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Gastbeitrag: Kooperiert! : Die globale Antibiotika-Krise ist lösbar

  • -Aktualisiert am

Staphylococcus-aureus-Bakterien im Kampf mit weißen Blutkörperchen. Bild: Rocky Mountain Laboratories, National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Der Kampf gegen die gefährlichsten Keime ist nicht verloren. Die öffentliche Hand sollte den Pharmafirmene neue Finanzierungsmodelle anbieten. Drei Optionen gibt es, meint der britische Regierungsberater.

          Wenn sich die Gesundheitsminister der Mitgliedstaaten der G7 Ende dieser Woche in Berlin treffen, wird eine Frage in ihrer Agenda ganz oben stehen, nämlich jene, wie sich die Welt besser auf Gefahren für die Gesundheit wie Ebola oder antimikrobielle Resistenzen vorbereiten kann. Ein wichtiger Teil wird hier sein, dass die G7 eine Übereinstimmung darüber findet, was in Sachen pharmazeutische Forschung zu tun ist, damit sich diese mehr auf Produkte konzentriert, die diese Gefahren bekämpfen können.

          Das Hauptproblem hierbei ist die häufige Kluft zwischen den Ausgaben der Pharmaindustrie und der Investition in die Forschung, die für die Gesellschaft am wichtigsten ist. Das Problem der multiresistenten Erreger („Superbugs“) ist dafür ein perfektes Beispiel. Es sind nicht genügend private Investitionen vorhanden, um neue Antibiotika zu entwickeln, während wir vorhandene Antibiotika viel zu häufig einsetzen. Die Medikamente, die wir für selbstverständlich halten, verlieren zunehmend ihre Wirkung gegen resistente Keime. Wenn Antibiotika erst einmal nicht mehr wirken, können Menschen wieder an gängigen Infektionen sterben. Operationen werden riskanter sein und Behandlungen gegen Krebs und Organtransplantationen ein Wagnis. Dies kann sich für die öffentliche Gesundheit als katastrophal erweisen.

          Forschen für neue Antibiotika? „Big Pharma“ ziert sich - unprofitabel.

          Vor einem Jahr wurde ich vom britischen Premierminister gebeten, den Vorsitz für eine Begutachtung des Problems der Medikamentenresistenz zu übernehmen und im Zuge dessen gezielte Schritte zur Bekämpfung der Krise vorzuschlagen. Multiresistente Keime zu stoppen ist ein weltweites Anliegen. Sie bedrohen den Handel und den ökonomischen Fortschritt, und sie können nicht von einem einzelnen Land bekämpft werden. Sie können jedoch mit politischer Führung aufgehalten werden, wenn wir uns weltweit koordinieren, ohne dass uns dies ein Vermögen kosten wird.

          Eine Wurzel des Problems ist das persönliche Verhalten. Je mehr Antibiotika wir einsetzen, ohne sie wirklich zu benötigen, desto schneller werden wir dagegen resistent und desto mehr Keime, die gegen Medikamente resistent sind, breiten sich unter uns aus, auch aufgrund des Tiertransports.

          Eine elektronenmikroskopische Aufnahme einer MRSA-Kolonie

          Eine Versorgung mit neuen Medikamenten ist von höchster Wichtigkeit. In Antibiotika zu investieren ist nicht besonders profitabel, denn die neuesten unter ihnen werden oft als Reserve zurückbehalten, um deren Wirksamkeit zu bewahren, deshalb kann der Verkauf noch für mehrere Jahre niedrig bleiben. Als Konsequenz ergibt sich daraus, dass die neue Antibiotika-Versorgung gefährlich gering ist. Um dieser Herausforderung zu begegnen, habe ich vorgeschlagen, ein System von Pauschalzahlungen für Organisationen einzuführen, die einsetzbare Medikamente entwickeln. Dies wird die Welt lediglich zwei Milliarden US-Dollar (korr. red) pro Jahr kosten, um alle 10 Jahre 15 neue brauchbare Medikamente zu entwickeln. Dies würde die Entwickler neuer Medikamente, die unsere dringendsten Bedürfnisse sicherstellen, entlohnen, während die anfänglichen Investitionskosten und das Fehlerrisiko beim Privatsektor bleiben würden - und zudem gewährleistet sein würde, dass die Medikamente für jene Patienten, die diese benötigen, auch leistbar wären.

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