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Covid-19-Impfung : Flucht nach vorne

Drei Stiche, wenig stichhaltige Gegenargumente: Der Wert der dritten Impfdosis für alle ist inzwischen klar belegt. Komplett ist der Impfschutz nur mit Booster. Bild: Wonge Bergmann

Lassen wir uns zu schnell verunsichern? Wie mit Pseudostudien immer noch viele Menschen aufs Glatteis geführt werden und was eine „vollständige Impfung“ wirklich bedeutet.

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          Impfstoffe, so verstehen das viele, sind unsere smarte Festung, sie schützen uns gegen den Ansturm der stupiden Viren. Quasi unbezwingbar werden wir. Richtig? Hat die Wissenschaft nicht genau das versprochen? Und können die Vakzine das auch tatsächlich einlösen im Lichte der aktuellen Debatten? Solche Fragen werden jetzt immer öfter und immer energischer gestellt. In die berechtigten Fragen mischt sich auch vermehrt grundsätzlicher Zweifel, unverhohlenes Misstrauen oft genug. Etwa so formuliert: „Impfen kann die Pandemie nicht stoppen.“ Ein sogenanntes Zentrum der Gesundheit verbreitet das. Anderes Beispiel: „Je höher die Impfquote, desto höher die Übersterblichkeit“ – auch das eine Behauptung, formuliert in einer sogenannten „Studie“ eines ehemaligen Psychologie-Professors der Universität Jena und eines Jenaer „unabhängigen Beraters und Programmierers“, die das Bild von der immunologischen Festung bröckeln sehen wollen. Aber können die Impfstoffe wirklich nicht mehr halten, was mit ihrer Einführung versprochen wurde?

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Unübersehbar ist: Mehr als ein Dreivierteljahr nach Beginn der Impfungen, und noch dazu mit einer im Land bisher nicht erlebten Zuspitzung der Lage und der pandemiepolitischen Konflikte, wird es den Menschen immer schwerer gemacht, die wissenschaftliche Spreu vom Weizen zu trennen. Die kontraintuitiven Jenaer Thesen zur Übersterblichkeit im Land etwa, die jeweils mit dem Impfen zunehme, unterstellen eine Kausalität auf Basis von lediglich vier Wochen im September, die schon vom gewählten Zeitraum — direkt nach dem infektionsarmen Sommer — und der Datenverfügbarkeit her für Übersterblichkeitsberechnungen ungeeignet sind und dazu noch das Infektionsgeschehen weitgehend ausblenden.

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