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Epidemie in Afrika : Spenden erreichen die Ebola-Kranken zu spät

  • -Aktualisiert am

Helfer in einer Klinik in Monrovia Bild: AP

Nur 40 Prozent der Spenden, die für die Ebola-Gebiete bestimmt waren, haben die Patienten bisher erreicht, zeigt eine Analyse internationaler Register. Dabei ist die internationale Bereitschaft zur Unterstützung offenbar groß.

          Nur vierzig Prozent der Geldsummen, die den von Ebola betroffenen afrikanischen Ländern in Form von Spenden zur Verfügung gestellt worden sind, haben die Regionen bisher erreicht, heißt es in der aktuellen Ausgabe des „British Medical Journal“. Von 2,89 Milliarden Dollar seien bisher nur 1,09 Milliarden ausbezahlt worden.

          „Diese Verzögerungen könnten zur Verbreitung des Virus beigetragen haben und die notwendig werdenden Summen auch noch einmal erhöht haben“, schreibt Karen Grépin von der New York University in ihrem Beitrag. Die Expertin für internationale Gesundheitspolitik nutzte das Spendenregister des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA), um die Spendenhöhe und die Schnelligkeit einzuschätzen, mit der die Gelder für Afrika eingingen. Sie überprüfte dabei den Zeitraum zwischen dem 23. März 2014 und dem Jahresende – und dokumentierte ein ständiges Hin und Her, das zeigt, wie schwer sich die großen Expertenorganisationen damit taten, wirklich zu ermitteln, wie viel Geld und humanitäre Hilfe man in Westafrika benötigen würde.

          Unsicherheit über die Höhe

          Am 23. März hatte das Gesundheitsministerium von Guinea die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über einen rapide voranschreitenden Ebola-Ausbruch informiert. Die WHO stellte innerhalb einer Woche schon medizinische Ausrüstung und Hilfsgüter zur Verfügung. Im April wandte sich die WHO dann an die Regierungen der Welt, an Nichtregierungsorganisationen und private Verbände mit der Bitte um finanzielle Hilfe. Erst im August richtete die WHO einen noch umfassenderen Aufruf an die Weltgemeinschaft, um weitere Spenden anzufordern. Ende August kam dann eine erste Schätzung der WHO: 490 Millionen Dollar wurden demnach für notwendig gehalten, um den Ausbruch innerhalb von sechs bis neun Monaten einzudämmen und eine internationale Ausbreitung zu verhindern. Eine Woche später wurde diese Summe auf 600 Millionen Dollar korrigiert. Mitte September erfolgte die nächste Korrektur durch das OCHA: Inzwischen galt eine Milliarde Dollar als Wegmarke.

          „Es wird deutlich, dass die internationale Führung es schwierig fand, die notwendigen Mittel einzuschätzen“, bilanziert Grépin. Genau könne man auch jetzt nicht sagen, welche Summen realistisch gewesen wären - in der Anfangsphase der Epidemie vermutlich 1,5 Milliarden Dollar. Die längerfristigen Kosten, die der Wiederaufbau in den betroffenen Ländern erfordert, seien möglicherweise viel höher.

          Vergleich mit anderen Krisen

          „Seit dem späten September haben die internationalen Spender größere Summen zur Verfügung gestellt, als offiziell nachgefragt worden waren“, so das Fazit der Autorin. „Die Auszahlung der Spendengelder allerdings hinkt der Summe, die angefragt worden war, noch hinterher.“

          Der kritische Punkt sind für Grépin diese Auszahlungen an die Länder, die nicht rechtzeitig erfolgten. „Das Problem war nicht die Großzügigkeit der Spender“, betont sie. Es ist mit den Daten, die Grépin zur Verfügung standen, allerdings nicht möglich, die Ebola-Epidemie mit anderen Krisen zu vergleichen. Grépin mahnt an, in der Zukunft eine zeitgerechte Auszahlung sicherzustellen, etwa durch spezielle Monitoringprogramme.

          Die „Top 10“ der Spender waren (in dieser Reihenfolge) die Vereinigten Staaten (mit 900 Millionen Dollar), Großbritannien, die Weltbank, Deutschland (mit 161 Millionen Dollar), Frankreich, der Microsoft-Mitgründer Paul Allen, Schweden, Kanada, die European Commission Humanitarian Aid and Civil Protection und die Niederlande. Schweden, Kanada und Deutschland leisteten dabei zum frühesten Zeitpunkt Hilfe, nämlich im April und Mai.

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