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Demenzforschung : Ist Alzheimer ansteckend?

  • -Aktualisiert am

Der Kontakt zu Demenzkranken kann anfällig für die Krankheit machen - Ärzte tragen jedoch vermutlich ein anderes Risiko als die Lebenspartner Bild: AP

Wer Demenzkranke pflegt, trägt ein höheres Risiko, selbst dement zu werden. Warum ist das so? Entzündungen spielen in jedem Fall eine Rolle - und das könnte ein Vorteil sein.

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          Manche Nachrichten aus der Forschung sind so traurig, dass man sie am liebsten gleich wieder vergessen möchte. Etwa das Ergebnis einer großen Studie aus dem amerikanischen Bundesstaat Utah, die kürzlich im Journal of the American Geriatrics Society erschienen ist: Dort wurden 1221 Ehepaare über 15 Jahre beobachtet; einige bekamen im Laufe dieser Zeit Alzheimer und ähnliche Leiden. Das Erschreckende an den neuen Daten: Die Partner, die sich zu Hause um die Kranken kümmerten, hatten ein sechsfach erhöhtes Risiko, ebenfalls an der Demenz zu erkranken.

          „Diese Ergebnisse hatten wir befürchtet“, sagt Hans Förstl, Chef der Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar in München. Es habe „schon lange Anzeichen dafür gegeben, dass das so ist, und es gibt wenig Gründe, an den Ergebnissen der Studie zu zweifeln“.

          Die Frage, die man kaum zu stellen wagt, die sich aber logisch anschließt, lautet: Ist Demenz, ist Alzheimer, ansteckend? Wäre die Antwort auf diese Frage ein klares Ja, die Folgen, vor allem für die Kranken, wären kaum absehbar.

          Ansteckung als Ursache

          Doch wie fast immer ist die Antwort komplexer. „Es gibt bisher keinerlei Hinweise darauf, dass Alzheimer ansteckend ist“, sagt einerseits Melanie Meyer-Luehmann vom Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen an der Universität München. Sie selbst hat untersucht, ob das Leiden zwischen Mäusen übertragbar ist. Zwar ist es das, aber nur, wenn man genetisch anfällig gemachten Tieren die Alzheimer auslösenden Amyloid-Beta-Proteine direkt ins Gehirn spritzt. Dann vermehren diese sich ähnlich wie etwa die Prionen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. „Ein Amyloid, und damit die Alzheimer-Krankheit, kann im Prinzip infektiös sein, aber dafür muss der Körper in einem Zustand sein, dass er dies auch geschehen lässt. Auch die Übertragung selbst ist nicht einfach, die Gefahr dafür liegt wahrscheinlich fast bei null“, sagt Roland Riek, Biophysiker und Prionenexperte von der ETH Zürich.

          Doch auch andere mögliche Auslöser der Krankheit, Aggregate des Tau-Proteins zum Beispiel, sind im Prinzip übertragbar. Das zeigen Ergebnisse der Arbeitsgruppe von Michel Goedert von der Cambridge University. „Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass Partner sich direkt damit anstecken“, meint Goedert. Wahrscheinlicher sei es, „dass viele komplexe psychische, soziale und Umweltfaktoren, denen die Partner ausgesetzt sind, verantwortlich für die Häufung der Fälle sind“, sagt Meyer-Luehmann. Auch die Autoren der Studie fordern mehr Forschung vor allem in diese Richtung.

          Andere Alzheimer-Experten sehen die Situation anders. Der Pathologe Brian Balin vom Philadelphia College of Osteopathic Medicine etwa meint, dass er und andere Forscher Infektionen als Auslöser oder zumindest Beschleuniger der Krankheit prinzipiell längst nachgewiesen haben. Demnach wäre Alzheimer nicht per se ansteckend, doch bei Patienten häufig vorkommende Infektionen könnten den Ausbruch der Krankheit fördern - und das vielleicht auch bei anfälligen Partnern, die sich damit anstecken. Balins Arbeitsgruppe fand vor zwölf Jahren in neun von zehn in Philadelphia untersuchten Gehirnen verstorbener Alzheimerpatienten Infektionen mit Chlamydia-Bakterien.

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