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Besser als die Hautärzte? : Eins zu Null für Dr. Computer

  • -Aktualisiert am

Untersuchung zur Hautkrebs-Früherkennung - was hier ein Arzt aus Fleisch und Blut tut, könnten bald Computerprogramme übernehmen. Bild: dpa

Die Einschätzung eines Muttermals entscheidet im Ernstfall über Leben und Tod. Was Aufgabe von Dermatologen ist, können jetzt auch Computerprogramme. Sind Hautärzte bald überflüssig?

          Sind intelligente Computer auf dem besten Weg, den Ärzten den Rang abzulaufen? Laut den Ergebnissen einer neuen Studie scheint dies zumindest teilweise der Fall zu sein. Mit einem auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Bilderkennungs-Verfahren ist es Wissenschaftlern der Universität Heidelberg jedenfalls gelungen, Doktoren aus Fleisch und Blut auszustechen. Bei der smarten Maschine handelte es sich um einen öffentlich zugänglichen Algorithmus des IT-Riesen Google (Inception v4 Convolutional Neural Network [CNN]), der auf künstlichen neuronalen Netzen beruht und ähnlich wie das menschlichen Gehirn aus Erfahrungen zu lernen vermag.

          Mensch gegen Maschine

          In einem ersten Schritt trainierten der Dermatologe Holger Hänßle und seine Kollegen den künstlichen Gesellen, zwischen gutartigen und bösartigen Hautverfärbungen zu unterscheiden. Hierzu setzten sie diesem rund 100.000 Fotos von Melanomen und harmlosen Pigmentmalen vor, die sie mit der jeweils richtigen Diagnose verknüpften. Nach dem aufwändigen Base-Camp prüften sie dann, wie gut der Computer sein neues Handwerk beherrschte und ob er erfahrenen Dermatologen diesbezüglich das Wasser reichen kann.

          Wer eine solche Hautstelle entdeckt, für den ist es höchste Zeit, zum Dermatologen zu gehen... oder zum Computerscan?

          Auf der Suche nach geeigneten menschlichen Gegenspielern wandten sie sich per E-Mail an rund 180 Mitglieder einer internationalen dermatologischen Fachgesellschaft. Rund 60 der adressierten Hautärzte erklärten sich bereit, die gestellten Fragen zu beantworten. Diese bestanden im Wesentlichen darin, hundert Hautmale – die Proben stammten alle von Patienten der Universitäts-Hautklinik Heidelberg – zu begutachten und als gutartig oder bösartig einzustufen.

          Wie die Wissenschaftler in den „Annals of Oncology“ berichten, traf der Computer im Durchschnitt merklich häufiger ins Schwarze als die Dermatologen. Je erfahrener die Hautärzte allerdings waren, desto eher konnten sie mit den diagnostischen Künsten der KI-Maschine mithalten. Selbst unter den 30 erfahrensten Ärzten gab es allerdings nur dreizehn, die genauso oft oder noch etwas öfter richtig lagen als der künstliche Meister.

          Werden Dermatologen ersetzt?

          Müssen sich die Dermatologen also warm anziehen? Das sei mitnichten der Fall, beschwichtigt Hänßle auf Anfrage. Künstliche Intelligenz könne den Arzt bei seiner Arbeit aber unterstützen. „Hilfreich sind solche diagnostischen Hilfsmittel nur für sehr spezifische Fragestellungen, also etwa ob ein dunkler Hautfleck bedenklich ist oder nicht. Zeige man dem Computer einen Kaffeefleck auf einer hellen Hose, käme er vermutlich bereits ins Schleudern und könnte einen Hautkrebs diagnostizieren.“

          Je größer und komplexer die Aufgaben, die man ihm beibringen möchte, desto mehr verliere er zudem an Genauigkeit. „Als Allrounder sind solche Maschinen nicht geeignet. Da sind Ärzte meist besser“. Auch wenn es darum gehe, die Ergebnisse zu interpretieren, sei der menschliche Experte gefragt. „Der Computer spuckt lediglich Wahrscheinlichkeiten aus. Was das letztlich bedeutet, muss dann der Arzt entscheiden“.

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