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Fragwürdige Diät : Hungern für die Gesundheit?

  • -Aktualisiert am

Eine Diät verlangt eine eiserne Disziplin, aber ob sie auch immer den gewünschten gesundheitlichen Zweck erfüllt, ist mehr als fraglich. Bild: Getty

Hilft Intervallfasten tatsächlich gegen Diabetes, wie es einige Studien behaupten? Mediziner sind skeptisch und verweisen auf die dünne Datenlage.

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          Intervallfasten ist eine populäre Diät, aber ist es auch für Patienten mit Typ-2-Diabetes geeignet? Abnehmen gilt bei dieser Erkrankung als wichtiges Ziel, weil weniger Kilos auf der Waage auch bessere Blutzuckerwerte bedeuten. Allerdings mahnt die Forschergruppe um Benjamin Horne vom Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City zur Vorsicht, nachdem sie sieben bisher veröffentlichte Studien zum Intervallfasten beim Typ-2-Diabetes gesichtet hat. Das Intervallfasten habe, so die Forscher, zwar positive Effekte, die Qualität der bisherigen Studien reiche aber nicht aus, um daraus klinisch relevante Empfehlungen abzuleiten. Die Untersuchungen seien zu unterschiedlich gewesen, hätten nicht mehr als 63 Teilnehmer gehabt und nicht länger als vier Monate gedauert. Lediglich eine Studie habe sich auch mit den Risiken des Intervallfastens bei Patienten mit Typ-2-Diabetes beschäftigt. Durch das längere Aufschieben der nächsten Mahlzeit während des Fastens kann es nämlich zu einer Unterzuckerung kommen. Das ist besonders schnell der Fall, wenn die Patienten Medikamente zur Senkung des Blutzuckers einnehmen. Deshalb muss die Medikation beim Intervallfasten sorgfältig angepasst werden. Dafür gebe es aber keine durch Untersuchungen abgesicherten Empfehlungen, schreiben Horne und seine Kollegen im amerikanischen Ärzteblatt „Jama“.  Die Anpassung der Arzneien basiere lediglich auf den bekannten Wirkmechanismen.

          Intervallfasten ist eigentlich der Lebensstil unserer Vorfahren, die regelmäßig mit knapper Nahrung zurechtkommen mussten. Beim Intervallfasten wechseln Zeiten des Fastens mit Zeiten der Nahrungsaufnahme ab. Populär ist diese Form der Diät seit rund acht Jahren, wobei es verschiedene Varianten gibt. In einem Fall wird in einer Zeit von sechs bis acht Stunden gegessen und den Rest des Tages gefastet. Bei einer anderen Variante wird an zwei oder mehreren Tagen in der Woche gefastet und an den anderen Tagen normal gegessen. Das Prinzip der Diät besteht darin, dass das Fasten die Insulinkonzentration im Blut derart absenkt, dass Fett aus den Fettzellen für die Energiegewinnung rekrutiert werden muss. Beim Intervallfasten wird also ständig zwischen der Nutzung der während der Essenszeiten aufgenommenen Glukose und der Mobilisierung des Körperfetts hin und her geschaltet.

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