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Ebola-Epidemie : Mit den Kranken, nicht gegen sie

Viel haben die Mediziner nicht in der Hand, um die Seuche einzudämmen. Bereits im August wurde über den Slum West Point in Liberias Hauptstadt Monrovia eine Quarantäne verhängt. Bild: Getty

Ebola ist in Westafrika außer Kontrolle geraten. Die Epidemie erinnert an frühere Pestwellen in Europa. Kann man aus der Geschichte der Seuchen lernen?

          5 Min.

          Sie gehen von Haus zu Haus. Drei Tage lang, vom vergangenen Freitag bis zu diesem Sonntagabend, sollen 30000 Helfer die Bevölkerung des westafrikanischen Staats Sierra Leone über Ebola informieren und auf Anzeichen der Infektionskrankheit untersuchen. Kranke sollen in spezielle Einrichtungen gebracht, Tote überführt werden, so sieht es der Plan der Regierung vor. Damit er durchgeführt werden kann, wurde für das gesamte Land und seine 5,6 Millionen Einwohner eine dreitägige Ausgangssperre verhängt.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Schließlich gelte es, einer Epidemie Herr zu werden, der in Westafrika bislang nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 2600 Menschen zum Opfer gefallen sind, davon über 550 in Sierra Leone. Die Hälfte der 5300 bekannten Ebola-Infizierten wurde in den vergangenen drei Wochen gezählt, in Liberia stieg die Zahl der Kranken zuletzt exponentiell, so dass diese Woche der UN-Sicherheitsrat vor einer „Gefahr für den Weltfrieden“ warnte, sollte nicht umgehend eine massive „Notfall-Mission“ in den betroffenen Ländern starten.

          „Die Pest der 21. Jahrhunderts“?

          Wie ernst die Lage ist, zeigt auch der Vergleich mit früheren Epidemien. Ebola-Fälle sind in Afrika seit 1976 registriert worden. Bis zum vergangenen Jahr gab es mehr als 25 Epidemien mit insgesamt etwa 1700 Toten. Doch die Krankheitswelle, die im März dieses Jahres aus Guinea an die WHO gemeldet wurde, zeigte sich als bedeutend aggressiver als frühere. Im April erreichte die Epidemie Liberia, wo sie seither besonders heftig wütet, und Sierra Leone. Im Juli folgte Nigeria, im August brach die Seuche, offenbar unabhängig von dem Verlauf in Westafrika, auch in der Demokratischen Republik Kongo aus. Die medizinische Versorgung der Erkrankten vor Ort ist nach wie vor katastrophal, eine wirksame Therapie gibt es ebenso wenig wie einen Impfstoff. Die Sterblichkeit ist daher hoch, in manchen Regionen endet die Krankheit für 70 Prozent der Erkrankten tödlich.

          Unter den ersten Opfern der Epidemie waren zudem viele Ärzte und ihre Mitarbeiter in den Kliniken. In einem Interview mit dem australischen Sender ABC beschrieb der WHO-Mitarbeiter Ian Norton die Lage in Liberia: Das bettelarme Land bilde jährlich etwa 10 Ärzte aus, im Zuge der Epidemie seien aber bereits 20 einheimische Ärzte gestorben sowie eine hohe Zahl von Krankenschwestern. Als Konsequenz aus der Epidemie hat die WHO bereits Anfang August den Notstand ausgerufen. Inzwischen macht sogar die Bezeichnung „Pest des 21. Jahrhunderts“ für Ebola die Runde.

          Falls dieser Vergleich zulässig ist – was ließe sich daraus lernen? Von Seuchen berichtet die Menschheit, seit sie berichten kann. Im „Gilgamesch“-Epos (2. Jahrtausend v. Chr.) etwa wird die Pest von den Göttern als Mittel gegen Überbevölkerung auf die Erde geschickt, im Alten Testament trifft die Beulenpest die Feinde Israels – die Ägypter ebenso wie die Philister. Besonders eindrucksvoll sind die literarischen Zeugnisse, wenn es um die Seuche geht, die im späten fünften Jahrhundert vor Christus über Athen hereinbrach, das sich damals im Krieg mit Sparta befand. Um welche Krankheit genau es sich dabei handelte, ist trotz der Beschreibungen des Thukydides und des Lukrez bis heute umstritten – in Frage kommen etwa Pocken, Typhus oder Dengue-Fieber. Sogar als Hinweis auf eine frühe Ebola-Epidemie wurden die beschriebenen Symptome gedeutet.

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