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Funktionieren Masken? : Studie testet Schutz vor Ansteckung in der Familie

  • -Aktualisiert am

Eine chinesische Familie in Peking bei einer Kontrolle vor einem Kinderkrankenhaus Ende März Bild: AFP

Kann man sich in der Familie effektiv vor dem Coronavirus schützen? In China hat man in Quarantäne-Haushalten genauer hingesehen und hält es für möglich, sich auch im kleinen Kreis vor Ansteckung zu schützen.

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          Wer positiv auf das neue Coronavirus getestet wird, muss sich mindestens zwei Wochen lang in Quarantäne begeben. Viele der Betroffenen leben in dem Fall gleichwohl nicht in völliger Isolation, sondern auf teils engstem Raum zusammen mit dem Partner, den Kindern oder auch den Eltern. Während für Außenstehende das Ansteckungsrisiko dabei schwindet, nimmt es für die Mitbewohner des Infizierten oft dramatisch zu. Wie frühe Untersuchungen in China zeigen, ereigneten sich rund 70 Prozent aller Sars-CoV-2-Übertragungen im familiären Umfeld. Wie aber lässt sich die Gefahr einer Ansteckung in den eigenen vier Wänden verhindern?

          Um hierauf eine Antwort zu finden, haben chinesische Forscher die Daten aller Covid-19-Patienten, die in Peking stationär versorgt worden waren, genauer ins Visier genommen. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf 124 Männer und Frauen, die bis zum 21. Februar 2020 an Covid-19 erkrankt waren und mindestens vier Tage vor und zwei Tage nach Ausbruch der Symptome in einem Mehrpersonenhaushalt gewohnt hatten.

          Wie die Studienautoren um Yu Wang vom Zentrum für die Prävention und Bekämpfung von Seuchen im „British Medical Journal Global Healthberichten, kam es in 41 der 124 Familien im Lauf der Zeit zu durchschnittlich zwei weiteren Infektionen. Von den 335 Mitbewohnern steckten sich insgesamt 77, also rund ein Viertel, mit Sars-CoV-2 an. Die Kinder erwiesen sich dabei als vergleichsweise resistent. In dieser Altersgruppe betrug der Anteil an Infizierten 36 Prozent (13 von 36), bei den Erwachsenen belief er sich hingegen auf 70 Prozent (64 von 92).

          Ob das Virus andere Familienmitglieder attackierte, hing von etlichen Faktoren ab. Erhöht war die Ansteckungsgefahr dabei, wenn die infizierte Person an Durchfall litt, länger als zwei Tage nach Symptombeginn zu Hause lebte, sich der eigenen Infektiosität nicht bewusst war und mit den Angehörigen entsprechend weiterhin die Mahlzeiten einnahm oder mit diesen engen Kontakt pflegte.

          Darüber hinaus identifizierten die Wissenschaftler allerdings auch eine Reihe von Maßnahmen, die das Ansteckungsrisiko verringerten. Hierzu zählten vor allem Abstandhalten, die tägliche Reinigung der Toilette und anderer Oberflächen mit Chlor oder Alkohol enthaltenden Desinfektionsmitteln und insbesondere auch das Tragen einer Maske. Der Gesichtsschutz bewahrte allerdings nur dann vor einer Infektion, wenn alle Wohnungsinsassen diesen bereits zu einem Zeitpunkt angelegt hatten, als die infizierte Person noch keine Symptome aufwies. Später aufgesetzt, zeigte sie keine Wirkung mehr.

          Laut den chinesischen Forschern bestätigt diese Beobachtung die Erkenntnis, dass die Ansteckungsgefahr in den Tagen vor oder auch unmittelbar nach Ausbruch der Symptome besonders groß ist. Um sie nachhaltig zu reduzieren, sei die präventive Verwendung von Atemschutzmasken besonders effektiv. Die Bereitschaft, diese in der eigenen Wohnung zu tragen, sei zwar gemeinhin gering. Dringend raten würden sie hierzu allerdings Personen, die etwa berufsbedingte Kontakt mit Covid-19-Patienten haben oder in Gebieten mit hohen Infektionsraten leben.

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