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Die Genetik macht angreifbar : Lippenherpes ist Schicksal

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Bild: dpa

Eine Gensequenz macht anfällig für die Bläschen auf der Lippe. Wer andere genetische Merkmale aufweist, ist ein Leben lang geschützt - nicht nur vor Herpes.

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          Einige Menschen bekommen regelmäßig Lippenherpes, andere hingegen nie. Der Grund für diese unterschiedliche Veranlagung ist eine spezielle Sequenz im Eingangsbereich eines Gens, das an der Immunabwehr beteiligt ist. Der Austausch von zwei Nukleinbasen in der Kontrollregion des Gens entscheidet darüber, ob sich regelmäßig Lippenbläschen bilden oder nicht. Menschen, die an der entscheidenden Stelle auf beiden Chromosomen zweimal Cytosin mit auf den Lebensweg bekommen haben, entwickeln keinen Lippenherpes.

          Wer dagegen zweimal Thymin geerbt hat, muss immer wieder mit schmerzhaften Bläschen auf den Lippen rechnen. Darauf verweisen Jürgen Haas von der Universität Edinburgh und seine Kollegen in der Zeitschrift „Plos Pathogens“ (doi: 10.1371/ journalppath. 100 3514). Lippenherpes wird durch Herpes simplex Typ 1 - kurz HSV-1 - verursacht. 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind infiziert. Fast jeder hat das Virus im Kindesalter durch einen Kuss der Eltern erhalten. Das Virus vermehrt sich zunächst in den Haut- und Schleimhautzellen des Mundes und breitet sich dann über die Nervenfortsätze weiter aus. Auf diese Weise gelangt es auch in die Nähe von Mund und Lippe. Bei den meisten Menschen können sich die Viren nicht vermehren. Sie schlummern lediglich in den Nervenzellen. Bei einem von fünf Infizierten bewirken allerdings spezielle Reize, dass die Viren wieder aktiv werden. Infolgedessen entstehen die schmerzhaften Bläschen.

          Konsequenzen auch bei Hepatitis C

          „Wir konnten uns bisher nicht erklären, warum die meisten Menschen mit HSV-1 infiziert sind, aber nur wenige Lippenherpes entwickeln. Jetzt kennen wir die Antwort“, sagt Jürgen Haas. „Lippenherpes bekommt nur derjenige, der die entscheidende Veränderung im Interferon-Lambda-3-Gen hat.“ Dieses Gen enthält die Information für einen zellulären Botenstoff, der das Virus in Schach hält. Je nach Sequenzvariation wird das Gen häufig oder selten abgelesen. Das verändert die Menge des zur Verfügung stehenden Botenstoffs und damit auch die Wucht, mit der das Immunsystem auf HSV-1 reagieren kann. Die Ergebnisse von Jürgen Haas und seinen Kollegen sind aber noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Die Gensequenz, die für Lippenherpes prädestiniert, entscheidet auch darüber, wie gut Patienten mit einer Hepatitis-C-Infektion auf eine Therapie ansprechen.

          Wer die günstige Gensequenz geerbt hat, spricht schneller auf eine Therapie an und hat bessere Chancen, geheilt zu werden, als derjenige mit der ungünstigen Gensequenz. „Dieses Ergebnis zeigt, dass gewisse Gensequenzen des Menschen bei mehreren Viruserkrankungen von Nachteil sein können“, sagt Haas. „Wer zwei Thymins geerbt hat, ist sowohl bei einer HSV-1-Infektion als auch bei einer Hepatitis-C-Infektion schlechtergestellt.“ Bisher kann vor der Behandlung einer Hepatitis-C-Infektion mit einem Gentest nach der kritischen Gensequenz im Interferon-Lambda-3-Gen geschaut werden. Vielleicht müssen die Ärzte in Zukunft nur noch danach fragen, ob der Patient regelmäßig Lippenherpes hat oder nicht.

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