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Die Zukunft der Fortpflanzung? : Wir pellen Eizellen aus der Haut

Vermessung eines Embryos. Bild: dpa

Die Reproduktionsmedizin staunt: Reife Eizellen, Retorten-Babys, all das haben japanische Stammzellforscher aus der Haut gebastelt - vorerst bei Mäusen. Aber den Experten schwanen biopolitisch schwierige Zeiten.

          Reproduktionsmedizin und Ethik blicken seit Anfang der Woche hoffnungsvoll oder nachdenklich, je nach visionärem Eifer, auf einen experimentellen Fortschritt, der sich in den vergangenen drei Jahren bereits abzeichnete: Aus einfachen Bindegewebszellen der Haut haben japanische Forscher künstliche, sogenannte induzierte Stammzellen und anschließend befruchtungsfähige Eizellen in der Retorte gezüchtet. Nie zuvor war der Keimzellzyklus eines Lebewesens im Reagenzglas bis zur Befruchtung und schließlich bis zur Vermehrung rekonstruiert worden. Fortpflanzung im Science-fiction-Modus.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Zellen, die das Team um Katsuhiko Hayashi von der Kyushu-Universität in Fukuoka verwendete, stammten allerdings nicht vom Menschen, sondern von Mäusen. Nachdem man sowohl mit embryonalen als auch mit den induzierten Stammzellen (iPS) aus der Haut der Tiere reife Eizellen erzeugt hatte, wurden diese mit Spermien befruchtet und die Embryonen in Ammenmäuse übertragen, aus denen augenscheinlich gesunde und fortpflanzungsfähige Tiere hervorgingen, die selbst Nachwuchs zeugen konnten. Allerdings war das Verfahren trotz innovativer Kulturbedingungen ineffizient: Wie es in der Zeitschrift  „Nature“ heißt, haben lediglich elf von 316 Embryonen überlebt.

          Eizellen-Gewinnung wird zur Zellkulturtechnik, die klassische Eizellspende womöglich überflüssig?

          Was das für die Züchtung von Keimzellen beim Menschen bedeutet, bleibt fraglich. Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute in Cambridge wie auch Michele Boiani vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und Thomas Zwaka von der Mount-Sinai-Klinik in New York halten die Ergebnisse für „überzeugend“ und technisch durchaus auf menschliche Zellkulturen übertragbar. Der Aachener Reproduktionsbiologe Henning Beier hingegen warnt: „Die Reifung menschlicher Keimzellen ist damit noch nicht geklärt.“

          Verboten jedenfalls wäre hierzulande die Keimzellproduktion aus iPS-Zellen nach Auffassung des Heidelberger Medizinjuristen Jochen Taupitz nicht, sofern die Eizellen nicht nach ihrer Entstehung genetisch verändert oder auf eine andere Frau als die Hautzellspenderin übertragen werden. Für den Erlanger Theologen und Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, sollte das Ergebnis die „Nachdenklichkeit fördern, ob unsere gegenwärtige Gesetzeslage zum frühesten menschlichen Leben noch angemessen ist“. Der Fortschritt könne „den Optionsraum technischer Reproduktion dramatisch erweitern“.

          jom

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