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Covid-19-Pandemie : Gesucht: Die richtige Lösung für Afrika

  • -Aktualisiert am

Nachdem eine Pflegekraft positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ließ man die Duduza-Klinik in Ekurhuleni, Südafrika, Anfang April schließen und desinfizieren. Bild: AFP

Afrika im Zeiten der Corona-Pandemie: Mit Seuchenschutz haben afrikanische Länder Erfahrung, auch ist die Bevölkerung vergleichsweise jung. Aber es mangelt ihnen an vielem, nicht nur an teuren Beatmungsgeräten und Intensivbetten.

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          Liberias Präsident George Weah ergreift jetzt eine andere Strategie als seine Amtskollegen in Italien, Frankreich, Brasilien oder den Vereinigten Staaten: Er singt inzwischen gegen Covid-19 an. „Lasst uns zusammenstehen und das Coronavirus bekämpfen“ heißt der Song, den er mit einem Gospelchor aufgenommen hat. „Es könnte deine Mutter sein, dein Vater, dein Bruder oder deine Schwester“, singt der ehemalige Fußballstar. „Lasst uns zusammen diese tödliche Krankheit bekämpfen.“ Und dann mehr gesprochen: „Zu Covid-19-Symptomen gehören: Husten, Fieber, Atemnot.“

          Es ist nicht das erste Mal, dass in dem westafrikanischen Land mit Musik gegen ein Virus vorgegangen wird. Auch während der Ebola-Epidemie, die vor rund sechs Jahren ihren Anfang nahm, wurden Lieder genutzt, um die wichtigen Gesundheitsbotschaften per Radio in die entlegeneren Winkel des Landes zu vermitteln.

          Auch aus wenigen Fällen kann sich eine Katastrophe entwickeln

          Bislang sind in Liberia weniger als zehn Fälle von Covid-19 bestätigt (Stand 4. April, nachmittags), alle in der Hauptstadt Monrovia. Wie viel mehr Fälle bisher nur nicht entdeckt wurden, ist ungewiss. Klar ist allerdings, dass auch aus wenigen Fällen schnell eine Katastrophe werden kann.

          In den Vereinigten Staaten beispielsweise waren am 3. März nur 118 Covid-19-Fälle bei 320 Millionen Einwohnern gemeldet; zum Monatsende waren es mehr als 200.000. Kein Wunder, dass sich nach China, Italien und Spanien die Aufmerksamkeit der Welt zurzeit nach Nordamerika richtet. Zu makaber ist das grausame Schauspiel, wie eines der mächtigsten Länder der Welt einem winzigen Virus ohnmächtig gegenübersteht, angeführt von einem Präsidenten, der die Pandemie zunächst kleingeredet hat und sich nun im Fernsehen dafür preist, dass laut Modellen im besten Fall statt zwei Millionen nur 200.000 Menschen sterben werden. Gleichzeitig steht schon lange zu befürchten, dass Afrika von der Pandemie kaum verschont bleiben wird. Die größte Sorge der Weltgesundheitsorganisation sei, was das Virus in den ärmsten Ländern der Welt anrichten könnte. Dieses Mantra wiederholt Tedros Adhanom Ghebreyesus, der aus Äthiopien stammende Generaldirektor der WHO, seit Januar beinahe täglich. Und so schauen zumindest Gesundheitsexperten schon lange statt auf Europa oder Nordamerika bang auf Liberia und viele andere afrikanische Länder.

          Mehr als 7000 Covid-19-Fälle sind auf dem Kontinent inzwischen gezählt worden, und die Zahlen steigen rasant an. Nach dem ersten diagnostizierten Fall in Afrika habe es 26 Tage gedauert, bis 1000 Fälle auf dem Kontinent erreicht gewesen seien, sagt Michel Yao im Regionalbüro der WHO in Brazzaville, Republik Kongo. Danach habe es nur zehn Tage gedauert, bis 2000 Fälle erreicht waren. Bislang hat Südafrika mit fast 1500 Infektionen die meisten Fälle gemeldet.

          Auch rings um das „Madala Men’s Hostel“ in Alexandra, Südafrika, wird desinfiziert.

          Die Unterschiede zwischen Ländern wie Südafrika und Nigeria auf der einen Seite und Liberia oder Sierra Leone auf der anderen sind enorm. Doch Mangel herrscht überall: In einigen Ländern gebe es nicht einmal zehn Beatmungsgeräte, um schwerkranke Menschen mit Sauerstoff zu versorgen, sagt Yao. Auch Schutzkleidung, wie Atemmasken oder Handschuhe, sei kaum vorhanden. Das kann verheerende Auswirkungen haben. Die Gesundheitssysteme von Ländern wie Liberia gehören zu den fragilsten der Welt. Pro 100.000 Einwohner zählt Liberia weniger als vier Ärzte; in Deutschland sind es mehr als 400. Erkranken auch nur einige wenige von ihnen oder sterben gar, kann das ganze System schnell zusammenbrechen.

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