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Covid-19-Pandemie : Die soziale Ausstrahlung der Maskenträger

Was spricht für eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen? Eine Studie liefert neue Gründe. Bild: dpa

Die Frage, ob das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Öffentlichkeit verpflichtend sein soll, wird immer wieder seit Monaten diskutiert. Eine Studie aus Erfurt liefert nun neue Argumente dafür.

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          Die Pandemie hat in den vergangenen Monaten auf vielen Forschungsgebieten zu einem beeindruckenden Wissenszuwachs geführt. Bei kaum einem Thema mag dies aber so offensichtlich sein wie bei der Frage zur Wirksamkeit des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes im Kampf gegen die Ausbreitung des Sars-CoV-2 Virus. Nach anfänglich widersprüchlichen Empfehlungen scheint heute klar: Masken schützen, und zwar nicht nur das Umfeld des Maskenträgers, sondern bei gut abschließenden Masken mit hoher Filtereffizienz auch den Träger selbst. Wie das prozentual genau aussieht, ist mittlerweile in zahlreichen Studien für praktisch alle im Haushalt verfügbaren Materialien nachzulesen – vom Staubsaugerbeutel bis zum Seidenschal.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auch was ein solche Schutz epidemiologisch bringen kann, wurde vielfach modelliert. So kam im Juli in „Mathematical Biosciences“ eine amerikanisch-australische Modellierungsstudie unter Einbeziehung von Daten aus dem  Bundesstaat New York zu dem Ergebnis, dass die Pandemie dort beendet werden könne, wenn mindestens 70 Prozent der Bevölkerung in der Öffentlichkeit hochwertige Masken mit einer Effizienz von mindestens 70 Prozent tragen würden. Bereits die Verwendung von Stoffmasken würde demnach zu einer deutlichen Abschwächung der Ausbreitung der Infektionen führen. In einer anderen amerikanische Modellierungsstudie, die im April in „Infectious Disease Modelling“ erschienen ist, war zu lesen, dass eine 80-prozentige Verbreitung von lediglich zu 50 Prozent effektiven Masken jeden fünften bis jeden zweiten der im Modell prognostizierten Todesfälle verhindern könnte.

          Eine solch verbreitete Maskennutzung kann allerdings kaum erreicht werden, wenn die Bevölkerung nicht mitzieht. Die Frage, inwiefern das Tragen einer Maske an öffentlichen Orten verpflichtend sein sollte, wurde in diesem Kontext ausgiebig diskutiert – auch unter dem Gesichtspunkt, dass es dabei vielleicht andere negative Folgeeffekte geben könnte, die dem erhofften Eindämmungseffekt entgegen laufen – wie etwa ein unter dem Eindruck des Maskenschutzes sorgloserer Umgang mit den weiterhin wichtigen Abstandsregeln.

          Deutsche Studie zur Maskennutzung

          Eine aktuell in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) erschienene Studie von Wissenschaftlern der Universität Erfurt und von Forschungsinstituten in Kopenhagen liefert vor diesem Hintergrund interessante neue Ergebnisse zur sozialen und verhaltenswissenschaftlichen Dimension der Maskennutzung. Im Zeitraum zwischen Mitte April und Mitte Mai hatten die Forscher knapp 7000 nach Geschlecht, Alter und Bundesland repräsentativ ausgewählte Deutsche online zu ihrem Verhalten und ihren Einstellungen zur Maskennutzung befragt.

          Dabei zeigte sich zunächst, dass am 27. April in Deutschland mit Einführung der Maskenpflicht an öffentlichen Orten wie Supermärkten die Maskennutzung tatsächlich stark zunahm. Entgegen anders lautenden Bedenken befolgten diejenigen Individuen, die nach eigenen Angaben häufig eine Maske trugen, auch in sehr viel höherem Maße andere Hygieneregeln, Abstandhalten und regelmäßiges Händewaschen etwa, als diejenigen, die sich dem Maskentragen verweigerten. Gleichzeitig beobachteten die Wissenschaftler, dass die Akzeptanz der Nutzungspflicht sich zeitlich unveränderlich auf einem eher moderaten Niveau bewegte: Weniger als 60 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für eine Maskenpflicht aus, auch wenn ein deutlich höherer Anteil die Nutzung für einen effektiven Schutz – insbesondere für andere, weit weniger für den Tragenden selbst – hielt.

          Experiment im Supermarkt

          An diese Umfrage schlossen die Wissenschaftler Ende Mai ein weiteres Experiment mit mehr als 900 Teilnehmern an, in dem das Zusammentreffen je einer Testperson mit einem Fremden in der Obstabteilung eines Supermarktes simuliert wurde. Zufällig wurde dabei festgelegt, ob die unbekannte Person eine Maske trug oder nicht und ob von einer Maskenpflicht ausgegangen werden sollte. Die Testpersonen wurden daraufhin nach ihrer Wahrnehmung der Situation befragt. Hier zeigte sich, dass unabhängig vom Gelten einer Pflicht die andere Person als prosozial eingeschätzt wurde, sofern sie eine Maske trug — das Maskentragen werde wie ein „sozialer Vertrag“ wahrgenommen, so die Forscher: Diejenigen die sich daran hielten, würden sich gegenseitig „belohnen”, während diejenigen, die den Vertrag nicht befolgen, „gestraft“ würden. 

          Davon unabhängig trugen die Teilnehmer aber seltener eine Maske, wenn sie nicht dazu verpflichtet wurden. Interessanterweise wurde die Freiwilligkeit von der Mehrzahl aber kritisch gesehen: Im Vergleich zu einer Maskenpflicht wurde sie als weniger fair eingeschätzt. Sobald keine Pflicht vorlag, wurde außerdem auch der andere, freiwillige Maskenträger in anderer Weise beurteilt. Ihm wurde in diesem Fall die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe unterstellt. Die Wissenschaftler geben zu bedenken, dass damit die Freiwilligkeit der Nutzung einer Mund-Nase-Bedeckung eine Stigmatisierung derjenigen fördere, die sich für diese Schutzmaßnahme entscheiden. Die daraus folgende Empfehlung der Forscher: Sofern Länder oder Gemeinden anstrebten, dass Masken getragen werden, sei eine Verpflichtung in Kombination mit aufklärender Kommunikation bezüglich des Nutzens von Masken sowie der Vorteile einer Pflicht sinnvoll.

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