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Bericht zu Covid-19 : Experten sehen „massives globales Versagen“ bei Pandemiebewältigung

Millionen Todesfälle durch Covid-19 seien vermeidbar gewesen, sagt die Untersuchungskommission. Bild: dpa

Viele Regierungen wie auch die WHO haben falsch auf die Corona-Krise reagiert, kritisiert eine internationale Kommission. Millionen Todesfälle seien vermeidbar gewesen. Sie fordert stärkere Multilateralität und Solidarität.

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          In den ersten zwei Pandemiejahren gebe es „weitverbreitete Versäumnisse“ bei der Prävention, Transparenz, den grundlegenden Praktiken der öffentlichen Gesundheit wie auch der internationalen Zusammenarbeit und Solidarität, kritisiert eine vom angesehenen Fachmagazin „Lancet“ zusammengestellte Untersuchungskommission. Sie geht davon aus, dass ein erheblicher Teil der geschätzt 17,7 Millionen Todesfälle durch Covid-19 vermeidbar gewesen wäre. Dies sei „sowohl eine erschütternde Tragödie als auch ein massives globales Versagen auf vielen Ebenen“, schreibt sie in ihrem Abschlussbericht.

          Hinnerk Feldwisch-Drentrup
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die meisten nationalen Regierungen seien unvorbereitet gewesen, hätten die Ausbreitung von Covid-19 nicht ausreichend durch Tests, Kontaktnachverfolgung und Isolierungen begrenzt und vulnerable Gruppen zu wenig unterstützt, meint die 28-köpfige Expertengruppe, die der New Yorker Ökonom Jeffrey Sachs leitet. Eine Ausnahme sieht sie bei Ländern im Westpazifikraum: Diese hätten aufgrund früherer Erfahrungen mit dem SARS-Erreger vor knapp zwanzig Jahren schnell und mit Nachdruck gehandelt und durch Strategien zur Verhinderung von Infektionen die Gesamttodeszahlen stark gesenkt – auch in Bezug auf die mentale Gesundheit sei dieser Ansatz besser als jener als „flatten the curve“ bezeichnete Kurs, bei dem die Ausbreitung nur begrenzt werden soll. Dass viele Regierungen im März 2022 Maßnahmen wie das Tragen von Masken oder Einschränkungen bei Kontakten aufgehoben haben, sei verfrüht gewesen.

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