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Deutsche Krebshilfe : „Das Thema eignet sich nicht für Polemik“

Gerd Nettekoven ist langjähriger Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, die in den den siebziger Jahren von Mildred Scheel gegründet worden war und ihren Hauptsitz in Bonn hat.

Hohenberger: Wichtigstes Ziel der Prostatakrebs-Früherkennung ist es, die Zahl der tumorbedingten Todesfälle zu senken. Früh erkannte Tumoren können oftmals weniger ausgedehnt operiert und schonender medikamentös behandelt werden. Die digital-rektale Tastuntersuchung ist als alleinige Prostatakrebs-Früherkennungsmaßnahme jedoch nicht in der Lage, die Zahl tumorbedingter Todesfälle zu reduzieren. Der PSA-Wert ist aber auch als alleiniges Kriterium nicht für alle geeignet. Wahrscheinlich ist der Test nicht in dem Maße verwertbar, wie er jetzt propagiert wird. Man muss zuerst die Risikopersonen herausfinden und man muss den Test richtig interpretieren. Das ist schwierig. Die Urologen waren von Anfang an aufgefordert worden, das Risiko des inzidentiellen Prostatakarzinoms abzuklären, also solcher Tumore, die man hat, aber an denen man nicht stirbt und die man deshalb nicht therapieren muss. Mehrmals ist von der Krebshilfe versucht worden, zu diesem Fragenkomplex ein Grundlagen-Forschungsprogramm einzurichten, was aber nicht gelungen ist.

FRAGE: Sind Leitlinien die Lösung? Sie sollen für mehr Qualität und Sicherheit sorgen, werden bisher keineswegs in jeder Klinik angewendet - können es oft auch gar nicht, weil die Kliniken nicht das Know-how und die Mittel haben.

Jonat: Leitlinien sind die Grundlage für Behandlungen in Krebszentren. Zentren, die sich nicht danach richten, werden nicht zertifiziert. Und dieses weltweit nahezu einmalige Konzept von Zentren, die teils auf Organe spezialisiert sind oder aber übergeordnet arbeiten wie die Onkologischen Spitzenzentren oder Onkologische Zentren, ist ohnehin eine der Erfolgsgeschichten der letzten Jahre, die gemeinsam von Krebshilfe und Krebsgesellschaft vorangetrieben worden sind. Leitlinien leben und müssen auch immer wieder angepasst werden. Wir werden international um diese Leitlinien beneidet, die auf höchstem Niveau erarbeitet werden, genauso wie um das Konzept der Krebszentren und der Zertifizierungsprozesse. Letztere werden zum Beispiel in der Schweiz, in Dänemark und Holland übernommen.

FRAGE: Krebszentren, Leitlinien - in vielem gehen Krebshilfe und Krebsgesellschaft Hand in Hand. Warum sollte man dann nicht, wie Professor Weißbach anregt, aus zwei Institutionen eine machen und damit Geld, Zeit und Energie sparen?

Hohenberger: Auch dies zeigt wieder nur ein hohes Unverständnis. Wir marschieren zusammen, aber setzen separat unsere Stärken ein. Die Krebsgesellschaft bringt das Wissen der ärztlichen Fachgesellschaft ein, und die Deutsche Krebshilfe als Förder- und Hilfsorganisation setzt viele wichtige Dinge um. Sie fördert beispielsweise Modellprojekte zur Verbesserung der Versorgung und bringt die Krebsforschung voran. Grundlegende gesundheitspolitische Fragen gehen wir schon seit geraumer Zeit abgestimmt gemeinsam an. Wir sind in der politischen Arbeit effektiver, wenn der gleiche Inhalt von zwei Seiten angegangen wird.

Pleitgen: Richtig! Warum ein System ändern, das sich bewährt hat und Ideenwettbewerb erzeugt.

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