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Hoffnung auf Impfstoffe : Schutz auch nach einer Ebola-Infektion

  • -Aktualisiert am

Impfung in die Muskulatur: Wird ein so einfacher Schutz gegen das Ebola-Virus Realität werden? Bild: dpa

Alle Hoffnungen der Ebola-Experten liegen jetzt auf zwei Impfstoffen. Einer von ihnen wird bald am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf an Freiwilligen getestet. Er könnte auch Infizierten helfen.

          Noch vor wenigen Wochen glaubten Experten, dass der erste Ebola-Impfstoff in dem Moment einsatzbereit sein würde, wenn die Epidemie ohnehin überwunden ist. Doch weit gefehlt: Weil sich die Fälle inzwischen alle drei Wochen fast verdoppeln, ruhen nun die meisten Hoffnungen auf einer Impfung. Sie war auch Thema einer Expertentagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der vergangenen Woche in Genf. Das erklärte Ziel: möglichst bald einen komplett getesteten Impfstoff zur Verfügung zu haben, der sich auch für Massenimpfungen eignet. Derzeit gibt es zwei aussichtsreiche Kandidaten: zum einen den Impfstoff des Unternehmens GlaxoSmithKline, der schon seit Anfang September in Großbritannien und den Vereinigten Staaten an Freiwilligen getestet wird. Die Studien zu dieser Vakzine laufen in Zusammenarbeit mit dem Jenner Institute der Universität Oxford und den amerikanischen National Institutes of Health; in Kürze soll das Produkt cAd3-ZEBOV auch in Mali und Gambia getestet werden. Es besteht aus einem Schimpansen-Adenovirus, das als Genfähre dient, um nichtinfektiöse Gensegmente des Ebola-Erregers nach intramuskulärer Injektion in menschliche Zellen einzubringen. Die Zellen synthetisieren dann die viralen Proteine und präsentieren sie auf der Zelloberfläche, so dass eine Immunantwort aufgebaut werden kann.

          Der zweite Hoffnungsträger hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt. Nicht wegen seiner Qualität, sondern aufgrund augenfällig gewordener Organisationsmängel: Die Vakzine rVSV-ZEBOV ist von der kanadischen Public Health Agency in Winnipeg entwickelt, das Patent ist vor vier Jahren an die amerikanische Firma New Link Genetics verkauft worden. Der Impfstoff enthält einen Erreger aus der Nutztierhaltung, das Vesikuläre Stomatitis-Virus (VSV), in das ein Ebola-Virus-Oberflächenprotein eingebaut worden ist. Deutsche Wissenschaftler, darunter der Virologe Stephan Becker von der Philipps-Universität Marburg, hatten in der vergangenen Woche in der Zeitschrift „Science“ bemängelt, dass die Pharmafirma nicht genügend Informationen über die Vakzine bereitstelle. Solche Informationen brauchen Becker und seine Kollegen dringend, um den klinischen Prüfantrag beim Paul-Ehrlich-Institut einreichen und die Studie mit der Vakzine beginnen zu können. Mit dem von den Forschern kurz „VSV-Impfstoff“ genannten Produkt sollen am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, in Genf, in Gabun und Kenia freiwillige Probanden geimpft werden. An Beckers Marburger Institut sollen anschließend alle Probandenseren auf Antikörper untersucht werden.

          Schneller Schutz

          Der Pharmakonzern in Iowa war offenbar von der Epidemie und dem wachsenden Interesse an seinem Produkt zunächst überrollt worden. Inzwischen sei der Kontakt zu dem amerikanischen Unternehmen gut, sagt Stephan Becker, der beide Impfstoffe, die „GSK-Vakzine“ der Firma GlaxoSmithKline und den VSV-Impfstoff, auf lange Sicht für gleichwertig hält. „Kurzfristig könnte der VSV-Impfstoff aber Vorteile bieten“, sagt der Virologe. „Die Schutzwirkung tritt nämlich viel schneller ein.“ In Tierexperimenten mit nichtmenschlichen Primaten, etwa Makaken, sei der Impfstoff teilweise sogar noch nach einer experimentellen Ebola-Infektion erfolgreich gewesen. „Wir hoffen, dass wir in drei Wochen loslegen können“, ist Becker optimistisch.

          Nach abgeschlossener Phase I sollen die Phasen II und III in Westafrika durchgeführt werden. Während in Hamburg nur zwanzig Probanden geimpft werden, hoffen die Wissenschaftler darauf, die Phase-II- und Phase-III-Studien in den betroffenen Ländern von Anfang an größer gestalten und beispielsweise sofort viele Ärzte und Pflegende impfen zu können; parallel sollen die Daten ausgewertet werden. Auch wenn die Vakzine während der Prüfphasen noch nicht zugelassen ist, könnte sie schon viele Menschen schützen: „In den Affenmodellen sah das sehr gut aus“, sagt Becker. Diesen Eindruck teilte schon 2005 ein Team um den Virologen Thomas Geisbert von der University of Texas in „Nature Medicine“, als es erste Tests der VSV-Vakzine an Primaten als „sicher und hocheffizient“ bewertete (doi: 10.1038/nm1258). Schon damals hätte man die Entwicklung schnell voran und bis zur Zulassung bringen können, glauben die Experten inzwischen. Wie lange es nun dauern wird, bis die Impfstoffe für die schwer betroffenen Regionen in Afrika bereitstehen, ist offen. Die meisten Beteiligten halten sich bedeckt. Eine größere Menge an Impfdosen könnte frühestens und nur, wenn alles den bestmöglichen Verlauf nähme, spät im ersten Quartal 2015 erhältlich sein, stellt die WHO in Aussicht.

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