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Deutsche Krebshilfe : „Das Thema eignet sich nicht für Polemik“

Pleitgen: Mit seinem Renommee war Professor zu Hausen natürlich eine Traumbesetzung als Präsident der Krebshilfe. Das schöne Ehrenamt ist allerdings ziemlich arbeitsintensiv, wie ich jetzt selbst feststelle. Dass Harald zur Hausen diese Doppelbelastung vor eineinhalb Jahren beendete, hat keine Unruhe hervorgerufen, sondern ist gut verstanden worden. Schließlich hat er als Forscher noch viel vor und als Nobelpreisträger jede Menge Verpflichtungen. Zu seinem Austritt aus dem Verein hat, was wir sehr bedauern, ein missverständlicher Brief von unserer Seite geführt. Zur Deutschen Krebshilfe steht er aber weiter.

FRAGE: Der Vorwurf der Kritiker lautet, dass insgesamt zu wenig der Gelder den Krebspatienten zu Gute kommt und zuviel in die Forschungsförderung fließt?

Pleitgen: Das ist absolut nicht richtig. Das Wohl und Wehe der Patienten hat für die Deutsche Krebshilfe oberste Priorität. Auch die Krebsforschung dient dem Patienten. Ohne Forschung gäbe es keine Fortschritte in der Patientenversorgung.

Spender wollen Forschung fördern

Nettekoven: Bei einem Drittel unserer Einnahmen fordern die Spender, dass diese Gelder gezielt für die Forschung eingesetzt werden. Dem tragen wir Rechnung.

Pleitgen: Es wurde ja auch unser Härtefonds kritisiert. Seit 1974 sind 216.000 Menschen aus unserem Härtefonds unterstützt worden, mit insgesamt 91 Mio. Euro. Jedes Jahr werden fünf Millionen Euro für diese direkte Hilfe für über 15.000 Einzelbewilligungen ausgegeben. Diese schnelle Unterstützung ist sehr wirkungsvoll.

Jonat: Die Kritik, die Deutsche Krebshilfe sei patientenfern, ist eine unglaubliche Unterstellung. Es gibt fast keine große klinische und wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland, die nicht durch die Krebshilfe gefördert wurde.

FRAGE: Professor Weißbach nennt das ein „Netz von Abhängigen“, das von der Krebshilfe geschaffen wird.

Pleitgen: Das ist auch eine ziemlich üble Unterstellung. Die Förderanträge werden in den Fachausschüssen entschieden. Hier bringen selbstbewusste, unabhängige Spezialisten, die sich nicht für irgendeine Verteilungspolitik instrumentalisieren lassen, ohne jedes Honorar ihre Zeit und ihr Können ein. Diese Engagements sind zeitlich begrenzt. Dadurch kommen ständig neue Könner mit frischen Ideen in die Fachausschüsse.

Tumorzentren besser bezahlen

FRAGE: Was sind denn ihre nächsten Schritte?

Jonat: Wir haben erst vor wenigen Jahren mit der Zentrenbildung angefangen. Heute werden mehr als 40 Prozent der Patienten in den Onkologischen Spitzenzentren behandelt. 90 Prozent der Brustkrebsfälle werden schon in einem Organkrebszentrum versorgt. Allerdings müssen wir auch dahin kommen, dass das Geld der Qualität folgt. Die Kassen müssen dazu kommen, die Behandlung in zertifizierten Krebszentren besser zu vergüteten.

FRAGE: Eine alte Forderung, die bis heute nicht erfüllt ist.

Hohenberger: Noch nicht, aber wir sind auf dem Weg. Es sind mittlerweile praktisch siebenhundert Zentren schon zertifiziert. Sicher, beim Darmkrebs und Prostatakrebs werden immer noch lediglich dreißig Prozent der Fälle in Krebszentren behandelt. Damit das noch deutlich besser wird - auch finanziell -, bedarf es womöglich auch einiger Schlüsselereignisse. In dem Zusammenhang muss ich auch die Politik einmal loben. Anfang Februar hat der Bundesgesundheitsminister mit den Spitzenverbänden der Gesundheitspolitik, der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft zusammengesessen und im Rahmen des Nationalen Krebsplans einen Kriterienkatalog erstellt, der in die richtige Richtung geht.

Nettekoven: Die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft haben an diesem Gespräch mitgewirkt. Ich bin sicher, dass wir in einigen Jahren, was die Qualität angeht, in der Fläche eine viel bessere Situation haben werden als heute.

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