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Ebola : Ein Stoff für Horrorfilme

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Medizinische Helfer in Schutzkleidung tragen den Leichnam einer mit dem Ebola-Virus infizierten Frau aus einer Quarantänestation in Liberia. Bild: dpa

Ebola ist in Afrika außer Kontrolle geraten. Jetzt sieht sich auch der Rest der Welt bedroht. Hier wie dort herrscht irrationale Angst.

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          Sheik Umar Khan hat es nicht mehr geschafft. Der 39jährige Arzt war einer der führenden afrikanischen Experten im Kampf gegen Ebola, er galt in Sierra Leone als Nationalheld. Irgendwann infizierte er sich selbst mit dem Virus, am Dienstag vergangener Woche starb er in einem Krankenhaus im Norden des Landes. Zuvor hieß es noch, er werde möglicherweise nach Deutschland ausgeflogen. Ein entsprechendes Ansinnen der WHO lag offenbar vor. In Hamburg war der Seuchenstab aktiv geworden, im Universitätsklinikum Eppendorf wurde eine Spezialabteilung in Bereitschaft versetzt. Wäre der Patient dort eingetroffen – sämtliche Medien des Landes hätten vorübergehend kein wichtigeres Thema gekannt.

          Beim Thema Ebola neigen nicht nur Journalisten zu Überreaktionen. Clemens Wendtner, als Chefarzt am städtischen Klinikum Schwabing unter anderem für Tropenmedizin zuständig, weiß von einem Münchener Hausarzt, dem ein Patient verdächtig vorkam, woraufhin er kurzerhand Ebola-Alarm gab. Fast wäre die Seuchenmaschinerie angelaufen; der Mann hatte aber nur eine eitrige Nierenbeckenentzündung. „Für Deutschland ist Ebola keine Bedrohung“, sagt Wendtner.

          Deutschland ist nicht Afrika und das hämorrhagische Ebolafieber nicht dasselbe wie Masern. Zwar sind manche Infektionskrankheiten auch in den medizinisch hochgerüsteten Industrienationen nicht vollständig in den Griff zu bekommen. Die jährlich wiederkehrende Grippe gehört dazu, manche Durchfallkrankheit kann bei uns epidemisch werden. Ebola eindeutig nicht.

          Ein Patient, der die typischen Symptome zeigt, würde auf der Stelle isoliert werden, seine Angehörigen und alle Kontaktpersonen würden streng überwacht. Mit dem Virus anstecken kann sich nur, wer mit dem Blut und den Ausscheidungen des Dahinsiechenden in Berührung kommt. Das ist unter hygienischen Bedingungen kaum vorstellbar.Woher kommt dann diese ungeheure Furcht vor dem „Killer aus dem Regenwald“, wie Ebola gern genannt wird?

          Kein Vergleich mit Malaria

          Der Verursacher ist erst seit knapp vierzig Jahren bekannt. Er hat in dieser Zeit rund zweitausend Opfer gefordert. Aber verglichen mit Malaria, an der jährlich zwei Millionen Menschen sterben, war Ebola bislang ein exotischer, jenseits der lokalen Seuchenherde irrelevanter Erreger. Nun breitet er sich erstmals über Ländergrenzen hinweg aus. Und der Rest der Welt zittert. Dabei wird kaum noch unterschieden zwischen realer und fiktiver Bedrohung.

          Als die Seuche 1976 erstmals nahe der Provinzstadt Yambuku tausend Kilometer nördlich von Kinshasa ausbrach, war kein einziger westlicher Journalist vor Ort. Berichte kursierten in den Nachbarländern des damaligen Zaire, die Weltöffentlichkeit nahm keinen Anteil. Zwanzig Jahre später hatte sich das komplett geändert. Diesmal war Kikwit betroffen, ebenfalls in einer Provinz der inzwischen gegründeten Demokratischen Republik Kongo gelegen. Kamerateams und Heerscharen von Reportern belagerten die Krankenhäuser, bestachen Flughafenangestellte, um in das Quarantänegebiet zu gelangen, filmten Begräbnisse und standen den medizinischen Hilfskräften im Wege. Die Wahrnehmung der westlichen Welt hatte sich grundlegend verändert. Wer oder was hatte den Umschwung bewirkt?

          Schuld war Hollywood

          Im April 1995 war die Seuche in einem Hospital in Kikwit ausgebrochen, kurze Zeit vorher kam weltweit ein Film in die Kinos, der den Horror in eine amerikanische Kleinstadt verlegte. „Outbreak“ basierte auf einer Vorlage, die der Schriftsteller Richard Preston geliefert hatte. In einem Artikel für den New Yorker, später erweitert zu einem Bestseller („Hot Zone“), schilderte Preston, wie 1989 eine Hundertschaft Versuchsaffen von den Philippinen in ein Quarantänelabor in Reston, Virginia, verschickt worden war und bald darauf an hämorrhagischem Fieber zugrunde ging. Der Erreger war, wie sich herausstellte, in der Tat ein Subtyp des Ebola-Virus, das Menschen zwar nichts anhaben konnte, aber im Gegensatz zu seinen Verwandten über die Atemwege und damit wesentlich leichter übertragen wurde.

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