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Gendermedizin : Eine Frage des Geschlechts

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Die geschlechtsspezifische Medizin beweist mehr als jede andere Genderdebatte, dass „Er“ sich von „Ihr“ grundsätzlich unterscheidet. Bild: Colourbox.com

In der Medizin hat sich die Genderdebatte erledigt. Männlich tickt anders als weiblich. Für Diagnose und Therapie vieler Krankheiten hat das weitreichende Folgen.

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          Medizinische Studien kommen an den kleinen aber feinen Unterschieden zwischen Männern und Frauen nicht länger vorbei. Das macht die neue Entwicklung der Gendermedizin deutlich. Nach ihr ist ein für alle gleiches Universalkonzept in der Forschung längst nicht mehr sinnvoll. Sie beweist mehr als jede andere Genderdebatte, dass „Er“ sich von „Ihr“ grundlegend unterscheidet - und zwar nicht nur im Kopf. „Gender“ kommt aus dem englischsprachigen Raum und bezeichnet das psychosoziale Geschlecht. Es ist das Produkt aus gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren und beinhaltet Normen, Umwelteinflüsse sowie Verhaltensweisen und Geschlechterrollen von Männern und Frauen. Der englische Gegenbegriff „sex“ ist das biologische Geschlecht, also die genetisch, hormonell und metabolisch festgelegte Anatomie des menschlichen Körpers.

          „Gender“ und „sex“ können von sogenannten „Gender-Bias“ durchzogen sein, also Verzerrungen in Forschungsergebnissen, in denen die Geschlechterkategorie teilweise ausgeschlossen oder gar gänzlich verworfen wird. In diesen geht die Forschung entweder davon aus, dass zwischen Männern und Frauen fälschlicherweise eine Gleichheit besteht oder eben Unterschiede bestehen, wo keine vorhanden sind. Genau an dieses Problem knüpft die Gendermedizin an: In dem jungen Forschungsgebiet beherrscht das Geschlecht das Feld.

          Neue Wege beschreiten

          Geschlechtsspezifische Aspekte wie Sexualhormone und Lebensstil werden in der Entwicklung von Prävention, Diagnostik und Therapie mitberücksichtigt. „Das Geschlecht ist nicht nur für die Fortpflanzung maßgeblich, es beeinflusst auch ganz wesentlich unsere Körperfunktionen, die Gesunderhaltung beziehungsweise die Entstehung, Ausprägung und die Wahrnehmung von und den Umgang mit Krankheiten und Lebenserwartung“, betont Alexandra Kautzky-Willer, erste österreichische Professorin für Gendermedizin an der Medizinischen Universität Wien. Aus medizinischer Sicht liegen also unterschiedliche Gesundheits- und Risikoverhalten der beiden Geschlechter vor, somit sprechen Männer beispielsweise auf viele Medikamente anders an als Frauen. Diese Erkenntnis erscheint logisch, und doch wird sie erst seit knapp einem halben Jahrhundert ansatzweise berücksichtigt.

          Ihre Anfänge nahm die Gendermedizin in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten, als im Rahmen der Frauenbewegung ein hoher Anspruch an das medizinische Angebot gestellt wurde. In den neunziger Jahren wurde bemängelt, dass Frauen aus vielen klinischen Studien ausgeschlossen wurden, obwohl das oben erwähnte Wissen über die unterschiedliche Medikamentenwirkung bereits bestand. In der Mitte der neunziger Jahre widmete sich die Weltgesundheitsorganisation stärker der Genderthematik und plädierte für eine Integration der Genderfrage in die Forschung. Und auch heute erlebt der „Sex-Gender-Diskurs“ in der Medizin einen erheblichen Aufschwung: Viele aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, das Geschlecht miteinzubeziehen.

          Das männliche und weibliche Hirn

          So haben Simon B. Eickhoff und seine Kollegen von der Universität Düsseldorf entdeckt, dass zwischen Charaktereigenschaften von Männern und der Menge an grauer Hirnsubstanz ein Zusammenhang besteht, den man so bei Frauen nicht beobachtet. Die Studie, die im Journal „Cerebral Cortex“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass Extrovertiertheit, Pflichtgefühl und emotionale Stabilität bei Männern eng verknüpft sind mit dem Volumen der grauen Substanz in der Großhirnfurche. Diese Verbindung wurde bei Frauen nicht festgestellt.

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