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Ebola-Medikamente : Enttäuschte Erwartung

  • -Aktualisiert am

Zum Höhepunkt der Ebola-Krise in Liberia: Einsammeln der Todesopfer. Bild: dpa

Immer wieder wurden in der Ebola-Krise die Hoffnungen geschürt - auf Arzneien oder Impfstoffe. Dass noch immer nicht viel erreicht wurde, liegt auch an den Studiendesigns.

          Die Suche nach Medikamenten gegen Ebola hat einen Rückschlag erlitten. Das kanadische Unternehmen Tekmira Pharmaceuticals stoppte eine klinische Studie, in die besondere Hoffnungen gesetzt worden waren. Man werde keine weiteren Patienten rekrutieren, schrieb das Unternehmen in einer Pressemitteilung, da die ersten Ergebnisse nahelegten, dass sich vermutlich auch mit mehr Patienten kein therapeutischer Nutzen zeigen werde. Allerdings sollen die Ergebnisse noch genauer analysiert werden. Die Studie mit dem Medikament TKM-Ebola-Guinea hatte im März begonnen und war vom britischen Wellcome Trust, einer gemeinnützigen Treuhandgesellschaft, finanziert worden.

          Das Medikament enthält in Nanopartikel verpackte Ribonukleinsäuren, die einige Nukleinsäuren des Ebola-Virus abfangen und die Bildung neuer Viruspartikel verhindern sollen. In Tierexperimenten hatte dieses Medikament drei Affen geheilt, denen eine tödliche Menge an Ebola-Viren verabreicht worden war. In einem Gespräch mit der Zeitschrift „Science“ zeigte sich Thomas Geisbert von der Universität Texas enttäuscht vom Ende der Studie. Geisbert war für die Tierexperimente verantwortlich gewesen. Er nannte zwei mögliche Erklärungen für das schlechte Abschneiden des Medikaments. Zum einen sei eine alte Rezeptur für die Nanopartikel verwendet worden.

          Studie ohne Kontrollgruppe

          Die neue Rezeptur sei im März noch nicht für klinische Studien zugelassen gewesen, aber bei den Tierexperimenten verwendet worden. „Wir vergleichen Äpfel mit Kumquats“, sagte Geisbert gegenüber „Science“. Den zweiten Grund für das Scheitern sieht er im Studiendesign. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe, weil man aus ethischen Gründen keinem Ebola-Kranken in den teilnehmenden Krankenhäusern die Behandlung verwehren wollte. Die Behandlungsergebnisse wurden daher mit den Behandlungsergebnissen aus ganz anderen Krankenhäusern verglichen.

          Die Studien zu ZMapp, dem zweiten Hoffnungsträger gegen Ebola, laufen noch. Das Medikament besteht aus drei in Tabakpflanzen hergestellten Antikörpern, die das Virus neutralisieren sollen. Die zur Kontrollgruppe gehörenden Patienten werden im gleichen Krankenhaus behandelt und erhalten nur eine lindernde Therapie. Seit Februar sind dreißig Ebola-Kranke behandelt worden. „Nature“ veröffentlichte vor wenigen Tagen die bisherigen Ansteckungs- und Opferzahlen. Demnach haben sich bis Juni 2015 insgesamt 27.013 Menschen in Guinea, Sierra Leone und Liberia mit dem Ebola-Virus angesteckt. 11.134 sind an der Infektion gestorben.

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