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Diabetes : Zucker ist Gift für die Gefäße

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Notwendiger Begleiter: Immer mehr Zuckerkranke nutzen den Insulin-Pen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Diabetes gilt längst nicht mehr als „milde Alterskrankheit“. Mediziner befürchten eine Epidemie, von der bis 2010 etwa 220 Millionen Menschen auf der ganzen Welt betroffen sein könnten. Erhöhter Blutzucker und Übergewicht sind dabei die größte Gefahr.

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          Keine Erkrankung hat eine so dramatische Veränderung von der „milden Alterserkrankung“ zum künftigen „Killer Nummer 1“ durchgemacht wie der Typ-2-Diabetes, der gut 95 Prozent aller Zuckerkrankheiten ausmacht. Derzeit gibt es weltweit rund 150 Millionen Diabetiker, im Jahr 2010 sollen es mehr als 220 Millionen sein. In Deutschland leben etwa sieben Millionen Zuckerkranke, allerdings ist womöglich ein nicht unerheblicher Teil noch nicht erkannt.

          Hier erleidet alle fünfzehn Minuten ein Diabetiker einen Herzinfarkt, alle vierzig Minuten einer einen Schlaganfall, alle fünfzehn Minuten wird einem Zuckerkranken ein Zehenglied oder ein Teil des Fußes amputiert, alle eineinhalb Stunden erblindet einer. Die Kosten für die Behandlung des Diabetes belaufen sich in Deutschland jährlich auf sechzig Milliarden Euro, so eine der Berechnungen. Auf dem diesjährigen Internistenkongreß, der zur Zeit in Wiesbaden stattfindet, gibt es täglich Veranstaltungen rund um die drohende Diabetesepidemie. Mitunter kämpfen die Ärzte um jeden Stehplatz, was die Brisanz des Problems augenfällig verdeutlicht.

          Insulin oder Tabletten?

          Achtzig Prozent der Diabetiker versterben aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen, etwa an einem Herzinfarkt. Viele wissen vorher nicht um ihre Stoffwechselentgleisung, wie Eberhard Standl, Chefarzt am Städtischen Krankenhaus München-Schwabing, erläuterte. Bei rund einem Drittel aller Patienten, die wegen eines Herzinfarktes in die Klinik kommen, war der Diabetes zuvor nicht bekannt. Während früher die Ziele der Diabetes-Therapie darauf ausgerichtet waren, Folgeschäden wie das Nierenversagen, die Augenschäden oder die Amputation zu verhindern, soll ihr Erfolg inzwischen vor allem an der Verringerung des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos gemessen werden.

          Diabetes gilt längst nicht mehr als Alterskrankheit
          Diabetes gilt längst nicht mehr als Alterskrankheit : Bild: picture-alliance / gms

          Ob man dies eher erreicht, wenn man früher als bisher auf Insulin statt allein auf Tabletten setzt, ist derzeit noch nicht klar entschieden. Die Zwischenergebnisse einer der jüngsten Studien zur Insulintherapie bei Typ-2-Diabetikern mit bereits bestehenden Gefäßschäden lassen zumindest erkennen, daß der frühere Beginn erheblich seltener mit einer Gewichtszunahme und Unterzuckerungen einhergeht, als dies sonst zu erwarten ist. In Deutschland dauert es jedenfalls lange - im Durchschnitt fast zehn Jahre nach Diagnosestellung -, bis man Insulin zur Behandlung verwendet.

          Gift für die Gefäße

          Der Schaden, den erhöhter Blutzucker im Laufe der Zeit an den Gefäßen anrichtet, ist nicht mehr zu leugnen. Markolf Hanefeld, Direktor des Forschungsbereiches Endokrinologie am Zentrum für Klinische Studien der Universität Dresden, legte dar, daß die Ziele, die man bei der Diabetestherapie anstrebt, immer höher gesteckt und die Blutzuckerwerte immer mehr nach unten korrigiert werden müssen. Früher galt ein HbA1c-Wert von unter sieben als Maßstab für die Zuckerlast der letzten Monate bei der Überwachung des Diabetikers bereits als gut, wenngleich er selten erfüllt wurde. Es zeichnet sich ab, daß eher ein Wert von 6,0 zur Vorgabe gemacht werden sollte.

          Bei einem hohen, aber noch als normal definierten Nüchternblutzuckerspiegel nahe am Grenzwert von hundert Milligramm pro Deziliter ist bereits ein Risiko für die Gefäße nicht mehr auszuschließen. Das gilt erst recht, wenn diese Grenze überschritten wird, und vor allem gilt es für jene Spitzenwerte, die nach den Mahlzeiten verzeichnet werden. Warum selbst ein geringer Zuckerüberschuß geradezu Gift für die Gefäße ist, kann Johannes Waltenberger von der Abteilung Vascular and Molecular Cardiology der Universitätsklinik in Maastricht auf molekularer Ebene der Endothelzellen, der Innenauskleidung der Gefäße, verdeutlichen.

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