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Kosmetika : Schöner leiden

  • -Aktualisiert am

Das Aufkleben von Glitzersteinen, hier zu sehen bei Bond-Girl Claudine Auger, gehört noch zu den harmloseren Spielarten des Schönheitswahns. Bild: dapd

Der Weg vom Medikament zum Schönheitsmittel ist nicht weit. Dennoch gelten für beide ganz verschiedene Vorschriften und Bedingungen. Das ist gefährlich.

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          Geht es um die Wirkung von Schminke, Shampoos und Sprays, denken die meisten daran, ob solche Schönheits- und Pflegeprodukte auch das halten, was die Werbung verspricht. Ernsthafte gesundheitliche Schäden werden im Allgemeinen nicht mit Kosmetika in Verbindung gebracht. Die Arzneimittelzulassungsbehörden haben in den vergangenen Jahren zwar Nahrungsergänzungsmittel genauer unter die Lupe genommen und hier ihren Zuständigkeitsbereich erweitert. Aber Lotionen, Cremes und Puder segeln nach wie vor weitgehend unter dem überwachungsrechtlichen Radar. Das sollte sich ändern, fordert ein Report der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde FDA. Die Nebenwirkungen aus dem Sektor Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel (CFSAN) sind seit dem vergangenen Jahr öffentlich zugänglich. Dank der Daten aus diesem Meldesystem war es möglich, auch Alarmmeldungen zu unerwünschten und ernstlich gesundheitsgefährdenden Wirkungen von Schönheits-und Pflegeprodukten aufzuschlüsseln. In manchen Bereichen sind deutliche Anstiege zu verzeichnen, wie Michael Kwa und seine Kollegen von der Northwestern-Feinberg-Universitätsklinik in Chicago in der Zeitschrift „Jama“ schreiben.

          Haarpflege, die Haarausfall verursacht

          Von 2004 bis 2016 gab es pro Jahr durchschnittlich 396 auf Kosmetika bezogene Meldungen, die meisten betreffen Haarpflegeprodukte wie Shampoos oder Haarsprays. Aber im Jahr 2015 zeigte sich ein deutlicher Anstieg, hier lag die Zahl der Alarmmeldungen 78 Prozent über dem Mittelwert der Vorjahre, im Jahr 2016 sogar zu 300 Prozent darüber. Dies war vor allem den Beschwerden über das Haarpflegemittel „WEN“ des bekannten amerikanischen Hairstylisten Chaz Dean geschuldet. Dank sogenannter „infomercials“ mit Stars wie Brooke Shields boomte der Absatz des Mittels, das als cleansing conditioner Reinigung und Pflege vereinen sollte. 2014 begann die FDA zu ermitteln, nachdem 127 Klagen von Konsumenten darüber eingegangen waren, dass die Anwendung mit einem massiven Haarausfall, Reizungen der Kopfhaut und Verfärbungen einhergehe. Zuvor seien aber bereits 21 000 Beschwerden beim Hersteller selbst eingegangen. Immer noch wird überprüft, wie es zu den Schäden kam und ob „WEN“ dafür verantwortlich war, der Produzent bestreitet die Vorwürfe jedenfalls. Die FDA hat erst vor wenigen Wochen den Hersteller dazu aufgefordert, alle für die Erforschung der Zusammenhänge relevanten Informationen über das Produkt zur Verfügung zu stellen, und immerhin auch Ärzte gebeten, ihre Patienten auf mögliche Nebenwirkungen aufmerksam zu machen.

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