https://www.faz.net/-gwz-afqlv

Der Globale Fonds : Und was ist mit Aids?

Ebola war für die Krankenschwestern in der Demokratischen Republik Kongo, wie hier Pauline Katsongo, ein strenger Lehrmeister. Auf Covid-19 konnten sie schnell reagieren, aber es fehlt ihnen unter anderem an Schutzkleidung. Bild: The Gobal Fund

Der Jahresbericht des Globalen Fonds: Covid-19 hält die Welt in Atem – und behindert den Kampf gegen andere, teils viel ältere Pandemien: zum Beispiel Aids oder Tuberkulose.

          5 Min.

          Die Zahlen sind dramatisch, kein Zweifel. Seit Beginn der Pandemie sind mehr als 4,6 Millionen Menschen an einer Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben. Zumindest sind das die Toten, die offiziell von der Johns Hopkins University auf dem Dashboard für Covid-19 gelistet werden. Hochrechnungen gehen von weit mehr aus, gar der drei- bis vierfachen Anzahl, insbesondere wenn nicht nur die Infizierten und somit direkt betroffenen Opfer berücksichtigt werden, sondern auch die indirekten: weil das neuartige Coronavirus die Gesundheitssysteme überlastet, teilweise zusammenbrechen ließ. Weil es vielerorts schlicht an Schutzausrüstungen sowie Instrumenten, Therapieoptionen und an Impfstoffen mangelt, die es außerdem erst zu entwickeln galt.

          Sonja Kastilan
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deshalb sind die Auswirkungen dieser Pandemie auf die Weltgesundheit, einer „global health“, insgesamt viel größer, als es die Krise auf den ersten Blick erscheinen lässt, von den ökonomischen Folgen ganz zu schweigen. Dass jedoch Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Malaria und Aids/HIV nicht nebenbei in Vergessenheit geraten dürfen, daran erinnert aktuell der Jahresbericht des Globalen Fonds, der 2002 gegründet wurde, um diesen drei vergleichsweise alten Pandemien den Kampf anzusagen: 44 Millionen Leben konnten seither gerettet werden, allein 2020 waren es laut dem am Mittwoch veröffentlichten Report 5,4 Millionen. Covid-19 erschwert allerdings das Erreichen der ehrgeizigen Ziele, etwa betroffene Patienten einerseits zu identifizieren, sie nach ihrer Diagnose adäquat zu behandeln und andererseits Ansteckungen künftig zu verhindern. Dass El Salvador im Februar frei von Malaria erklärt werden konnte, ist ein wichtiger Erfolg für den Globalen Fonds und dessen Partner, denn diese Krankheit will man weltweit eliminieren. In Bezug auf Prävention und Behandlung waren dennoch Rückschläge hinzunehmen, unter anderem, weil die Aufklärung über Aids und HIV in den Schulen samt Unterricht ausfallen musste; im Vergleich zu 2019 ging die Zahl der HIV-Tests um 22 Prozent zurück, für Malaria nur um 4,3 Prozent.

          Peter Sands, Direktor des Globalen Fonds
          Peter Sands, Direktor des Globalen Fonds : Bild: The Global Fund

          „Im Jahr 2019 konnten wir das beste Ergebnis unserer Geschichte auf einer Finanzierungskonferenz erreichen – 14 Milliarden. Aber 2020 verlief dann nicht ganz so, wie wir es erwartet hatten, um es milde auszudrücken“, sagt Peter Sands, geschäftsführender Direktor des Globalen Fonds. Sein britischer Humor zeigte sich im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung immer wieder, den Widrigkeiten trotzend, auch wenn das Auftauchen von Covid-19 die Aufgaben des Globalen Fonds keinesfalls leichter machte: Sämtliche Programme mussten verändert und angepasst werden, und zwar schnell. Im Fall von Malaria seien die Ergebnisse überraschend und „bemerkenswert stabil“. Die Zahl der verteilten Moskitonetze ließ sich sogar um 17 Prozent zum Vorjahr steigern: Statt wie bisher mit einem Lastwagen in die Dörfer zu fahren, wo sich dann alle Bewohner im Zen­trum versammeln, um sich ein Netz abzuholen, entschied man sich wegen der Ansteckungsgefahr für ein neues Modell. Es wurden Motorräder angeschafft, mit denen die Netze nun ausgeliefert werden, von Haustür zu Haustür sozusagen.

          Ernüchternde Ergebnisse

          Auf diese Weise lassen sich die einzelnen Haushalte besser erreichen: „Ein Erfolg, der nicht automatisch passierte, sondern nur, weil die Zuständigen sehr rasch reagierten, gute Ideen hatten und die Innovationen auch umsetzten“, erklärt Sands. Dass außerdem 11,5 Millionen schwangere Frauen eine Präventionstherapie für Malaria erhielten, damit fast so viele wie 2019, ist ebenfalls Programmen zu verdanken, die an die neue Situation angepasst wurden, was sich für Aids und vor allem für die Tuberkulose als schwieriger erweisen sollte: 21,9 Millionen Menschen erhielten antivirale Medikamente, aber die Behandlung gegen die tödlichen Tuberkulosebazillen ging um 18 Prozent auf 4,7 Millionen Patienten zurück, und resistente Erreger sorgen zunehmend für Probleme.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marine Le Pen und Viktor Orbán in Budapest

          Le Pen in Ungarn : Bildtermin bei Orbán

          Europas Nationalisten reisen gerne nach Budapest, Marine Le Pen musste es sogar tun. Ob das die französischen Wähler beeindrucken wird?
          Der umstrittene Demokrat: Joseph Manchin im Oktober 2021 in Washington, DC.

          Senator Joseph Manchin : Der letzte Demokrat

          Ein korrupter Verräter? Joseph Manchin stößt auf viel Kritik innerhalb seiner eigenen Partei. Die Republikaner versuchen indes, den Politiker zu einem Seitenwechsel zu motivieren.
          Für manche der Hexer: Tesla-Chef Elon Musk

          Tesla-Aktie : Die Billionen-Dollar-Wette

          Tesla begeistert die Anleger. Eine Aktie kostet jetzt mehr als 1000 Dollar, das Unternehmen wird mit mehr als einer Billion Dollar bewertet. Kann Tesla halten, was es verspricht?
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.