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Ungenutztes Warnsystem : Corona-Alarm im Abwasser

Die nächste Corona-Welle ließe sich an so einer konzentrierten Abwasserprobe ablesen. Und Wochenenden oder Feiertage würden das Monitoring nicht mehr aufhalten. Bild: Lucas Bäuml

Wissenschaftler können schon geringste Spuren von Coronaviren im Abwasser registrieren – das wäre ein äußerst schnelles Frühwarnsystem vor Ausbrüchen. Doch in Deutschland wird es nicht genutzt. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Als im März 2021 die Corona-Zahlen in der Gemeinde Saaldorf-Surheim im Berchtes­gadener Land hochschnellten, wusste der lokale Krisenstab, was zu tun ist. Das Team konzentrierte sich auf die 2900 Einwohner des Ortsteils Surheim, ermittelte Kontaktpersonen, verordnete Quarantäne. Die 1300 Bürger in Saaldorf hingegen blieben unbehelligt, obwohl die amtlichen Corona-Zahlen für beide Ortsteile zusammengefasst werden. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Die beiden Ortsteile haben je­weils eine eigene Kläranlage. Im Abwasser Surheims fanden sich damals reichlich Spuren der Coronaviren, in dem aus Saaldorf keine.

          Solche Geschichten hat Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der TU München, reichlich auf Lager. Sie handeln von Corona-Ausbrüchen, die sich anhand des Abwassers zu einem Internat und einem Stahlwerk zurückverfolgen ließen; von gezielten Kontrollen, die nur aufgrund von Abwasser­analysen stattfanden und asymptomatische Fälle aufdeckten. Einmal ließen die Untersuchungen sogar ein unangemeldetes Straßenfest auffliegen. Viele der Teilnehmer hätten sich angesteckt, ihre Exkremente seien im engmaschigen Überwachungsnetz aufgefallen, das Drewes im Berchtesgadener Land eingerichtet hatte: Seit November 2020 lässt er zweimal pro Woche in den Kläranlagen der Region 40 Milliliter als Abwasser­probe entnehmen und darin nach SARS-CoV-2 fahnden. Diese Daten nutzt dann der Corona-Krisenstab für seine Arbeit.

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