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Entbindung : Verkehrt herum ins Leben

  • -Aktualisiert am

Nicht immer ist ein Kaiserschnitt die beste Alternative Bild: dpa

Wenn ein Kind in Steißlage zur Welt kommen will, raten viele Ärzte zum Kaiserschnitt. Doch eine spontane Entbindung in Beckenendlage kann durchaus ratsam sein.

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          Am Ende wurde die Zeit doch ziemlich knapp: Bei der Untersuchung in der 36. Schwangerschaftswoche saß das Kind von Regina Faller* noch immer aufrecht in ihrem Bauch, sein Kopf drückte spürbar gegen ihre Leber. BEL lautete die Diagnose der Ärzte: Beckenendlage.

          In den ersten beiden Trimestern einer Schwangerschaft ist diese auch als Steißlage bekannte Stellung noch ganz normal. Das Kind hat genug Platz, um im Uterus nach Belieben herumzuturnen und liegt mal mit dem Kopf nach oben, mal kopfüber. Doch in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft wird es eng. Die meisten Kinder kriegen den richtigen Dreh dann irgendwann hin: Sitzen gegen Ende des siebten Monats noch rund ein Viertel von ihnen in Steißlage, so geht dieser Anteil bis zur Geburt auf rund vier Prozent zurück.

          Bei vollem Bewusstsein den Bauch öffnen

          Mögliche Gründe für diese häufigste aller Lageanomalien werden in der Literatur viel diskutiert, von einer zu engen Gebärmutter bis zu bewegungsunlustigen Föten. Auch eine genetische Komponente scheint nach einer norwegischen Studie eine Rolle zu spielen: Kamen die Eltern selbst als Steißgeburten auf die Welt, so verdoppelte sich das Risiko einer Beckenendlage auch für deren Kinder. „In den meisten Fällen lässt sich aber keine klare Ursache festmachen, das Kind hat einfach den richtigen Zeitpunkt zur Drehung verpasst“, meint Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.

          Für Regina Faller wurde es Zeit, sich gedanklich mit den Alternativen für die Geburt ihres Kindes zu beschäftigen. Keine der beiden zur Auswahl stehenden Optionen behagte der werdenden Mutter besonders: Kaiserschnitt oder vaginale Steißgeburt. „Beides birgt gewisse Risiken, die es auf Basis der individuellen Gegebenheiten abzuwägen gilt“, sagt Klaus Vetter, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Bei einem Kaiserschnitt öffnet der Arzt Bauchdecke, Gebärmutter und Fruchtblase mit einem gut zehn Zentimeter langen Schnitt direkt oberhalb der Schamhaargrenze, durch den das Kind das Licht der Welt erblickt. Meist geschieht dies heute unter Teilnarkose, so dass die Mutter das erste Krähen ihres Nachwuchses bewusst miterleben kann. Wer jedoch mit der Vorstellung, dass bei vollem Bewusstsein der Bauch geöffnet wird, Probleme hat, kann mit den Ärzten auch über eine Vollnarkose reden.

          Das dicke Ende kommt im Wortsinne nach

          So oder so gehört ein Kaiserschnitt, der im 19. Jahrhundert fast immer mit dem Tod der Mutter endete, heute zu den sichersten und am häufigsten durchgeführten Operationen überhaupt: Jedes dritte Kind kommt in Deutschland mittlerweile per Kaiserschnitt zur Welt, die Sterblichkeit unter Müttern liegt hierzulande nur noch bei etwa 0,004 Prozent, wobei in diese Statistik auch noch riskante Notkaiserschnitte eingehen.

          Bei einer spontanen Geburt aus der Beckenendlage liegen die Risiken eher auf Seiten des Kindes. Zunächst rutschen Beine und Rumpf durch den Geburtskanal. Doch das dicke Ende kommt im Wortsinne nach: Bleibt der Kopf stecken, droht eine akute Sauerstoffunterversorgung. Mit den richtigen Handgriffen und der nötigen Erfahrung kann der Arzt aber selbst komplizierte Fälle meistern, etwa wenn ein Arm des Kindes nach oben geschlagen ist. Im schlimmsten Fall hilft allerdings nur noch ein hektisch durchgeführter Not-Kaiserschnitt.

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