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Neue Therapieoption? : Wie man das Ebolavirus in der Zelle bremsen könnte

  • -Aktualisiert am

Ebola-Virus Bild: dpa

Um den Wirt zu infizieren, schleust sich das Ebolavirus in Körperzellen ein. Wissenschaftlern ist es nun gelungen, einen der wichtigsten Zugangswege zu blockieren - und zwar mit einer Arznei aus der traditionellen chinesischen Medizin.

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          Ebolaviren sind auf bestimmte Kalziumkanäle in Körperzellen angewiesen, um die Infektion des Wirtes zu vollenden. Diese Kanäle, die sogenannten Two Pore Channels (TPCs), könnten mit Medikamenten blockiert werden, was eine neue Therapieoption eröffnet - soweit die Ergebnisse einer Studie, die im Fachmagazin „Science“ (Bd. 347, S. 995) erschienen ist und an der Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Texas Biomedical Research Institute im amerikanischen San Antonio beteiligt waren.

          Wie sich das Virus seinen Weg in den Körper bahnt, war bisher nicht in allen Einzelheiten bekannt. Die Wissenschaftler um Yasuteru Sakurai aus San Antonio und Martin Biel und Christian Wahl-Schott von der LMU München fanden nun heraus, dass Ebolaviren zunächst an der Oberfläche von Makrophagen (Fresszellen) andocken.

          Blockierte Kanäle

          Dadurch lösen sie in der Zelle einen Prozess aus, der dazu führt, dass die Viren von Bläschen umschlossen werden, die dann mit Lysosomen verschmelzen, denjenigen Zellorganellen, die Abfälle in der Zelle verdauen. Die Viren schaffen es daraufhin, die Bläschen zu verlassen - nur so können sie den Rest der Zelle infizieren. Das kann offenbar verhindert werden, wenn die TPCs, die Kalziumkanäle in den Wänden der Bläschen, blockiert werden.

          Die Forscher verwendeten für ihre Studie Makrophagen-Zellkulturen und Versuchsmäuse, die experimentell mit Ebola infiziert wurden. Sie testeten verschiedene Substanzen, von denen man weiß, dass sie Kalziumkanäle blockieren. Am effektivsten war Tetrandrin, ein Stoff, der aus der Heilpflanze Stephania tetrandra stammt, deren Wurzel in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet wird. Aber auch an den in München hergestellten Knockout-Mausmodellen, denen TPCs völlig fehlen, ließ sich zeigen, wie entscheidend die Kanäle für den Infektionsweg sind.

          So vielversprechend die Ergebnisse sind: In einem begleitenden Kommentar wiesen Darryl Falzarano von der University of Saskatchewan in Kanada und Heinz Feldmann von den amerikanischen National Institutes of Health darauf hin, dass auf eine Therapie auf Grundlage der neuen Erkenntnisse noch einige Zeit zu warten sein wird. Offen sei auch, ob Tetrandrin ebenso gut bei Makaken wirken würde, die als Goldstandard, als wichtigstes Modell, in der Erforschung von Therapien gegen Ebola gelten.   

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