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E-Sisha : Neuer Qualm im Pausenhof

E-Shisha: Die elektronische Wasserpfeife Bild: Röth, Frank

„E-Shishas“ sind nikotinfreie Elektrozigaretten, die legal an Kinder verkauft werden dürfen. Man weiß nicht genau, was drinsteckt. Sollte man sie verbieten? Bei E-Zigaretten sind bereits negative Kurzzeitfolgen bekannt.

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          Schiefes Englisch, das sich zugleich um einen offiziellen Ton bemüht, ist meist ein Warnsignal: „This product is not intended for those under 18 of age keep product away from children.“ So und in dieser Interpunktion steht es auf Papphülsen zu lesen, in denen „go shisha Disposable Electronic Hookah“ steckt. Doch warum sind diese Utensilien bunt wie Filzstifte, passen in jedes Federmäppchen und locken am Kiosk mit Geschmacksrichtungen wie „Blueberry“, „Vanilla“ oder „Energy Drink“, wenn sie nicht für Kinder und Jugendliche gemacht sind?

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei diesen Produkten handelt es sich um nichts anderes als Apparate zur Verbringung von Chemikalien in die Atemwege. „E-Shishas“, wie sie hierzulande heißen, gleichen technisch den elektrischen Zigaretten, die Rauchern einen kondensatfreien Nikotinkonsum ermöglichen sollen. Ein Unterschied besteht in der Form des Mundstücks, das bei einer E-Shisha manchmal dem einer Wasserpfeife (arabisch Schischa) nachempfunden ist, und darin, dass statt Nikotin diverse Aromastoffe inhaliert werden. Warum glüht aber auch bei E-Shishas eine Leuchtdiode an der Spitze auf und erinnert an echte Glimmstengel? Das geschieht, wenn man am Mundstück zieht und die Batterie aktiviert, damit ein Nebel aus aromatisiertem Propylenglykol erzeugt wird. „Up to 600 Puffs“ für acht Euro. So viel ist Coolness auf dem Pausenhof bereits manchem Sechstklässler wert.

          Ähnlich wie Kaugummizigaretten

          Eltern sind alarmiert, Lehrer hilflos - selbst wenn sie das Rauchverbot an Schulen kurzerhand auf E-Shishas ausdehnen. „Die sehen ja fast aus wie Füller“, klagt ein Pädagoge in der Frankfurter Neuen Presse. Und man fragt sich, was der oben zitierte Warnhinweis implizieren soll, denn die Trendartikel dürfen durchaus an Minderjährige abgegeben werden: Da es keine Tabakprodukte sind, fallen sie nicht unter Paragraph 10 des Jugendschutzgesetzes. Juristisch haben E-Shishas den Status von Gummibärchen und Lakritzschnecken. In den Augen vieler Erziehungsberechtigten ist aber die Schoko- oder Kaugummizigarette ein besserer Vergleich. Diese Produkte sind seit geraumer Zeit in der Kritik. Von 1953 bis 1967 war es in North Dakota sogar schon verboten, zigarettenförmige Süßwaren zu vertreiben.

          In einer Zeit, in der John Wayne und Humphrey Bogart auf der Leinwand noch ungehindert Kette rauchen durften, war das nur eines der vielen seltsamen Gesetze, die Amerikanern auf lokaler Ebene immer wieder einfallen. Nachdem schließlich die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens nachgewiesen war, wuchsen die Bedenken, dass mit Schokolade und Kaugummi in Glimmstengelform Raucherkarrieren spielerisch vorbereitet werden. Heute ist diese Art der Kinderbelustigung in vielen Ländern zumindest stark eingeschränkt, so ist im kanadischen Hocharktis-Territorium Nunavat beispielsweise alles verboten, was nach Tabakutensil aussieht, ohne eines zu sein.

          Ähnliches hat man in der EU vor. „Imitierte Tabakerzeugnisse, die für Minderjährige attraktiv sein können und einen potentiellen Einstieg in den Konsum von Tabakerzeugnissen bieten können, werden verboten“, lautet der Passus in einer Richtlinie, der das Europäische Parlament vergangenen Herbst zustimmte. Ob die Regierungen der Mitgliedstaaten dieser Empfehlung irgendwann Folge leisten, ist fraglich: Es sieht einfach zu sehr nach eurokratischer Bevormundung aus, dazu angetan, Wasser auf die Mühlen brüsselfeindlicher Regionalpolitiker zu leiten.

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