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Hautpigmente : Unser fragiler Schutz

Mehr als 2500 Fotos umfasst das 2012 gestartete Projekt „Humanæ“ inzwischen. Der jeweilige Hintergrund entsteht am Computer: Pixel der Nase bestimmen den Farbton, den die Fotografin im Untertitel codiert. Bild: Angelica Dass

Irgendwann im Verlauf der Evolution hat der Mensch seinen Pelz verloren. Und seine Haut wurde dunkel. Das half ihm, in der Savanne zu überleben. Aber warum hat die Menschheit heute ein so großes Spektrum an Hautfarben?

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          Zebrafische mit verblassten Streifen? Auf den ersten Blick haben diese Mutanten wenig mit uns gemein. Doch als Krebsforscher das für die ungewöhnliche Blässe der Fische verantwortliche Gen identifiziert hatten, fanden sie das Pendant beim Menschen und konnten so vor zehn Jahren eine der großen Fragen der Evolutionsbiologie wenigstens teilweise beantworten. Denn was diese Zebrafische „golden“ erscheinen lässt, so jedenfalls taufte man den Phänotyp, unterscheidet tatsächlich auch Europäer von Afrikanern - und sorgt für einen helleren Teint.

          Sonja Kastilan
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jetzt, am Ende des Sommers, zeigt sich der Einfluss der Sonne in gebräunten Gesichtern. Die Haut kann immer noch auf das Licht reagieren, den Verlust der ursprünglichen Farbe jedoch nicht mehr völlig ersetzen. Damit ging einst ein wichtiger UV-Schutz verloren. Aber was wurde stattdessen gewonnen? Was hat es mit all den weltweit existierenden Schattierungen auf sich, die farblich zwischen Ebenholz und Alabaster angesiedelt sind?

          Auffällig ist zunächst ein geographisches Muster: Je ferner Menschen vom Äquator leben, desto heller ist ihre Haut. „Depigmentiert“ nennt das die amerikanische Anthropologin Nina Jablonski, sie lässt den Begriff „weiß“ nicht so einfach durchgehen, wenn von europäischer oder asiatischer Haut die Rede ist. Schließlich sei unser aller Ursprung dunkel gewesen, wir stammten nun mal aus Afrika. Unter einem Selektionsdruck hätten sich dann Varianten davon abgeleitet, angepasst an die jeweils herrschenden Umweltbedingungen, wo immer Homo sapiens gerade heimisch wurde. Mehrfach und auf unterschiedliche Weise veränderte sich die genetische Ausstattung. Manchmal wurde die Haut zunächst heller, um nach einer weiteren Wanderschaft in späteren Generationen wieder nachzudunkeln, wenn auch auf andere Weise.

          Farben, Rassen, Philosophen

          „Die Haut ist die äußerste Schicht, über die wir uns mit der Umwelt und auch untereinander austauschen. Sie ist das Erste, was wir von einer Person wahrnehmen“, sagt Jablonski. Deshalb sei es auch so wichtig, dass Menschen verstehen, warum wir uns hinsichtlich unserer Hautfarben so unterscheiden. In ihren Vorträgen zeigt die Anthropologin Bilder der brasilianischen Fotografin Angélica Dass. Diese verpasst Porträtaufnahmen einen Hintergrund, der jeweils an der Hautfarbe des Porträtierten orientiert ist, und widerlegt so den Systematiker Carl von Linné, der im 18. Jahrhundert die Menschheit in die vier Farbtypen Weiß, Rot, Gelb und Schwarz unterteilen wollte. Der Philosoph Immanuel Kant ordnete den Hautfarben dann sogar bestimmte Eigenschaften zu, wie etwa mehr oder weniger Vernunft, und propagierte eine Hierarchie der Rassen. Kant habe der Menschheit damit einen Bärendienst erwiesen, sagt Jablonski. Und fordert, diesen Irrtum mit Hilfe von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu korrigieren.

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