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Ebola-Spätfolgen : Krank nach der Heilung

  • -Aktualisiert am

Medizinische Kontrolle an einem Checkpoint im Grenzgebiet zwischen Liberia und Sierra Leone Bild: AFP

Die schweren Folgen der Ebola-Epidemie in Westafrika zeigen sich erst jetzt: Geheilte Patienten haben chronische Schmerzen, Sehstörungen und scheiden die Viren mit dem Sperma aus.

          2 Min.

          Der Ebola-Ausbruch in Westafrika ist zwar abgeklungen, aber die betroffenen Länder kommen nicht zur Ruhe. Viele der mehr als 15 000 Überlebenden in Liberia, Sierra Leone und Guinea leiden unter den Spätfolgen der Infektion. Sie haben Gelenkschmerzen, Sehstörungen, Augenentzündungen, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Schwindelanfälle, Hörprobleme, Schlafstörungen, Schluckbeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen. Die Überlebenden werden zudem noch immer ausgegrenzt, weil man sie weiterhin für ansteckend hält. Nicht wenige sind arbeits- und mittellos.

          „Das ist ein Notfall im Notfall“, sagte Daniel Bausch von der Tulane-Universität in New Orleans, Berater der Weltgesundheitsorganisation, jetzt bei einem Pressegespräch in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Anlass war eine Konferenz zu den Folgen der Epidemie. Eine ähnliche Situation hat es noch nie gegeben. Frühere Ausbrüche waren bei weitem nicht so schwerwiegend. „Die Welt hat noch nie so viele Überlebende nach einem Ebola-Ausbruch gesehen“, sagte Anders Nordstrom von der Weltgesundheitsorganisation in Freetown. „Das ist neu, sowohl in medizinischer als auch in sozialer Hinsicht.“

          Chronische Schmerzen

          Eine Studie im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“ legt nahe, dass die gesundheitlichen Probleme nicht so schnell verschwinden werden (Bd. 15, S. 905). Danielle Clark vom „Walter Reed Army Institute of Research“ im amerikanischen Silver Spring und ihre Kollegen haben die Spätfolgen eines früheren Ausbruchs in Uganda untersucht. Damals hatten sich 192 Menschen infiziert, 39 starben. Clark und ihre Kollegen haben 49 Überlebende und 157 nicht infizierte Kontaktpersonen untersucht. 29 Monate nach der Infektion hatten die Überlebenden ein vierfach höheres Risiko für Schmerzen hinter den Augenhöhlen als die Kontaktpersonen. Sie hatten ein dreifach höheres Risiko für Muskelschwäche und ein zweifach höheres Risiko für Gelenkschmerzen und Sehstörungen.

          Wieso das Überleben einer Ebola-Infektion zu diesen Beschwerden führt, ist unklar. Vermutlich hat es damit zu tun, dass die Viren in den Augenkammern und den Hoden persistieren, selbst wenn keine Viren mehr im Blut vorhanden sind. „Ein Teil der Überlebenden hat eine schwere Komplikation, die wir Uveitis oder Entzündung des Augeninneren nennen“, sagte Bausch. „Wenn diese Entzündung nicht behandelt wird, kann es zur Erblindung kommen.“ Allerdings geht von den Ebola-Viren im Auge kein Ansteckungsrisiko aus, solange die Augenkammern nicht punktiert oder geöffnet werden. Die Tränenflüssigkeit ist virusfrei.

          Infektion beim Geschlechtsverkehr?

          Unklar ist auch, wie infektiös das Sperma der männlichen Überlebenden ist. Es gibt Berichte, dass sich das Virus über Monate in den Hoden aufhält, aber es gibt nur sehr wenige Hinweise, dass sich Frauen beim Geschlechtsverkehr tatsächlich infiziert haben. „Wir denken, dass die Ansteckung nicht unmöglich ist“, sagte Bausch in Freetown, „aber - aus welchem Grund auch immer - kommt sie nur sehr selten vor.“ Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den Überlebenden, Kondome zu benutzen, bis sich mindestens zweimal hintereinander keine Viren oder viralen Nukleinsäuren im Sperma nachweisen lassen. Wer seine Samenflüssigkeit nicht testen lassen möchte oder kann, sollte mindestens sechs Monate lang Kondome benutzen und dies auch länger tun, falls neue wissenschaftliche Belege dafür sprechen.

          Unklar ist auch, wie sich das Überleben der Infektion auf eine spätere Schwangerschaft auswirken wird und ob es demnächst mehr Fehlgeburten und Missbildungen in Westafrika geben wird. In der Zwischenzeit versuchen die Länder, den Überlebenden Versorgungsangebote zu machen, was angesichts der am Boden liegenden Gesundheitssysteme schwierig ist. In Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, wurde vor wenigen Tagen die vierte Anlaufstation eingerichtet. Weitere sollen bald im ganzen Land folgen. Es fehlt aber auch an Ärzten. In Sierra Leone gebe es nur zwei ausgebildete Augenärzte, so Bausch. Ein Team von Augenspezialisten der amerikanischen Emroy-Universität versucht nun zusammen mit einigen Hilfsorganisationen, Abhilfe zu schaffen. Es wird aber noch lange dauern, bis die Folgen dieser Epidemie aufgearbeitet sind.

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