prozent von ihnen das Erwachsenenalter erreichen, zählt zu den größten Errungenschaften der modernen Medizin. Beigetragen haben hierzu etliche Fortschritte im Bereich von Diagnostik und Therapie. So lassen sich heute viele Eingriffe, die früher eine risikoreiche Operation am geöffneten Brustkorb erforderten, mit Hilfe von Kathetern über das Gefäßsystem vornehmen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist zudem die enge Kooperation zwischen Herzchirurgen und Kinderkardiologen, wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie, Sven Dittrich von der Universitätsklinik in Erlangen, kürzlich auf der gemeinsamen Jahrestagung der beiden Fachgesellschaften in Wiesbaden hervorhob. „Von Beginn an arbeiteten Kinderkardiologen und Herzchirurgen eng zusammen, lernten voneinander und inspirierten sich gegenseitig“, sagte Dittrich, der anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens seiner Fachgesellschaft die Verdienste einer langjährigen Partnerschaft unterstrich.

          Schwerpunkt des diesjährigen Kongresses war das Einkammerherz. Hiervon spricht man, wenn eine der beiden Hauptkammern (Ventrikel) des Herzens unzureichend entwickelt ist. Fehlbildungen dieser Art sind besonders schwerwiegend, wenn sie den linken und damit jenen Ventrikel betreffen, der das aus der Lunge anflutende Blut in den Körper pumpt. Neugeborene mit einem solchen hypoplastischen Linksherzsyndrom können nicht überleben, da das sauerstoffreiche Blut größtenteils in der Lunge „steckenbleibt.“ Mit einer Umformung des Herzkreislaufsystems, die drei Operationen erfordert und erst im dritten Lebensjahr abgeschlossen ist, gelingt es inzwischen, einem Großteil der betroffenen Kinder das Leben zu retten. Dabei entsteht ein Herz, das dem natürlichen Vorbild kaum noch gleicht: Die rechte Herzkammer, die normalweise das aus den Venen anströmende verbrauchte Blut in die Lunge pumpt, übernimmt dann die sehr viel anstrengendere Arbeit ihres verkümmerten Nachbarn. Dafür muss sie sich nicht mehr um ihre ursprüngliche Aufgabe kümmern. Die großen Körpervenen, die normalerweise in der rechten Herzhälfte münden, werden nämlich von dieser abgetrennt und direkt an die Lungenstrombahn angeschlossen. Wie im normalen Herzen sind der venöse (sauerstoffarme) und der arterielle (sauerstoffreiche) Kreislauf schließlich wieder voneinander getrennt – eine geniale, jedoch keine ideale Lösung.

          Junge Herzpatienten in ernster Lage

          Das neue Herzkreislaufsystem, nach dem französischen Erfinder Fontan-Kreislauf genannt, hat nämlich zwei große Schwachstellen. So wird das venöse Blut nur noch passiv, also ohne aktive Unterstützung des Herzens, durch die Lunge befördert und staut sich daher im Venensystem, was für etliche Organe, darunter Leber und Darm, eine enorme Belastung darstellt. Zudem ist der an leichtere Arbeiten gewöhnte rechte Ventrikel nur bedingt in der Lage, sein kräftigeres linkes Pendant zu ersetzen. „Die ersten zehn Jahre haben Kinder mit Fontan-Kreislauf meist Ruhe, danach kommt es häufig zu ersten größeren Problemen, etwa Leberschäden, einem vermehrten Eiweißverlust im Darm oder auch einer Herzschwäche“, sagte der Herzchirurg Pedro del Nido von der Harvard Medical School.

          Patienten, die am Herzen operiert werden, müssen über eine Herz-Lungen-Maschine versorgt werden.

          Spuren hinterlassen freilich auch die vielen Operationen. „Oft haben die Kinder Defizite der Fein- und Grobmotorik und eine verzögerte sprachliche Entwicklung. Auch sind ihre schulischen Leistungen meist geringer als jene herzgesunder Gleichaltriger“, weiß die Kinderkardiologin Angelika Lindinger aus Homburg-Saar aus langjähriger beruflicher Erfahrung. Diese Einschränkungen seien teilweise die Folge des länger währenden Sauerstoffmangels, der erst nach der dritten Operation ganz behoben ist: „Auch die Eingriffe mit der Herzlungenmaschine tragen hierzu bei. Diese ist für das Nervensystem so kleiner Kinder nämlich eine erhebliche Strapaze.“

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