https://www.faz.net/-gwz-a4h2g

Gespräch mit Infektiologen : Warum ein Impfstoff keine Therapie ersetzt

  • -Aktualisiert am

In Deutschland erwarten Patienten, die unter einer Corona-Infektion leiden, dass ihre Ärzte den aktuellen Stand der Forschung berücksichtigen. Bild: Reuters

Warum es manchmal helfen kann, das Immunsystem zu schwächen und was die aktuelle Corona-Krise mit Aids in den Achtzigern zu tun hat – der britische Infektiologe und Tropenmediziner Jeremy Farrar im Interview.

          6 Min.

          Herr Farrar, Sie haben Ihre Karriere in den 1980er Jahren als Arzt in London begonnen. Damals nahm die Aids-Pandemie ihren Anfang, und Sie hatten es mit Patienten zu tun, für die Sie wenig tun konnten. Lassen sich Parallelen ziehen zu dem, was wir jetzt erleben?

          Es gibt viele Parallelen. Zum einen sind es beides zoonotische Infektionen, und ich glaube, es ist wichtig, sich das klarzumachen, denn viele Menschen haben vergessen, dass auch HIV von Tieren kam, so wie fast alle neu auftretenden Infektionskrankheiten. Aber die wichtigste Parallele ist eine andere: Die Medizin hat riesige Fortschritte gemacht, und in wohlhabenden Ländern ist es heute ziemlich selten, dass das medizinische Personal mit etwas konfrontiert wird, wo man einfach nichts machen kann. Und zu Beginn dieser Pandemie konnten Ärzte die Kranken nicht sehr gezielt behandeln, weil man einfach keine Erfahrung hatte mit dieser Krankheit; Patienten wurden vermutlich zu häufig künstlich beatmet, und man wusste nicht, dass die Blutgerinnung eine Rolle spielt. Es war einfach nicht klar, dass es sich um eine Infektion handelt, die den ganzen Körper angreift und nicht nur die Lunge. Für mich ist das die größte Ähnlichkeit zu HIV, auch damals hatten wir keine Therapien zur Hand, von denen wir wussten, dass sie wirken.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Wie sensibel darf es sein? Der Philosoph Richard David Precht während der phil.Cologne im September 2021

          Precht und Flaßpöhler : Sie nennen es Freiheit

          Die haltlosen Behauptungen der Impfskeptiker dringen immer weiter in die bürgerliche Mitte vor. Für die neue pandemische Situation ist das fatal.
          Ein Kinderspiel sind die aktuellen Fragen rund ums Impfen nicht mehr.

          Pandemie-Bekämpfung : Die Impfpflicht ist das kleinere Übel

          Arbeitgeber und Industrie wollen lieber impfen als in den Lockdown. Sie sind schon jetzt von Lieferengpässen enorm gebeutelt. Eine Impfpflicht wäre billiger umzusetzen und leichter zu kontrollieren.