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Ebola : Im Zweifel tödlich

  • -Aktualisiert am

Aber angesichts von gerade mal 1.300 Toten, die das Virus seit dem ersten aktenkundigen Auftreten im Jahr 1976 an den Ufern des Ebola-Flusses im damaligen Zaire gefordert hat, sei das Interesse von Pharmaunternehmen gering. Immerhin verliefen erste klinische Tests an Menschen vielversprechend. Die Impfstoffe wurden problemlos vertragen und lösten eine spezifische Immunreaktion aus. Ob diese auch im Ernstfall schützt, ließe sich erst durch einen breiten Einsatz in möglichen Ausbruchsgebieten überprüfen, was finanziell aufwendig und ethisch problematisch wäre.

Der Mensch spielt die tragische Rolle eines Fehlwirtes

Dass das Ebola-Fieber nur alle paar Jahre und nur in verschiedenen entlegenen Regionen Zentral- und Westafrikas aufflammt, liegt an seiner Biologie. Parasitologisch gesehen spielt der Mensch darin lediglich die tragische Rolle eines Fehlwirtes, dessen schneller Tod für das Virus eine Sackgasse bedeutet. „Die Suche nach dem eigentlichen Wirt gleicht seit fast vierzig Jahren einem Krimi. Aber in den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass Flughunde das natürliche Reservoir des Erregers sein müssen“, sagt Becker.

Als Überträger zum Menschen fungieren vermutlich in vielen Fällen Affen, deren Fleisch als „Bushmeat“ gehandelt wird. Auch die Primaten können schwer an dem Virus erkranken. Ebola gilt sogar als eine der größten Bedrohungen für die verbleibenden Menschenaffen Zentralafrikas. Die genauen Übertragungswege sind aber noch lange nicht geklärt, ebenso wenig wie die Frage, ob Infektionen möglicherweise häufiger als gedacht symptomlos verlaufen. Dafür könnte eine Studie von 2010 aus Gabun sprechen, die im Blut von immerhin 15 Prozent der ländlichen Bevölkerung Antikörper gegen Ebola fand.

Neun Behandlungszentren in Deutschland

Ob dies wirklich auf einen früheren Kontakt mit dem Virus schließen lässt, ist fraglich. So fand Stephan Becker schon 1992 in sieben Prozent von Blutproben aus Deutschland ähnliche Antikörper. Diese Befunde eröffnen aber die Möglichkeit, dass Ebola-ähnliche, aber ungefährliche Viren viel weiter verbreitet sein könnten als angenommen. Trotz der hohen Infektionsgefahr und Sterberate von Ebola halten Experten das Risiko einer größeren Epidemie oder einer Verschleppung des Virus nach Europa für gering.

„Richtig infektiös wird man erst mit Ausbruch der schweren Symptome, die den Betroffenen dann schnell reiseunfähig machen. Angemessene Hygiene und Vorsichtsmaßnahmen vorausgesetzt, lassen sich daher Ausbrüche grundsätzlich gut eingrenzen“, sagt Lars Schaade, Vizepräsident des für Seuchenhygiene zuständigen Robert-Koch-Instituts in Berlin. Dass Ebola nun offenbar erstmals eine Millionenstadt wie Conakry erreicht hat, findet Stephan Becker allerdings schon besorgniserregend. Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit in Westeuropa bestehe trotzdem nicht.

Ähnlich sieht es Lars Schaade: „Die Gefahr der Einschleppung nach Deutschland bleibt äußerst gering. Sollte es wider Erwarten dennoch dazu kommen, gibt es hier neun Behandlungszentren, die speziell für solche Patienten vorbereitet sind. Angesichts des großen Medienechos eines jeden Ebola-Ausbruchs würden Betroffene und Ärzte bei einer entsprechenden Vorgeschichte nicht lange zögern, auch an Ebola zu denken.“ Insofern hat die durch allerlei Endzeit-Thriller genährte Angst der Öffentlichkeit vor Ebola doch etwas Gutes.

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