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Das neue Coronavirus : Von Forschern, Ärzten, Helden

Ob in Wuhan, Berlin, Los Angeles oder Wien, wie hier im Bild, was auf der Welt über den neuen Erreger „2019-nCoV“ an Informationen gewonnen wird, tauschen Forscher derzeit eilfertig untereinander aus. Bild: dpa

Beobachten, hinterfragen, überprüfen und die richtigen Schlüsse ziehen: Was einzelne Ärzte zu Anfang der Epidemie getan haben, ist das Motto für alle, und die internationale Wissenschaft spielt jetzt in einem Team.

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          Dr. Li ist einer von jenen Ärzten und Ärztinnen, die früh bemerken, dass irgendetwas vor sich geht. Dass ihre Patienten an etwas leiden, das aus dem Rahmen fällt – und ihre Sorge teilen sie Kollegen mit. Ende Dezember, bevor die chinesischen Behörden zugeben wollten, dass bei den Lungeninfektionen in Wuhan größte Vorsicht geboten ist, galt als illegal, was jetzt als Heldentat gefeiert wird.

          Ende Dezember erkannte der Augenarzt Li Wenliang den Anfang einer Epidemie mit einem neuen Erreger, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Ein Coronavirus, mit dem sich nachweislich bereits mehr als 35.000 Menschen infiziert haben, wie die Internetseiten www.healthmap.org/ncov2019/ und http://bit.ly/2RUxYa3 mit Karten veranschaulichen. Die Gefahr einer Pandemie ist noch nicht gebannt, doch es vereinen sich Mediziner, Epidemiologen, Virologen, Immunologen, KI-Spezialisten und viele andere seit Wochen und bündeln ihre Kräfte, um dagegen anzugehen. Egal wo auf dieser Welt, sie arbeiten eng vernetzt und versuchen die Details zu Verlauf, Übertragung, Sterblichkeit oder möglichen Therapien zu ermitteln. Ihre Daten zeigen auch, wie wenig hilfreich politischer Aktionismus ist, wenn etwa die Temperatur von Flugpassagieren gemessen wird: Infizierte müssen nicht fiebrig sein, um diese Viren zu verteilen.

          Alle in einem Team: Auch am Institut für Virologie der Universität in Marburg werden Coronaviren erforscht.

          Dank stetigem Informationsfluss – Data Sharing, Pre-Print, Open Access – bilden moderne Methoden und solide Grundlagenforschung das Waffenarsenal für akute Virenabwehrschlachten, die nur gemeinsam zu gewinnen sind. Antworten auf lebenswichtige Fragen zu finden, das ist das Ziel all jener, die sich nun global verbünden, und zumindest Wissenschaftler ergreifen diese Chance. Mehr als 700 Menschen (Stand 8. Februar) starben mittlerweile, darunter Dr. Li, und wir kämpfen weiter. In seinem Team.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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