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Deutsche Krebshilfe : „Das Thema eignet sich nicht für Polemik“

Jonat: Alle Spitzenleute in Deutschland sind im übrigen sowohl in der Krebsgesellschaft als auch in der Krebshilfe vernetzt. Sie erfüllen dort nur völlig unterschiedliche Aufgaben. Wir haben damit den Vorteil, aus unterschiedlichen Funktionen das gemeinsame Ziel, Verbesserungen für den Patienten zu erreichen, anzugehen.

Die vier Gesprächsteilnehmer vor dem Portrait der Krebshilfe-Gründerin Mildred Scheel.

FRAGE: Die Kritik richtet sich ja aber auch darauf, dass diese Strategie von oben herab von den Führungsgremien ausgewählt und bestimmt wird.

Pleitgen: Im Gegenteil. Es gibt eine klare Aufgabenverteilung. Für die medizinisch-wissenschaftliche Strategie sind die mit annähernd hundert Top-Medizinern und -Forschern besetzten Fachausschüsse samt Beirat zuständig. Bislang wurde kein Vorschlag dieser Fachleute „von oben“ gestoppt. Vorstand und Geschäftsführung sind für die Wirtschaftlichkeit und Administration verantwortlich. Bei einem Jahresbudget von rund 90 Millionen Euro beträgt der Verwaltungsaufwand nur zehn Prozent. Das Geld dafür wird durch die Zinserlöse des behutsam angelegten Vermögens unserer Stiftungen, der Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe und der Dr. Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, aufgebracht. Dadurch kann jeder Euro aus den Zuwendungen der Bevölkerung zu 100 Prozent für die Verbesserung der Versorgung und Forschung eingesetzt werden. Dafür würden wir von Ratingagenturen ein AAA-Plus bekommen.

FRAGE: Wie ist das mit den Projektanträgen an die Krebshilfe? Der Vorwurf lautet ja, dass sich das System in der Mittelvergabe selbst befruchtet und die Forscher sich selbst begutachten.

Jonat: Das stimmt so sicher nicht. So werden die Onkologischen Spitzenzentren etwa von internationalen unabhängigen Krebsspezialisten begutachtet. Das Begutachtungsverfahren bei Förderungsanträgen entspricht weitgehend dem der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wie wollen wir denn die wissenschaftliche Community der Fachleute mit einbinden, wenn diese nicht untereinander gutachterlich tätig werden dürfen.

Begutachtung durch „Peer Review“

Nettekoven: Die Krebshilfe führt ihre Begutachtung nach dem „Peer-Review“-Verfahren durch, einem weltweit anerkannten System. Wir gehen im übrigen bei der Prüfung weiter als die DFG, die weitgehend im schriftlichen Verfahren bewertet. Bei uns wird jeder Antrag von zwei externen Gutachtern und einem Experten aus unseren Fachausschüssen betreut und schriftlich bewertet. Anschließend wird jeder Antrag im Ausschuss, im Quorum, diskutiert und entschieden.

Pleitgen: Mich beeindruckt, mit welcher Sorgfalt und Kompetenz hier gearbeitet wird. Das gilt auch für den ehrenamtlich arbeitenden Vorstand. Seine Mitglieder haften mit ihrem Ruf dafür, dass die Gelder ordentlich angelegt werden. Nach intensiver Begutachtung durch die Fachausschüsse kommt nur knapp jeder zweite Förderantrag durch. Ebenso akribisch werden die Ergebnisse bewertet. Es macht keinen Sinn, ein gesondertes Gremium für die Bewertung von Projektberichten zu fordern.

Warum ging Harald zur Hausen?

FRAGE: Wie konnte es dann zu so einer Unruhe in der Krebshilfe kommen, die besonders nach der Amtsniederlegung des Nobelpreisträgers Harald zur Hausen als Präsident und dessen Austritt als Vereinsmitglied entstanden war?

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