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Gelbe Gefahr : Das Kreuz mit dem Kreuzkraut

  • -Aktualisiert am

Ist nicht nur für Tiere gefährlich: Das gelb blühende Jakobs-Kreuzkraut. Bild: dpa

Hübsch anzusehen, doch potentiell gesundheitsschädlich: Das Kreuzkraut breitet sich aus. Dabei haben Wissenschaftler eine Reihe von Hinweisen, wie die Verbreitung zu stoppen ist.

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          Die gelben Blüten des Jakobs-Kreuzkrauts sind nicht nur bei Schwebfliegen und Bienen beliebt. Auch Schmetterlinge landen dort, um Nektar zu saugen. Zumal dieses Kreuzkraut im Hochsommer blüht, wenn es in Wald und Feld sonst nicht mehr viel zu holen gibt. Landwirte und insbesondere Besitzer von Reiterhöfen sehen das Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea) jedoch gar nicht gern auf ihren Wiesen und Weiden. Denn fürs Rindvieh ist diese Pflanze giftig und für Pferde erst recht. Offensichtliche Vergiftungen sind zwar selten, die Giftstoffe aus der Gruppe der Pyrrolizidin-Alkaloide schädigen aber nachweislich die Leber. Außerdem können sie das Erbgut verändern und langfristig Krebs verursachen.

          Was lässt sich tun, um Mensch und Tier davor zu bewahren, darüber diskutierten Wissenschaftler, Naturschützer und Landschaftspfleger kürzlich auf einer Tagung in Göttingen. Birgit Dusemund vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin konnte mit einer guten Nachricht aufwarten: In Milch und Eiern waren Pyrrolizidin-Alkaloide, wenn überhaupt, nur in minimalen Mengen zu finden. In Fleisch waren diese Giftstoffe überhaupt nicht nachweisbar.

          Vorsicht bei selbst produzierten Green Smoothies

          Anders sieht es bei einigen anderen Nahrungsmitteln aus: Wenn Honigbienen auf Pflanzen fliegen, die Pyrrolizidin-Alkaloide produzieren, dann geraten mit Pollenkörnern auch diese Giftstoffe in den Honig. Ein Dilemma, das die Imker zu Recht mancherorts umtreibt. Bedenklicher ist allerdings die Konzentration von Pyrrolizidin-Alkaloiden, die in etlichen Kräutertees gefunden wurde. Um bei Kindern auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt sich, ihnen lieber Früchtetees anzubieten. Auch bei der Ernte von Rooibos-Tee, Schwarzem und Grünem Tee gelangt aus Versehen offenbar nicht selten giftiges Unkraut mit in die Körbe und Kisten der Teepflücker.

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          Ab und an passiert das auch, wenn Spinat, Salat oder Küchenkräuter geerntet werden. Ratsam scheint daher, Rucola und Co. vorsichtshalber noch mal unter die Lupe zu nehmen, ehe sie kleingeschnitten unter dem Dressing verschwinden. Mit Sorge sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung außerdem den Trend, Green Smoothies selbst zu produzieren. Gesundheitsbewusste Zeitgenossen entwickeln manchmal sogar den Ehrgeiz, die Zutaten selbst zu sammeln. Dabei besteht nicht nur grundsätzlich die Gefahr, giftige Wildpflanzen mit essbaren zu verwechseln. Zu den Gewächsen, die sich mit Pyrrolizidin-Alkaloiden wappnen, zählen auch altgediente Heilkräuter wie der Huflattich und Küchenkräuter wie der Borretsch. Für das Bundesinstitut gehört dieser traditionelle Bestandteil der „Frankfurter Grünen Soße“ eher in den Giftschrank als auf den Teller.

          Blüten werden vom Wind verweht

          Anders als Menschen zeigen Tiere auf der Weide meist ein recht gutes Gespür für giftige Gewächse. Solange sie ausreichend Futter finden, lassen Rinder und Pferde das Jakobs-Kreuzkraut gewöhnlich links liegen. Wenn sie mit Heu gefüttert werden, können sie es allerdings nicht mehr erkennen und aussortieren. Obwohl die Pyrrolizidin-Alkaloide in den getrockneten Pflanzen unvermindert erhalten geblieben sind. Deshalb gilt es tunlichst zu vermeiden, dass sich das Jakobs-Kreuzkraut auf Heuwiesen breitmacht.

          Wie sich die Pflanze auf einer Wiese etablieren kann, berichtete Matthias Suter von Agroscope, dem Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung: An einer einzigen Kreuzkrautpflanze reifen bis zu hunderttausend Samen heran. Ähnlich wie die Samen des Löwenzahns tragen sie kleine Fallschirmchen aus silbrigen Haaren. Weshalb diese Kreuzkräuter auch unter dem Namen Greiskräuter bekannt sind. Wie die Pusteblumen des Löwenzahns werden ihre silbrig gewordenen Blütenköpfchen mehr oder minder weit vom Wind verweht.

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