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Depressionen : Blitz und Donner in der Seele

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Wie Blitz und Donner: Depressive Phasen können Schizophrenie ankündigen Bild: picture-alliance / dpa

Depressiv werden im Jahr rund zehn Prozent der Bevölkerung. Es ist das häufigste psychiatrische Leiden überhaupt. Nun wurde der Zusammenhang zwischen Depression und Schizophrenie untersucht.

          Die Lehrbücher der Psychiatrie können noch so verschiedenen Schulen entstammen - Depression und Schizophrenie sind stets die zentralen Kapitel. Depressiv werden im Jahr rund zehn Prozent der Bevölkerung, und damit handelt es sich um das häufigste psychiatrische Leiden überhaupt. Die Schizophrenie ist viel seltener, stellt dafür aber den Inbegriff der Geisteskrankheit schlechthin dar.

          Zwar suggeriert die Namensgebung, daß es sich um zwei ganz unterschiedliche Leiden handelt. Gleichwohl wurde bereits vor 150 Jahren das Konzept der „Einheitspsychose“ entworfen, das von einer engen und ursächlichen Verwandtschaft der beiden Erkrankungen ausging. Die Debatte um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Schizophrenie und Depression ist seither nie erloschen und erregt derzeit großes Interesse in der Fachwelt.

          Beschwerden stimmen teilweise überein

          Wichtige Beiträge hierzu hat die Arbeitsgruppe von Heinz Häfner am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim geliefert. Untersucht wurde, welches Schicksal Patienten, die erstmals in eine Psychiatrische Klinik gekommen und entweder als schizophren oder als schwerwiegend depressiv klassifiziert worden waren, im weiteren Verlauf erleiden.

          Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, daß die Beschwerden in beiden, aus jeweils 130 Patienten bestehenden Gruppen vom Ausbruch der Krankheit an zunächst weitgehend übereinstimmten. Die Forscher machten ein aus zwei Facetten bestehendes Stadium aus, das in beiden Kollektiven gleichermaßen vorkommt. Demnach gibt es eine depressive Komponente mit trauriger Verstimmtheit, Sorgen, Angst, Verlust des Selbstvertrauens sowie Appetit- und Schlafstörungen.

          Übereinstimmung bis zu Symptomen der Psychose

          Die andere Seite der Medaille zeigt sich in Denk- und Konzentrationsstörungen, Verlangsamung, mangelnder Energie, Nervosität, Unruhe und in dem Rückzug aus sozialen Beziehungen - alles Symptome, die herkömmlicherweise nur der Schizophrenie zugeschrieben wurden. Dieses sich gleichsam aus zwei Quellen speisende Krankheitsmuster stellt daher eine Art frühen gemeinsamen Kern von Schizophrenie und Depression dar.

          Er kommt auch im weiteren Verlauf der beiden Erkrankungen immer wieder zum Vorschein, meist im Zusammenhang mit einem Rückfall. Im frühen Stadium sind Depression und Schizophrenie infolgedessen kaum voneinander zu trennen. Nur mit dem ersten Auftreten von Halluzinationen, Wahnvorstellungen und anderen Kennzeichen einer Psychose offenbart sich ein unterschiedlicher Verlauf.

          Depressive Phase als Symptom von Schizophrenie

          Die Depression ist fortan durch unregelmäßig wiederkehrende Stimmungstiefs gekennzeichnet, die Schizophrenie durch weitere psychotische Rückfälle mit Denkstörungen, Trugwahrnehmungen und Wahn. Bereits in den oft unerkannt bleibenden Vorstadien beider Erkrankungen können die sozialen Beziehungen leiden, und auch die Leistungsfähigkeit kann einbrechen. Objektiv betrachtet sind die Folgen für schizophrene Patienten hier in der Regel schwerer, zum Beispiel, was den beruflichen Werdegang und die Bindung an andere Menschen betrifft.

          Depressive Patienten sind hingegen stabiler, schätzen indes aufgrund ihrer alles negativ tönenden Schwermut das Ausmaß ihrer Beeinträchtigung weit ungünstiger ein. Die Mannheimer Forscher haben in einer weiteren Studie 232 an Schizophrenie erkrankte Patienten vom Beginn des Leidens an über zwölf Jahre hinweg beobachtet. Sie konnten deutliche Belege dafür finden, daß die Depression ein häufig anzutreffendes und für gewisse Phasen sogar charakteristisches Phänomen im weiteren Verlauf der Schizophrenie bleibt.

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