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Corona-Mutante : Vorerst weiter gruseln

Hoffnungslos in der Londoner Carnaby Street? Bild: Reuters

Mehr Papier, mehr Drama: Die neuesten Deutungen der verdächtigen Sars-CoV-2-Variante aus London bringen zwar mehr Details zur Übertragbarkeit, aber sie beantworten nicht alle wichtigen Fragen.

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          Londons Gruselpolitik findet überall ihre Fortsetzung. Die in England beschriebene verdächtige Sars-CoV-2-Mutante soll nun „mit hoher Sicherheit“ wesentlich leichter übertragbar sein als die anderen weltweit kursierenden Virusvarianten. Das ist die offizielle britische Lesart, festgehalten von der regierungsnahen Forschungsbehörde PHE in London. Und es ist die Lesart vieler Fachleute. Öffentlich wurde das Papier genau einen Tag, nachdem eine von der britischen Regierung beauftragte Taskforce mit „moderatem Vertrauen“ in die vorliegende Datenlage von einer „wesentlichen Steigerung“ der Übertragbarkeit gesprochen hatte. Das klang zweifellos zurückhaltender.

          Also hat sich entweder über Nacht die Datengrundlage massiv verbessert, oder die Interpretation der Daten hat sich nach den Grenzschließungen der von leichter Panik geprägten politischen Grundstimmung angenähert. Wie auch immer, die Gemütsverfassung verdüstert sich weiter. Kaum Erleichterung verschafft zudem der Befund, dass noch kein deutsches Labor den Fund der Mutante bestätigt hat. Kunststück: Hierzulande werden Genomanalysen der Virusvarianten praktisch nur an der Charité in Berlin vorgenommen. Deutschland leistet sich diese Datenlücke, und die hiesigen Spezialisten können wenig zur Klärung beitragen, sondern selbst nur staunen.

          Impfstoff und Hygieneregeln greifen

          Immerhin wird auf breiter Front versichert, wenn auch keineswegs in dem PHE-Dokument, dass die Impfstoffe auch gegen diese Variante wirken und die Krankheit Covid-19 nach einer Infektion mit dieser Mutante nicht schlimmer verlaufen dürfte. Auch die Hygieneregeln greifen. So bleibt als vorläufiges Fazit: Die vielen, fast drei Dutzend Mutationen, die zu einigen Veränderungen auch im für die Infektion entscheidenden Stachelprotein des Virus führen, sind biologisch zwar hochgradig verdächtig. Klarheit wird es aber erst geben, wenn die Briten weiterführende epidemiologische Daten liefern und Fragen wie die beantworten, wie schnell sich die Variante in welchem Personenkreis ausbreitet. Das ist vor Neujahr kaum zu schaffen. Heißt also: vorerst weiter gruseln.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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