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Die lieben Kleinen (13) : Ein Pieks und viele Sorgen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.- Isabel Klett

Vorbeugen ist besser als heilen! Oder etwa nicht? Wenn es um Impfungen geht, sind sich viele Eltern noch unsicher. Väter und Mütter haben zum Impfen viele Fragen - gute Antworten bekommen sie selten. Teil 13 der Serie „Die lieben Kleinen“.

          6 Min.

          Jeden Montag nach der Rückbildungsgymnastik sitzen die Mütter von Karlena, Alexander, Rita und Naomi mit ihren Babys im Café und plauschen ein bißchen über Blähungen, Schwiegermütter und Tragetuchbindungen. Heute hat Karlenas Mutter mal gefragt, wie die anderen denn das so machen würden, „das mit dem Impfen“?

          Ihre Tochter soll nämlich nur gegen das „Gefährliche“ geimpft werden, das Nötige. Die Mutter sorgt sich wegen Nebenwirkungen und Folgeschäden. Alexanders „Marzipanpopo soll nicht so früh mit Medikamenten traktiert werden“, er soll erst mit einem halben, dreiviertel Jahr geimpft werden. Dann aber gegen alles, was geht: Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B, Haemophilus Influenza B, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Meningokokken und Pneumokokken. Seine Eltern arbeiten und wollen nicht ständig wochenlang zu Hause bleiben müssen. „Ach je“, murmelt Ritas Mutter. Sie hat sich noch gar keine Gedanken gemacht, geschweige denn einen Arzttermin vereinbart. Naomi dagegen hat die erste Spritze bereits bekommen.

          „In der DDR waren alle geimpft“

          Und plötzlich wird diskutiert; hitzig und laut und fast ein bißchen feindselig. „Komplett durchgeimpfte Kinder sind gar nicht gesünder, sie haben genauso Ohrenschmerzen und Schnupfen und Durchfall“, meint Karlenas Mutter heftig „und sie bekommen viel wahrscheinlicher Allergien.“ „Glaub' ich nicht“, unterbricht sie Alexanders Mutter. „Bei uns früher in der DDR waren wir alle geimpft. Und diese ganzen Zivilisationskrankheiten gab es viel weniger.“ „Aber man braucht doch die Kinderkrankheiten; die trainieren doch das Immunsystem.“ „Und warum, bitte, sollen Masern besser trainieren als Mandelentzündungen?“ „Und Masern sind so gefährlich“, sagt Naomis Mutter. „Impfen doch auch!“ ruft Karlenas Mutter. „Man liest doch ständig von Kindern, die davon behindert sind. Oder tot.“ „Quatsch, das ist doch ganz selten.“ „Das wird bestimmt vertuscht“, vermutet Ritas Mutter.“ „Genau, und warum soll man gegen immer mehr impfen? Und warum gibt es fast nur noch Mehrfachimpfungen ...“-“um das Baby zu schonen, klar, sonst müßtest du es doch viel öfter pieksen lassen.“ Und so weiter.

          Eigentlich ließe sich „das mit dem Impfen“ schnell erzählen: Vor rund 200 Jahren wurde der erste Impfstoff erfunden, gegen die Pocken. Dann gegen Diphtherie und Tetanus, dann gegen Kinderlähmung, Masern und Mumps. Und dann gegen Röteln, Windpocken, Keuchhusten, Hepatitis, Grippe oder tropische Krankheiten. An weiteren Impfstoffen wird geforscht. Fachleute unterscheiden Lebendimpfstoffe, die aus vermehrungsfähigen, aber abgeschwächten, nicht mehr krankmachenden Erregern bestehen, und Totimpfstoffe. Die enthalten tote Bakterien oder Viren, Bestandteile von deren Zelloberfläche oder auch nur entschärfte Giftstoffe der Erreger. Sie alle sollen den Körper anregen, Abwehrstoffe zu bilden und ihn genau wie nach der tatsächlichen Krankheit immun gegen die Erreger zu machen - aber eben ohne diese mit ihren lästigen bis tödlichen Komplikationen durchmachen zu müssen. Gemeinsam mit besserer Hygiene, guter Ernährung und neuen medizinischen Behandlungsmethoden haben Impfungen seit dem Zweiten Weltkrieg vielen Krankheiten den Schrecken genommen.

          Impfstoffe können Nebenwrkungen enthalten

          Aber Impfstoffe sind Medikamente, und als solche können sie Nebenwirkungen haben: angefangen bei Rötungen, Schwellungen und Fieber bis hin zum allergischen Schock durch die Antikörper. Oder durch Hefe- oder Hühnereiweiß, Formaldehyd, Äther, Quecksilberverbindungen oder Aluminiumhydroxyd, die bei der Herstellung oder zur Konservierung verwendet werden und zumindest in Spuren noch im Impfstoff bleiben. Manche Impfstoffe wirken manchmal nicht - vergangenes Jahr wurde zum Beispiel ein Sechsfachimpfstoff vom Markt genommen, weil er unzureichend gegen Hepatitis B schützte. Oder sie wirken anderes als gedacht: Eine Impfung gegen Tuberkulose immunisiert nicht wie geplant gegen Tuberkulose, sondern Lepra.

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