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Virologie : Schreckgespenst Vogelgrippe

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Das „N“ und das „H“ in H5N8

Um ein wenig Ordnung in die verwirrende Vielfalt von Virustypen, Subtypen und Sub-Subtypen zu bringen, haben Virologen ein System zur Klassifizierung von Influenza-A-Viren entwickelt, das auf genetisch deutlich unterscheidbaren Varianten von Hämagglutininen (H) und Neuraminidasen (N) basiert. Der jetzt beim Geflügel isolierte Typ H5N8 beispielsweise besitzt das fünfte aus einer Liste von bisher 18 bekannten Hämagglutininen und das achte von mindestens neun unterschiedlichen Neuraminidasen. Er passt damit zum Profil von anderen Erregern der Geflügelpest, also einer besonders heftig verlaufenden Influenza bei Geflügel, die nach bisherigen Erfahrungen stets von H5- oder H7-Virustypen verursacht wird. Gleichzeitig unterscheidet er sich deutlich von den aus Seehunden isolierten Erregern des Typs H10N7 oder den in den Jahren 2006 und 2009 als akute Bedrohung geltenden Stämmen H5N1 beziehungsweise H1N1.

Diese für Laien bereits ziemlich verwirrende HN-Nomenklatur erlaubt nur eine grobe Einteilung der kursierenden Virusvarianten in größere Verwandtschaftsgruppen. Kleine, durch einzelne Mutationen im Erbgut hervorgerufene Veränderungen, welche die Eigenschaften eines Virus wie seine Infektiosität für bestimmte Wirtsarten oder die Schwere des Krankheitsverlaufs stark beeinflussen können, werden dabei nicht berücksichtigt. Zum Beispiel der Erreger der sogenannten Schweinegrippe, der sich 2009 weltweit ausbreitete: Dieser H1N1-Typ ist nicht identisch mit dem wichtigsten Erreger der alle Jahre wiederkehrenden Grippewellen, obwohl dieser zum gleichen Typ gehört.

Die Spur führt nach Asien

Um wirklich zu wissen, mit welchem Virus sie es zu tun haben, müssen Virologen das gesamte Genom eines Virus begutachten. Auf diese Weise konnten auch die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) feststellen, dass die nun bei europäischem Geflügel gefundenen Erreger mit jenen H5N8-Viren identisch sind, die seit rund einem Jahr in China und vor allem Südkorea unterwegs sind. Dort hatten die Behörden wegen dieses Virus bereits Millionen von Hühnern und Enten keulen lassen, es wurde zudem in toten Wildenten nachgewiesen.

Wildvögel, die oft weniger stark erkranken, dürften auch für den Transport der Erreger in den Westen verantwortlich sein, vermuten die Forscher des FLI. Demnach könnte Sibirien als Schnittpunkt von Wanderrouten von europäischen und asiatischen Zugvögeln zu einer Art Verschiebebahnhof geworden sein. Andere Fachleute vermuten eine Übertragung des Virus durch den internationalen Handel mit Geflügel und Geflügelprodukten. „Für beide Hypothesen fehlt es an belastbaren Daten. Uns scheint aber die Zugvogelvariante plausibler“, sagt Mettenleiter. Anders als bei der Vogelgrippe von 2006 sei der aktuelle Erreger bisher jedenfalls noch nicht bei europäischen Wildvögeln festgestellt worden.

Damals breitete sich in Mitteleuropa für einige Monate ein Erreger vom Typ H5N1 aus. Dieser macht Epidemiologen besondere Sorgen, weil er bei sehr engem Kontakt mit infizierten Vögeln auf Menschen überspringen und dann oft zu schweren Krankheitsverläufen und vermehrten Todesfällen führen kann. Wenn das auch nur in seltenen Fällen geschieht. Im schlimmsten Szenario könnte sich ein Erreger wie H5N1 allerdings weiter an den neuen Wirt anpassen und die Fähigkeit erlangen, sich direkt von Mensch zu Mensch auszubreiten. Bisher scheint dies allerdings nicht oder nur in wenigen, nicht endgültig geklärten Verdachtsfällen geschehen zu sein.

Hysterie ist nicht angebracht

Die als hoch pathogen geltende Variante von H5N1 verschwand 2006 fast ebenso schnell aus Mitteleuropa, wie sie gekommen war. In anderen Teilen der Welt ist sie aber weiterhin eine Gefahr – auch für den Menschen. Ägyptische Behörden zählten in diesem Jahr drei H5N1-bedingte Todesfälle, zwei davon in der vergangenen Woche.

Dass der jetzt nach Europa vorgedrungene Typ H5N8 überspringt und ebenso Menschen infiziert, wurde bisher noch nirgends beobachtet. Das Virus gilt deshalb vor allem als veterinärmedizinisches Problem, mit dem sich die Geflügelzüchter auseinandersetzen müssen.

Eine Hysterie wie 2006, als die Angst vor H5N1 die Bundesrepublik in Atem hielt, ist jetzt noch weniger angebracht als damals. Aber vor einer vorschnellen Entwarnung sollte man sich ebenfalls hüten. Bei einem Verwandlungskünstler wie Influenza kann man nie sicher sein, was noch kommt.

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