https://www.faz.net/-gwz-7nuxx

Ebola : Im Zweifel tödlich

  • -Aktualisiert am

Bislang immer in Afrika: Zwei Dutzend Mal schlug die Seuche in den vergangenen Jahrzehnten zu Bild: AP

Allein der Name verbreitet Angst und Schrecken. Entwickelt die Pharmaindustrie etwas gegen Ebola? Und wie groß ist die Gefahr der Einschleppung nach Deutschland? Informationen rund um den Virus.

          4 Min.

          In Westafrika geht wieder einmal die Angst um. Guinea meldet inzwischen 111 Fälle, 70 Erkrankte seien bereits gestorben. Auch aus den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia wurden Verdachtsfälle gemeldet. Allerdings lässt sich das von Ebola verursachte hämorrhagische Fieber wegen der zu Beginn unspezifischen Symptome schwer von anderen Krankheiten unterscheiden. Eine sichere Diagnose gelingt nur mit Hilfe genetischer Tests, die bisher nur 15 Fälle bestätigten.

          Bei einer Reihe vermeintlicher Ebola-Patienten konnte dagegen Entwarnung gegeben werden, darunter auch bei einem Kanadier, der nach der Rückkehr aus Guinea fiebrig erkrankt war. Anfangs beschränkten sich die Meldungen auf den ländlichen Raum. Inzwischen gibt es aber erste bestätigte Fälle in der Hauptstadt Conakry: Der Gesundheitsminister Guineas sprach am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg von einem Toten und acht Kranken, darunter vier Männer, die sich offenbar auf dem Land bei der Beerdigung ihres Bruders mit dem Virus infiziert hatten.

          Die Ansteckung erfolgt durch Schmierinfektionen

          „Der häufig enge Kontakt zwischen Angehörigen und Verstorbenen ist ein wichtiger Infektionsweg“, bestätigt der Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg. Die Ansteckung erfolgt durch Schmierinfektionen bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Über verletzte Haut oder Schleimhäute dringt der Erreger in den neuen Wirt ein. Durch Tröpfcheninfektionen auf dem Luftweg, wie etwa bei der Grippe, wird Ebola dagegen praktisch nie übertragen. Aus diesem Grund lassen sich Ebola und das nahe verwandte Marburg-Virus durch Hygienemaßnahmen sehr gut eindämmen.

          Wer sich trotzdem mit dem fadenförmigen RNA-Virus infiziert, hat düstere Aussichten: Eine Infektion beginnt mit plötzlich auftretendem hohem Fieber, Gliederschmerzen und Übelkeit. Bald darauf verursacht das sich im gesamten Körper schnell vermehrende Virus Blutungen der Schleimhäute und der inneren Organe. Je nachdem, um welchen der vier bekannten infektiösen Untertypen des Virus es sich handelt, liegt die Sterblichkeit zwischen fünfzig und neunzig Prozent. Letzteres trifft für die nun offenbar in Guinea auftretende Zaire-Variante zu.

          Wer überlebt, verdankt dies den eigenen Abwehrkräften

          Behandeln lässt sich Ebola bisher nur symptomatisch. Wer es überlebt, verdankt dies vor allem den eigenen Abwehrkräften. Die verleihen dem Betreffenden dann allerdings bleibenden Schutz gegen den jeweiligen Virusstamm. Das Immunsystem, dessen überschießende Reaktion gleichzeitig für die lebensgefährlichen Symptome mitverantwortlich ist, kann also durchaus Herr einer Ebola-Infektion werden, weshalb theoretisch auch eine Impfung möglich sein sollte. „Tatsächlich gibt es bereits mehrere Impfstoffe, die bei Affen gute Wirksamkeit zeigen“, sagt der Ebola-Experte Becker.

          Aber angesichts von gerade mal 1.300 Toten, die das Virus seit dem ersten aktenkundigen Auftreten im Jahr 1976 an den Ufern des Ebola-Flusses im damaligen Zaire gefordert hat, sei das Interesse von Pharmaunternehmen gering. Immerhin verliefen erste klinische Tests an Menschen vielversprechend. Die Impfstoffe wurden problemlos vertragen und lösten eine spezifische Immunreaktion aus. Ob diese auch im Ernstfall schützt, ließe sich erst durch einen breiten Einsatz in möglichen Ausbruchsgebieten überprüfen, was finanziell aufwendig und ethisch problematisch wäre.

          Der Mensch spielt die tragische Rolle eines Fehlwirtes

          Dass das Ebola-Fieber nur alle paar Jahre und nur in verschiedenen entlegenen Regionen Zentral- und Westafrikas aufflammt, liegt an seiner Biologie. Parasitologisch gesehen spielt der Mensch darin lediglich die tragische Rolle eines Fehlwirtes, dessen schneller Tod für das Virus eine Sackgasse bedeutet. „Die Suche nach dem eigentlichen Wirt gleicht seit fast vierzig Jahren einem Krimi. Aber in den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass Flughunde das natürliche Reservoir des Erregers sein müssen“, sagt Becker.

          Als Überträger zum Menschen fungieren vermutlich in vielen Fällen Affen, deren Fleisch als „Bushmeat“ gehandelt wird. Auch die Primaten können schwer an dem Virus erkranken. Ebola gilt sogar als eine der größten Bedrohungen für die verbleibenden Menschenaffen Zentralafrikas. Die genauen Übertragungswege sind aber noch lange nicht geklärt, ebenso wenig wie die Frage, ob Infektionen möglicherweise häufiger als gedacht symptomlos verlaufen. Dafür könnte eine Studie von 2010 aus Gabun sprechen, die im Blut von immerhin 15 Prozent der ländlichen Bevölkerung Antikörper gegen Ebola fand.

          Neun Behandlungszentren in Deutschland

          Ob dies wirklich auf einen früheren Kontakt mit dem Virus schließen lässt, ist fraglich. So fand Stephan Becker schon 1992 in sieben Prozent von Blutproben aus Deutschland ähnliche Antikörper. Diese Befunde eröffnen aber die Möglichkeit, dass Ebola-ähnliche, aber ungefährliche Viren viel weiter verbreitet sein könnten als angenommen. Trotz der hohen Infektionsgefahr und Sterberate von Ebola halten Experten das Risiko einer größeren Epidemie oder einer Verschleppung des Virus nach Europa für gering.

          „Richtig infektiös wird man erst mit Ausbruch der schweren Symptome, die den Betroffenen dann schnell reiseunfähig machen. Angemessene Hygiene und Vorsichtsmaßnahmen vorausgesetzt, lassen sich daher Ausbrüche grundsätzlich gut eingrenzen“, sagt Lars Schaade, Vizepräsident des für Seuchenhygiene zuständigen Robert-Koch-Instituts in Berlin. Dass Ebola nun offenbar erstmals eine Millionenstadt wie Conakry erreicht hat, findet Stephan Becker allerdings schon besorgniserregend. Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit in Westeuropa bestehe trotzdem nicht.

          Ähnlich sieht es Lars Schaade: „Die Gefahr der Einschleppung nach Deutschland bleibt äußerst gering. Sollte es wider Erwarten dennoch dazu kommen, gibt es hier neun Behandlungszentren, die speziell für solche Patienten vorbereitet sind. Angesichts des großen Medienechos eines jeden Ebola-Ausbruchs würden Betroffene und Ärzte bei einer entsprechenden Vorgeschichte nicht lange zögern, auch an Ebola zu denken.“ Insofern hat die durch allerlei Endzeit-Thriller genährte Angst der Öffentlichkeit vor Ebola doch etwas Gutes.

          Weitere Themen

          Rettet Verzicht die Welt? Video-Seite öffnen

          Degrowth : Rettet Verzicht die Welt?

          Verzicht auf Konsum, Teilen statt Besitzen und Schrumpfen der Industrie - das fordert die Degrowth-Bewegung als Maßnahme gegen den Klimawandel. Kritiker sagen, Degrowth fördere die Arbeitslosigkeit.

          Die unterschätzten Klimaretter

          Bedrohte Moorgebiete : Die unterschätzten Klimaretter

          Die Moore sind gefährdet. Immer mehr dieser Feuchtgebiete trocknen aus. Dabei sind sie für das Erdklima mindestens so wichtig wie unsere Wälder, wie zwei aktuelle Studien belegen.

          Topmeldungen

          Die typische Landschaft des Teufelsmoor bei Worspwede bei Bremen.

          Bedrohte Moorgebiete : Die unterschätzten Klimaretter

          Die Moore sind gefährdet. Immer mehr dieser Feuchtgebiete trocknen aus. Dabei sind sie für das Erdklima mindestens so wichtig wie unsere Wälder, wie zwei aktuelle Studien belegen.
          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.