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Schaufenster-Krankheit : Diese Beine brauchen frische Luft

  • -Aktualisiert am

Wenn Senioren vor einem Schaufenster Halt machen, muss das nicht an der schönen Auslage liegen. Bild: dpa

Schaufensterkrankheit: Was harmlos klingt, kann rasch bedrohlich werden. Ein neues Verfahren könnte Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen in den Beinen vor Amputationen bewahren.

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          Ich bin halt keine zwanzig mehr!“ Damit trösten sich viele ältere Menschen, die schon nach wenigen Gehminuten Schmerzen in den Beinen verspüren und daher vor jedem Schaufenster stehenbleiben, um sich auszuruhen und ihre Beschwerden zu verbergen. Was wie eine normale Alterserscheinung daherkommt, beruht indes meist auf fortgeschrittenen arteriosklerotischen Verengungen der Beinarterien. Eine solche Schaufensterkrankheit, im Fachjargon periphere arterielle Verschlusskrankheit - kurz PAVK - genannt, betrifft hierzulande rund zehn Prozent der Bevölkerung; in der Gruppe der über 75-Jährigen liegt der Anteil bei 15 bis 20 Prozent.

          „Das war zumindest der Stand vor zehn Jahren“, stellt Holger Reinecke vom Department für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Münster fest. „Neuere Zahlen gibt es bislang leider nicht. Untersuchungen in anderen Ländern zeigen jedoch, dass die Häufigkeit dieser Erkrankung zwischen den Jahren 2000 und 2010 um etwa 15 Prozent zugenommen hat.“ Dieser Aufwärtstrend dürfte weiter anhalten, schätzt der Gefäßspezialist.

          Die Faktoren sind vielschichtig

          Ein Grund hierfür sei der Anstieg der Lebenserwartung. „Früher kam die Schaufensterkrankheit deshalb seltener vor, weil viele Personen zuvor am Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sind. Heute lassen sich diese Krankheiten, die größtenteils ebenfalls arteriosklerotisch bedingt sind, sehr viel besser behandeln und ihr Beginn hinauszögern.“ Viele Patienten würden daher alt genug, um die Schaufensterkrankheit gleichsam noch zu erleben.

          Warum aber sind manche Menschen selbst mit 90 Jahren noch extrem rüstig, während bei anderen die Arteriosklerose gleichsam im Zeitraffer abläuft? Eine wichtige Rolle spielen dabei der Lebensstil und der Gesundheitszustand. Besonders rasch voran schreitet die Gefäßalterung bei Rauchern, Diabetikern, Nierenkranken, Patienten mit Herzschwäche, Personen mit hohem Blutdruck und solchen mit zu viel Fett im Blut. Es gibt allerdings auch Betroffene, bei denen - bislang unbekannte - erbliche Faktoren die wichtigste krankheitstreibende Kraft sind.

          „Viele schämen sich“

          Das Heimtückische an arteriosklerotischen Gefäßengpässen in den Beinen ist: Anders als vergleichbare Durchblutungsstörungen im Herzmuskel bleiben sie oft lange Zeit stumm. Für gewöhnlich werden sie erst entdeckt, wenn die arteriosklerotischen Ablagerungen bereits so raumgreifend sind, dass sie den sauerstofftransportierenden Beinarterien gleichsam die Luft abschnüren und das Gewebe folglich abzusterben droht. Selbst in diesem Stadium dauert es mitunter noch einige Zeit, bis die Wahrheit ans Licht kommt. Die Gehbeschwerden werden nämlich nicht selten als Gelenkarthrose oder auch Muskelüberlastung verkannt und die schlecht heilenden Wunden als Venenproblem fehlgedeutet.

          Hinzu kommt, dass die Betroffenen einen Besuch beim Arzt oftmals scheuen. „Viele schämen sich, wenn an den Zehen plötzlich schwarze Flecken auftauchen, die sich mit der Zeit zu übelriechenden Geschwüren entwickeln. Oft verstecken die Betroffenen ihre Füße daher selbst vor dem Ehepartner“, weiß der Münsteraner Internist aus Erfahrung. Ist die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten, sollten die Patienten indes unmittelbar handeln. Ansonsten tragen sie ein hohes Risiko, einen oder mehrere Zehen, den Fuß oder gar den Unterschenkel zu verlieren.

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