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Die lieben Kleinen (2) : Ohne Geräusch ist der Nachwuchs nicht zu haben

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z./Isabell Klett

Alle Babys brüllen. Die einen mehr, die anderen weniger. Aber warum bloß? Und wie bekommt man sie wieder ruhig? „Die lieben Kleinen“, zweiter Teil.

          Greta und schreien? "Nein", sagten ihre Eltern, da war die Kleine gerade mal fünf Tage alt. "Na gut, einmal schon. Direkt nach der Geburt." Wie Musik sei das aber gewesen, fand ihr Vater.

          Daß ein Schrei das erste ist, was ein Neugeborenes von sich gibt, ist ganz normal. Je nachdem, wie leicht die Reise war und wie sanft der Empfang, bleibt es bei ein paar Quietschern. Oder es wird zu lautem Gebrüll. Bei Mama auf dem Bauch beruhigen sich die meisten Babys aber schnell, und nach den ersten Schlucken Milch schlafen sie erst mal ein. So wie Greta.

          Helfen, damit es sofort aufhört

          Schreien ist nun mal Babys einzige Möglichkeit, um mitzuteilen, daß etwas nicht stimmt. Anders als Handzeichen geben oder rot anlaufen funktioniert Schreien auch im Tumult, im Dunkeln und auf größere Distanz. Babygeschrei ist kaum leiser als ein Preßlufthammer und um einiges kreischiger, so daß nahezu jeder im Umkreis nur eines will: dem Kind helfen, damit es sofort aufhört. Dafür muß man allerdings wissen, warum es schreit. Je nach Erziehungsratgeber gibt es mehr oder weniger Gründe für das Gebrüll. Im Schnitt sind es eine gute Handvoll, nämlich: Hunger, zu warm oder zu kalt, volle Windel, Langeweile, Einsamkeit, Schmerzen. Heraushören, um was es geht, läßt sich anfangs leider nur schwer.

          Greta zum Beispiel schrie dann sehr bald doch, und zwar, wenn sie gewickelt wurde - jedesmal. Zog es ihr am Po? Wollte sie lieber kuschelig auf dem Arm bleiben? Oder war es gleichzeitiger Hunger? Egal, für sie war alles eins. Wissenschaftlich ausgedrückt, waren ihre Schreie "primitive Reflexbewegungen auf einen unangenehmen Zustand". Und weil ihr kleines Gehirn noch nicht so weit entwickelt war, daß sie erkennen konnte, daß ihre Mutter schon dabei war, Abhilfe zu schaffen, hörte sie mit den primitiven Reflexbewegungen erst wieder auf, wenn der unangenehme Zustand vorüber war.

          Die Ursache bestimmt den Klang des Schreiens

          "Je älter das Kind, desto reifer ist das zentrale Nervensystem, und desto unterschiedlicher werden die Schreie", sagt die Ulmer Ärztin Anja Hirsch. Für ihre Doktorarbeit hat sie wochenlang Babys zwischen sechs und zwölf Monaten beobachtet, ihr Schreien aufgenommen, Stunde um Stunde Tonbänder abgehört, die Geräusche sortiert, um herauszufinden, ob man dem Klang bestimmte Ursachen zuordnen kann. Ergebnis: Man kann. Müdigkeitsgeschrei ist leise und monoton, Hungergeschrei laut und Schmerzgeschrei noch ein bißchen lauter. "Mit der Zeit schreit das Kind immer wortähnlicher", hat sie festgestellt. Es brabbelt, gurrt oder quengelt. Und: "Je älter das Kind, desto erfahrener die Eltern, und desto besser können die den Unterschied hören."

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